Burt Bacharach - At this time

Burt Bacharach- At this time

Ariola / Sony BMG
VÖ: 28.10.2005

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Zeitschänderei

Also, hier drauf hätte man vor einem Jahr wirklich mal ein bißchen was setzen sollen: Burt Bacharach wird 2005 seinen ersten musikalischen Mucks seit der 1998er Elvis-Costello-Collabo "Painted from memory" machen. Noch dazu wird dieser Mucks sein erstes Soloalbum seit "Futures" werden, nach dem er sich 1977 schon einmal für zwanzig Jahre Richtung Frührente verabschiedet hatte. Und zu guter Letzt wird jener sagenumwobene Mucks auch noch kräftig Unterstützung von Leuten wie Rufus Wainwright und Costello (Gesang), sowie Dr. Dre und zwei der Black-Eyed-Peas-Typen (Beats, Loops) bekommen. Die Wettquote dafür hätte sich Ante S. auch nicht besser zusammenmanipuliert. Und doch ist "At this time" am Ende ganz gehörig in die Armani-Hose gegangen. So etwas darf eigentlich gar nicht wahr sein.

Wir haben auch schon einen Schuldigen: George W. Bush. Natürlich. Der und seine Gang waren es nämlich, die einen sichtlich erbosten Bacharach nach all den Jahren dazu aufbrachten, noch einmal in den Ring zu steigen. Und so hören wir jetzt die persönlichsten Texte seiner langen Karriere. Ohne größere Verklausulierungen oder sonstigen Schnickschnack. Bacharach erzählt, wie man vor 60 Jahren noch U-Bahn in New York fahren konnte, ohne sich um sein Leben sorgen zu müssen. Er will wissen, was das für Leute sind, die die Welt in Schräglage gebracht haben und jetzt nicht mal den Kopf dafür hinhalten wollen. Und er hat auch eine Antwort auf all den Schlamassel. "Is love enough?" Es ist zumindest mal ein Anfang.

Während die Lyrics also weit davon entfernt sind, irgendwelche aufregenden Neuigkeiten festzustellen, aber bei aller Einfachheit immerhin ihren Zweck erfüllen, ist die eigentliche Katastrophe hier, wie sehr sich der Komponist in Bacharach unter Wert verschleudert. Es steckt nicht eine nennenswerte Idee in den 53 Minuten von "At this time". Alles klingt, als stamme es von der gleichen Rolle Soundtapete, mit der amerikanische B-Movie-Producer ihre Softporno-Szenen tapezieren. Und vor allem die HipHop-Gäste hatten scheinbar überhaupt keinen Bock auf die Sache, ließen schnell ein paar Drumloops aus der untersten Archivschublade springen und hatten so immerhin ein Alibi für den Tag ihrer Studioarbeit.

Ihnen allein die Schuld zu geben, wäre indes aber auch zu einfach. Zwischen endlos dudelnden Saxofonen und verkleisterten Dosenstreichern sind es ja doch vor allem Bacharachs Songs, denen nicht ein vernünftiges Argument für ihr Dasein einfällt. Oft dümpeln sie drei, vier Minuten orientierungslos vor sich hin und legen die eingeschlafenen Füße hoch. Dann fängt der Gesang an und man kann sie plötzlich sogar voneinander unterscheiden. Weder Wainwright (wie gewohnt) noch Costello (waidwund) können da irgendwas rausreißen. Und so schafft es Bacharach, 78, am Ende noch älter zu klingen, als er ohnehin schon ist. Besten Dank auch, W.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

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Tracklist

  1. Please explain
  2. Where did it go?
  3. In our time
  4. Who are these people?
  5. Is love enough?
  6. Can't give it up
  7. Go ask Shakespeare
  8. Dreams
  9. Danger
  10. Fade away
  11. Always taking aim

Gesamtspielzeit: 53:12 min.

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