Nirvana - Sliver - The best of the box

Nirvana- Sliver - The best of the box

Geffen / Universal
VÖ: 04.11.2005

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Rape me

Manch einer mag sich an die überschwengliche Abfeierung der bei allem Krach immens wertigen Nirvana-Box "With the lights out" erinnern. Hinter metallischem Glanz versteckte sich der sagenumwobene Rest. Der Nachlaß. Brillant in seinem Schmutz und Dreck, bewegend in Krach und Zärtlichkeit. Alles, wirklich alles, was Kurt Cobain und Nirvana je auf zerschlissenen Tapes, auf klaustrophobischen Bühnen und in versifften Proberäumen eingespielt haben. Sagte man. Verarscht.

Denn die angeblich auf den kleinen Geldbeutel zugeschnittene Perlenfischerei "Sliver - The best of the box" ist keineswegs nur die Übersicht der besten Fundstücke von "With the lights out". Nein, irgendwer hat mit einem Prä-Nirvana-Demo von "Spank thru", einem scheppernden Studiotake von "Sappy" und der Boom-Box-Version von "Come as you are" dann doch noch drei rare Aufnahmen gefunden, die natürlich dringend mitgenommen werden mußten.

Nichts gegen diese musikalisch über jeden Zweifel erhabenen Momentaufnahmen. Aber irgendein Labelmensch hat sich damit sicherlich die "Summa cum laude"-Auszeichnung für sein Examen in Geldschneiderei verdient. Schließlich machte gerade der Reiz der Komplettheit, die Gewißheit des finalen Überblicks einen großen Teil der Faszination von "With the lights out" aus. Und jetzt dürfen überzeugte Alleshabenmüsser nach der mit gerade mal einer mickrigen neuen Genialität bestückten Best-Of-Kopplung "Nirvana" und besagter Box doch noch in ein weiteres Album investieren. Das verschafft dem Wort "weitblickende Produktauswertung" neue Bedeutungsebenen. "Ain't it a shame?"

Doch genug der Aufregung: Wer nicht mit Lottogewinn, fürsorglichen Verwandten oder erquicklichen Einkommen gesegnet ist und sich demzufolge die große Box bislang nicht leisten konnte, wird durchaus einige Freude an den zweiundzwanzig Schepperhymnen auf "Sliver - The best of the box" haben. Und bekommt überdies noch einen launig kommentierten Karrierekalender als Bonus. Auch die einfache Ausgabe stellt die Karriere der Band in chronologischer Reihenfolge nach. Vom völlig zerschossenen "Spank thru"-Demo aus Fecal-Matter-Zeiten mit Dale Crover an Baß und Drums bis hin zu einem besinnlichen Demo von "All apologies", vorbei am intensiven Rauschen eher obskurer Tracks wie "Opinion", "Clean up before she comes" oder "Do re mi" bis hin zu noch ungeschliffenen Frühversionen der Hits. "Lithium", "Sliver", "Rape me", "Smells like teen spirit", "Come as you are", "About a girl", "Heart shaped box". Formidable Selbstverstümmelung.

Auch in der übersichtlicheren Variante geht dieses Getöse ans Herz wie ein rostiges Messer. Daß dieser vortreffliche Lärm der wohl wichtigsten Band der Neunziger jeglicher Abzocke zum Trotz auch weiterhin uneingeschränkt empfehlenswert ist, ändert freilich nichts daran, daß man die Verantwortlichen für diese Veröffentlichungspolitik mit den Schandtaten von Nickelback quälen sollte, bis das Blut aus ihren Ohren kommt.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Clean up before she comes (Home demo)
  • Opinions (Solo acoustic radio appearance)
  • Smells like teen spirit (Boom box version)
  • Come as you are (Band demo)
  • Old age
  • Heart shaped box (Band demo)
  • You know you're right (Home demo)

Tracklist

  1. Spank thru (1985 Fecal Matter demo)
  2. Heartbreaker (live)
  3. Mrs. Butterworth (Rehearsal demo)
  4. Floyd the barber (live)
  5. Clean up before she comes (Home demo)
  6. About a girl (Home demo)
  7. Blandest (Studio demo)
  8. Ain't it a shame (Studio demo)
  9. Sappy (1990 studio demo)
  10. Opinion (Solo acoustic radio appearance)
  11. Lithium (Solo scoustic radio appearance)
  12. Sliver (Home demo)
  13. Smells like teen spirit (Boom box version)
  14. Come as you are (Boom box version)
  15. Old age (Nevermind outtake)
  16. Oh the guilt
  17. Rape me (Home demo)
  18. Rape me (Band demo)
  19. Heart shaped box (Band demo)
  20. Do re mi (Home demo)
  21. You know you're right (Home demo)
  22. All apologies (Home demo)

Gesamtspielzeit: 74:34 min.

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