Korn - See you on the other side

Korn- See you on the other side

Virgin / EMI
VÖ: 02.12.2005

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Kopflos

Das Ende einer Beziehung ist oft mit Schmerzen verbunden. Zumeist mit seelischen, manchmal aber auch mit körperlichen. Man erinnere sich an das Ende von Take That. Da wurde geweint, geflucht und sich gefreut. Das Ende der ersten Ära Backstreet Boys wurde eher lautlos eingeläutet. Ein stilles Schweigen im Wald der massenkompatiblen Radioberieselung. Andere Zugpferde ließen sich vor den Karren spannen: Zuletzt vernahm man gar einen von Schnewittchens Zwergen mit roter Kappe im Dudelradio, der irgendwas von "Behind blue eyes" trällerte. Das nervte und war wahnsinnig unwichtig. Die Idee der Entwicklung von Boygroups zu wilden Rockern mußte überdacht werden. Denn das Genre hatte seine Relevanz längst überlebt. Der New Metal seine Blaupause auch. Das Räderwerk geriet ins Stocken. Im Jahre 2005 gehört dies zum empirischen Wissen. Um dies zu erkennen, braucht man Köpfchen. Die Gruppe Korn hat ihres verloren. Und das hört man.

Brian "Head" Welch ist Christ geworden. Sein Glaube verweigerte eine weitere Zusammenarbeit mit seinen heidnischen, pornofilmdrehenden Kumpanen. Wo Head sein Kreuz zur Beichte trägt, strecken Korn ihre verdorbenen Mittelfinger in die Höhe. Sie geißeln das Allstarproduzententeam The Matrix, welches durch produktive Koalitionen mit Popgiganten wie Britney Spears oder Ricky Martin in die inhaltliche Leere gerutscht ist, sowie Atticus Ross, der neben P!nk auch schon Nine Inch Nails betreute.

Die helfenden Regelschieber lassen ihren Input deutlich hören. Der Background ist Industrial. Die Melodieführung poppig. Richtig: Das ist ausgelutscht, und zwar bis zur letzten Faser. Da ein kräftiges Riff, hier ein slappender Bass, dort eine bombastische Produktion. Umorientierung recht und schön, das hat schon bei Slipknot funktioniert, und das wollten wir längst von Korn hören. Aber wenn diese Fear-Factory-für-Arme-Neuausrichtung die einzig mögliche Alternative ist, hätte man es vielleicht doch vorgezogen, wenn Korn nach "Untouchables" und "Take a look in the mirror" weitere zehn Platten mit ihren uralten Standards gefüllt hätten. Tracks wie die mittelmäßige Single "Twisted transistor", das schrecklich uninspirierte "Hypocrites" oder das Popstück "Coming undone" ziehen die Langeweile wie Kaugummi aus den Mündern der 14jährigen EMP-Katalog-Leser. Mit "Getting off", das Korn vielleicht "kompromißlos" nennen würden, wir aber nur "melodiearmes Geprügel", überreizt man dann schließlich die Geduld.

Man will die Flinte schon ins Korn werfen, doch es kommt anders. Und zwar mit dem für Kornsche Verhältnisse überraschend mutig arrangierten Ausklang der Platte. "Seen it all" zeigt mit sechs Minuten Länge und verwischter opulenter Instrumentierung zumindest interessante Ansätze. Und der folgende, ganz ohne Gitarrenbreitseite auskommende Schlußtrack versetzt die Augenbraue in Spannung. Versuchen wir es mal mit einer Hypothese: Würde "See you on the other side" mit dem letzten Track "Tearjerker" als Opener ins Rennen gehen, hätte selbst das geschulte Ohr eines der immer rarer werdenden Fans Probleme, die Erzeuger dieses mystischen, brodelnden und emotionalen Stückes zu erraten. Danach wären alle überrascht und würden denken: "Och, na da wird sicherlich wieder was draus. Gut, daß der Welch endlich in den Sack gehauen hat." Jaja, Veränderung und so. Pustekuchen. Korn werden ihre Hypothek wohl nicht mehr abbezahlen.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Tearjerker

Tracklist

  1. Twisted transistor
  2. Politics
  3. Hypocrites
  4. Souvenir
  5. 10 or a 2-way
  6. Throw me away
  7. Love song
  8. Open up
  9. Coming undone
  10. Getting off
  11. Liar
  12. For no one
  13. Seen it all
  14. Tearjerker

Gesamtspielzeit: 60:05 min.

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User Beitrag

The MACHINA of God

Postings: 17609

Registriert seit 07.06.2013

2018-11-28 18:12:16 Uhr
It's funky, it's heavy, it's dark, and sometimes, industrial-tinged. Working with so many different people and everything, it's made it out to be a really well-rounded album of a lot of different things. It's definitely Korn, it's definitely groove-oriented. But it's our most experimental album to date. We're very excited. We're all sitting around, when we listen to it, looking at each other going, 'I can't believe that's us.' I think people are really going to dig it.

Das meint JOnathan Davis. Bei "I can't believe that's us" mussste ich schon echt lachen.

The MACHINA of God

Postings: 17609

Registriert seit 07.06.2013

2018-11-28 18:08:34 Uhr
Und nun ist dieses dran. Joah. Die Veränderungen sind marginal. "Politics" und "Hypocrites" sind ganz cool. Und irgendwo weiter hinten kommt doch noch ein ordentlicher Brecher, wenn ich mich nciht irre.
Harder
2011-09-01 18:03:11 Uhr
Das bisher schlechteste Korn-Album von allen. Sogar noch schlechter als "Untitled", und dass soll was heißen. Diese hiphop-aritgen experimentellen Einflüsse finde ich leider garnicht jut.
RoKKa
2006-04-14 17:44:57 Uhr
achso album steht bei 6/10
RoKKa
2006-04-14 17:43:54 Uhr
coming undone ist wirklich gut. endlich mal wieder was das überzeugt... nach dem beschissenem twisted transitor ODER SO ÄHNLICH
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  • KoRn (274 Beiträge / Letzter am 10.09.2019 - 21:02 Uhr)

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