The Ponys - Celebration castle

The Ponys- Celebration castle

In The Red / Cargo
VÖ: 18.11.2005

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Franz Pferdinand

Zunächst mal steht man hier knietief im Hall. Quecksilberne Gitarren breiten sich durch einen abgedunkelten Raum aus und schwellen auf und ab. Willkommen im "Celebration castle"! Nachdem The Ponys mit ihrem Debüt "Laced with romance" die Fahne des klassischen Garagenrock in schmutziger Cramps-Tradition so hoch gehalten hatten wie kaum jemand sonst, lassen sie mit ihrem Zweitling ein wenig mehr fahles Licht an die Sache. Und Türsteher Steve Albini sorgt dafür, daß kein Klischee zuviel im Mondlicht steht und Schatten wirft.

"Celebration castle" entpuppt sich schnell als rumpeliger Jahrmarkt des Halbdunkels. Mit einem Hauch gotischer Eleganz werden die Saiten geschrubbt. Schon der Opener "Glass conversation" wird von duellierenden Perlgitarren überflutet. "Another wound" janglet romantizistisch. "We shot the world" droht mit dem existentialistischen Riff aus "Love will tear us apart" und wankt am Ende doch einzigartig dem Untergang des Postpunk-Abendlandes entgegen.

Und doch sind die finsteren Anwandlungen hier keineswegs Bestimmung. Kein kokettes Hadern mit der Vergänglichkeit des Seins, eher ein Fest der Existenz mit all ihren Vor- und Nachteilen. Carpe diem. Doch es braucht keine großen Gedanken, wenn der beherzte Tritt auf der Verzerrer Statement genug ist. Die zehn Songs rumpeln und flattern munter umher, quetschen zwischendurch gerne mal ein wenig Luft aus der Mundorgel und sind überhaupt quicklebendig.

Mit all seinen schlunzigen Zitaten und Versatzstücken ist "Celebration castle" natürlich eine verdammt dreiste Wilderei auf dem Schrottplatz der Rockgeschichte. Die Riffs, die Slogans, der naive Aufruhr. Alles schon mal dagewesen. Aber Jered Gummere und Melissa Elias quengeln und scharren dazu so hingebungsvoll, daß selbst die penibelste Indierock-Politesse den Strafzettel zerknüllt. Und in ihrem Handtäschen nach Kajal und Puder sucht.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Glass conversation
  • Another wound
  • We shot the world
  • Shadow box

Tracklist

  1. Glass conversation
  2. Another wound
  3. Today
  4. I'm with you
  5. We shot the world
  6. Shadow box
  7. Discoteca
  8. Get back
  9. She's broken
  10. Ferocious

Gesamtspielzeit: 37:17 min.

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