The Stereotypes - The Stereotypes

The Stereotypes- The Stereotypes

Sounds Of Subterrania / Cargo
VÖ: 22.08.2005

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

1, 2, Polizei

Vielleicht könnte sich eine kleine Handvoll Bürokraten durch meterdicke Register buddeln und würde dann Näheres erfahren. Haargenau weiß aber wohl niemand, wie viele Garagen es in Kalifornien gibt. Nach der exakten Zahl kräht auch kein Hahn. Erfreulich ist nur, daß sich unablässig in so mancher dieser Garagen kleine Haufen talentierter Musiker zusammenrotten und hervorragende Musik hervorbringen, die sich zu entdecken lohnt. Dazu gehören auch die hierzulande bisher kaum auf entdeckungsfreudigen Plattenspielern gelandeten Stereotypes. Kleine Achtungserfolge hat sich das Quintett um Sänger John Finkbiner zwar in den letzten Jahren erhamstert, doch blieben diese bislang fast völlig auf den Staat beschränkt, in dem ihre Garage steht. Mangelndes Talent und unausgegorene Songs als möglichen Grund dafür kann man indes zusammenknüllen und in hohem Bogen im Papierkorb verkehrter Annahmen versenken. Die Stereotypes schrammeln sich gut gelaunt durch ebenso entspannte wie knackige Dreiminüter, die ein wenig im Dreck wühlen und ganz nebenbei direkt in die Gehörgänge tanzen.

Mal scheppert geradlinig der Rotz aus den Fugen wie im Opener "New situation". Mal umschmeichelt sonnengereifte Melodieseligkeit mit mehrstimmigen Huh- und Dubidubdubidub-Chören das Trommelfell, während die Schultern beschwingt im Takt schunkeln wie in "Almost lost" oder "Women in magazines". Die Hammond-Orgel schwubbert vergnügt im Hintergrund, die Gitarre bratzt mit charmantem Schwung hinterher, das Schlagzeug rumpelt gegen die blendende Sonne an. Finkbiner singt dazu mit Hausmausklaus-Reimen ebenso verschmitzte wie nichtssagende Texte von dreckigen Bettlaken, weißen Bräuten, sternfunkelnden Augen oder dem Zauber von schönen Frauen in Hochglanzmagazinen. Sein Timbre knödelt dabei ähnlich nonchalant wie Sängerkollege Casablanca bei den Strokes, mit denen die Stereotypes weit mehr als nur die Stimm-Ähnlichkeit der Sänger teilen. Auch die frühen Phantom Planet könnte man beim Blindtest fälschlicherweise aus einigen Songs herausraten. Und doch dienen die Vergleichs-Stempel nur der groben Orientierung und sind bei aller zwischenzeitlich frappierenden Ähnlichkeit recht grob geschnitzt. Einen kleinen Zacken vielfältiger als ihre Kollegen sind die Stereotypes, vielleicht auch noch etwas mehr auf der Suche.

Aber sie bewegen sich vorwärts, was gerade das vorliegende Album beweist: Während die Stereotypes in den USA schon ihren dritten Wurf veröffentlicht haben, naheliegenderweise "3" betitelt, setzt sich das in Deutschland vorliegende Album aus den acht Songs des Vorgängers "2" und vier Songs vom Erstling namens "1" zusammen. Die Stirn kräuselt sich leicht irritiert, die Zusammenstellung bleibt aber aufgrund der durchweg überzeugenden, streckenweise begeisternden Songs trotzdem sehr erfreulich. Außerdem ermöglicht es so, Entwicklungsschübe zwischen erstem und zweitem Album festzustellen, gerade bei der Ausgefeiltheit der Arrangements. Mehr Feinheiten, geschmeidigere Melodien, ohne das dreckige Rumpeln zu vernachlässigen. Auch ein wenig satterer Klang findet sich in den neueren Stücken. Trotz allem passen neue und alte Stücke gut zusammen. Einen klasse Einstieg, um diese spannende Band zu entdecken, bietet "The Stereotypes" allemal. Bleibt zu hoffen, daß auch "3" bald ohne Import-Umwege in hiesige Plattenläden trudelt. Und solange den Stereotypes weiterhin so gute Song-Ideen kommen, verzeihen wir ihnen auch die reichlich stereotypen Albumtitel.

(Ole Cordsen)

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Highlights

  • New situation
  • Unsure
  • Women in magazines

Tracklist

  1. New situation
  2. Stars
  3. I drink
  4. Outside
  5. Dirty sheets
  6. Almost lost
  7. Try me
  8. Unsure
  9. The night before
  10. Women in magazines
  11. Come to say hello
  12. I know now

Gesamtspielzeit: 39:29 min.