Embrace - Dry kids (B-sides 1997 - 2005)

Embrace- Dry kids (B-sides 1997 - 2005)

Virgin / EMI
VÖ: 28.10.2005

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Magic numbers

Manchmal sind Bandnamen mit Bedacht ausgewählt. Die britische Band Embrace ist wahrscheinlich so ein Fall. Dieser Sound umarmt Dich wie eine gute Mutter nach einem eher wenig erfolgsverkündenden Elternsprechtag. Emotion. Zuneigung. Liebe. Kannst Du alles haben, wenn Du den bisher vier Alben lauschst, die die McNamara-Brüder aus Huddersfield gemeinsam mit ihren Bandfreunden so zustande brachten. Nach dem sehr hymnischem Debüt "The good will out" von 1997 ging es zwar nach steilem Aufstieg musikalisch schnell nach unten. Zuletzt zeigten Embrace jedoch wieder ansteigende Form, dokumentiert auf dem songtechnisch ausgefeilten "Out of nothing". Nun also die "Dry kids", eine Sammlung von allerlei bisher maximal semiprominentem B-Seiten-Material. Eine wunderbare Raritätenkollektion obendrein, bei der dazu nur selten die Skip-Taste bedient werden muß.

Die Schattenseiten kann man an einer Hand abzählen. Die offenbaren sich immer da, wo Embrace versuchen, das Image des braven Kuschelrockers abzuschütteln. Manchmal gelingt das, wie bei den Rockern "Too many times" oder "Blind", zumindest halbwegs. Wenn dazu jedoch der Versuch gemacht wird, auch noch Tanzbares zu fabrizieren, wirken die stets so sympathischen Herren ein wenig fehlgeleitet. Wie bei "Flaming red hair" mit den manchmal zickigen Parts oder dem Paul-Oakenfold-Remix von "One big family", der hier an vierter Position deutlich zu prominent plaziert ist.

Aber warum in die musikalischen Niederungen gehen, wo doch die Luft ganz oben so schön ist? Bestens gelungen sind all diese schmachtenden kleinen Pop-Ballädchen auf "Dry kids (B-sides 1997 - 2005)". Herzergreifendes am laufenden Band. "The shot's still ringing" lullt gleich zu Beginn gehörig ein, sollte auf Anweisung der Plattenfirma eigentlich gar fürs kommende Album zurückgehalten werden. Nicht mit Embrace. "Madeleine" erzählt von einer verflossenen Liebe und bietet einen der schönsten Texte aus der Feder von Danny. Dazu die feine Coverversion von D-12s "How come", zu finden auf der "Ashes"-Single. Der Titeltrack "Dry kids" aus der Frühphase läßt die Augen tränen, und "Butter wouldn't melt" bringt (sorry!) die Butter nun wirklich zum Schmelzen.

Und so geht das weiter. Was das Herz begehrt: Vorhanden. "Maybe I wish" läßt noch deutlich das Proberaumflair ahnen, wird erst zum Ende hin breiter. Wie überhaupt sich der Sound bei Richard und Danny McNamara erst einmal wohlig in der Ohrmuschel plaziert, um dann choral und voluminös zu enden. "Feels like glue" ist so ein Ding. Famos gelungen ist "I've been running", das schon bei der Veröffentlichung der Single "Hooligan" so einen stimmigen Konterpart bot. Eine Ballade, wie sie in einem Lehrbuch stünde. Eigentlich ist "Dry kids (B-sides 1997 - 2005)" eine fast perfekte Sammlung. Lediglich einen Song vermissen wir sehnlichst: Der fein gecoverte Kinderschlager "Three is the magic number" gefiel Embrace offenbar so gut, dass er schon auf der Best-Of-CD "Fireworks" landete. Von der B-Seite zur A-Klasse! So muß der Hörer Vorlieb nehmen mit den 18 anderen, aber dennoch manchmal magischen Nummern.

(Sebastian Peters)

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Highlights

  • The shot's still ringing
  • How come
  • I've been running

Tracklist

  1. The shot's still ringing
  2. Madelaine
  3. Flaming red hair
  4. One big family (Perfecto mix – long fade)
  5. How come (Live)
  6. Dry kids
  7. Butter wouldn't melt
  8. Too many times
  9. Blind (Road version)
  10. Maybe I wish
  11. Free ride
  12. Feels like glue
  13. I've been running
  14. Brothers and sisters
  15. Milk and honey
  16. The way I do
  17. Love is back
  18. Waterfall (18)

Gesamtspielzeit: 77:50 min.

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