Bright Eyes - Motion sickness - Live recordings

Bright Eyes- Motion sickness - Live recordings

Saddle Creek / Indigo
VÖ: 18.11.2005

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Der bewegte Mann

Es soll ja Leute geben, die finden, daß Conor Oberst mittlerweile zu gut singt. Sie wünschen sich weniger Kontrolle in seiner Stimme. Mehr Dellen und Schaukeln. Mehr Narben. Mehr früher. Irgendwo zwischen Overdubs und ein bißchen Übung, so sagen sie, sei auf "I'm wide awake it's morning" und "Digital ash in a digital urn" das Unmittelbare verloren gegangen. Das Inständige und Wankelmütige, das aus Oberst vor zweieinhalb Jahren schon beinahe eine dieser "Stimmen einer Generation" gemacht hätte, die eigentlich nur gern in Ruhe eine Flasche Roten köpfen würde. Für diese Leute ist "Motion sickness".

Aber wie auch immer. Es geht jedenfalls rauf und runter auf dieser Live-Platte. Mit Obersts Stimme, mit der Dramaturgie und durch aller Herren Länder. Nicht an einem Abend, sondern im Verlauf der "Wide awake"-Tour wurde "Motion sickness" aufgezeichnet. Und doch klingt es wie ein einziges Konzert, in dem Oberst sich irgendwie zurechtfinden muß. "At the bottom of everything" und "We are nowhere and it's now" bleiben so ein wenig unentschlossen, erst mit "Old soul song", dem vorher kurz angeteasten "Make war" und zusätzlichem Gitarrenkick kommt die Platte richtig aus dem Quark. Danach gefällt sie sich vor allem in ihrer zweiten Hälfte als Sammlung eher selten gehörter B-Seiten, Coverversionen und Frühphasen-Tracks. Und das ist überhaupt das Schöne an "Motion sickness".

So spuckt der klassische Guitar-only-Protestsong "When the president talks to God" große Töne und böse Tiraden gegen George W. Bush. Eine verwackelte Country-Version von "Mushaboom" schmiert seiner Schöpferin Leslie Feist hingebungsvoll Honig um den Mund. Das atemlose "The biggest lie" gedenkt Elliott Smith in einer splitternackten Version. Und mit "Road to joy" entdecken Oberst und seine angenehm schnörkellose Band dann auch noch luftgetrockneten, handfesten Krawall für sich. Über allem allerdings steht das malerische "True blue", in knappen sechs Minuten so herrlich zertrötet und zerrädert, daß man sich am Ende beinahe diebisch über Obersts zwinkernde Bob-Dylan-Imitationen freuen möchte. Eine neue Seite am kleinen Zerbrechlichen aus Omaha. Und bevor noch jemand fragt: Vierzehnneunundneunzig ist sie allemal wert.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Old soul song
  • Make war (Long version)
  • When the president talks to God
  • True blue

Tracklist

  1. At the bottom of everything
  2. We are nowhere and it's now
  3. Old soul song
  4. Make War (Short version)
  5. Make war (Long version)
  6. Scale
  7. Landlocked blues
  8. Method acting
  9. Train under water
  10. When the president talks to God
  11. Road to joy
  12. Mushaboom
  13. True blue
  14. Southern state
  15. The biggest lie

Gesamtspielzeit: 61:23 min.

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