Ozzy Osbourne - Under cover

Ozzy Osbourne- Under cover

Epic / Sony BMG
VÖ: 18.11.2005

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Altengleis

Okay, sammeln wir einmal. Der Sohn: bereits im Teenager-Alter ein fettes Drogenwrack. Die Tochter: gänzlich talentfreie Möchtegernsängerin, bei der selbst Dieter B. im DSDS-Casting die Worte fehlen würden. Die Mutter: geldgeile Managerin und fanatische Ausbeuterin des - Vaters: in einem früheren Leben gefeierter Star, damals jedoch erfolgreich durch viele lustige Substanzen das Gehirn zu Obst verarbeitet. Die Flodders sind gutbürgerlicher Mittelstand gegen das, was man in den letzten Jahren aus dem Hause Osbourne geliefert bekam.

Damit wir uns richtig verstehen: Ozzys Lebenswerk verdient allerhöchsten Respekt, hat er doch der Rockmusikwelt mit Black Sabbath und auch solo eine Fülle von unsterblichen Klassikern hinterlassen. Leider Gottes hat Gattin Sharon keinen Bock auf Rente, sondern versucht nach Kräften, ihren Mann und seinen Ruf vollends und nachhaltig zu zerstören. Neuester Versuch: Die Sammlung "Under cover", die bereits mit ähnlicher Tracklist als Bonus-Disk des Box-Sets "Prince of darkness" herhalten mußte, wird sicherlich rein zufällig rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft als separate Version veröffentlicht. Etwaige Sinnfragen verbieten sich.

Genug gelästert, wir sind hier bei Plattentests.de und nicht bei der BUNTEn. Denn was zunächst aus den Lautsprechern tönt, ist stellenweise gar anhörbar. Sei es "Rocky mountain way" (Original von Joe Walsh) oder "Mississippi queen" (Mountain), der Madman rockt immer noch passabel, wenn man ihn läßt. Nicht zuletzt dank der tadellosen Gitarrenarbeit von Jerry Cantrell. Gelungen auch "21st schizoid man" (King Crimson), das im Nachhinein für Herrn Osbourne bestimmt zu sein scheint. "Sunshine of your love" (Cream) und das unverwüstliche "Fire" (Arthur Brown) schweineorgeln noch ganz nett. Doch das war's dann auch.

Ansonsten unterbieten sich immer wieder diese unsäglichen Versuche, eine Ballade hinzubekommen. Nehmen wir mal die beiden John-Lennon-Songs "Woman" und "Working class hero". Eigentlich verklagt Yoko Ono jeden Hansel, der sich am Oeuvre ihres Verblichenen vergreift. Warum zum Henker nicht hier? "Sympathy for the devil" hört sich an wie entfesselte Beamte nach dem 10. Glühwein auf der Weihnachtsfeier der Oberfinanzdirektion Hamburg-Schlump, "Go now" (The Moody Blues) und "Good times" (Eric Burdon) noch viel bedenklicher. Doch das Schlimmste kommt noch: Gemeinsam mit dem Töchterchen wird nochmal der Sabbath-Klassiker "Changes" geschändet. Und das ist noch nett formuliert.

Letztlich wird mit "Under cover" ein weiterer Nagel in den Sarg einer Legende geschlagen. Und ein Gefühl hervorgerufen, das irgendwo zwischen Entsetzen und Mitleid liegt. Entsetzen über den Verfall einer Ikone, Mitleid mit einem alten Mann, der wahrscheinlich nicht einmal so recht mitbekommt, was mit ihm geschieht. Wo sind eigentlich die Grauen Panther, wenn man sie braucht?

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • 21st century schizoid man
  • Fire

Tracklist

  1. Rocky mountain way (Originally recorded by Joe Walsh)
  2. In my life (Originally recorded by The Beatles)
  3. Mississippi queen (Originally recorded by Mountain)
  4. Go now (Originally recorded by The Moody Blues)
  5. Woman (Originally recorded by John Lennon)
  6. 21 century schizoid man (Originally recorded by King Crimson)
  7. All the young dudes (Originally recorded by Mott The Hoople)
  8. For what it's worth (Originally recorded by Buffalo Springfield)
  9. Good times (Originally recorded by Eric Burdon)
  10. Sunshine of your love (Originally recorded by Cream)
  11. Fire (Originally recorded by The Crazy World Of Arthur Brown)
  12. Working class hero (Originally recorded by John Lennon)
  13. Sympathy for the devil (Originally recorded by The Rolling Stones)
  14. Changes (feat. Kelly Osbourne) (Originally recorded by Black Sabbath)

Gesamtspielzeit: 62:06 min.

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