Supertramp - Retrospectable - The Supertramp anthology

Supertramp- Retrospectable - The Supertramp anthology

A&M / Universal
VÖ: 11.11.2005

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Beautiful, magical

Supertramp haben ein Imageproblem. All die Retro-Wellen der Gegenwart haben die Einflüsse von so ziemlich jeder erfolgreichen Band der Vergangenheit zurückgespült. Nicht nur der üblichen Verdächtigen wie Pink Floyd, The Cure, Depeche Mode, Gang Of Four, The Clash oder New Order. Selbst diverse Giftschränke wurden geöffnet und Acts wie Queen, The Sweet oder Billy Idol rehabilitiert. Aber Supertramp? Welchen Bands wurde schon groß unterstellt, von denen beeinflußt zu sein? Oder welche Band hat es sogar selbst zugegeben? Hm. In den düsteren Ecken unseres Gedächtnisses erinnern wir uns, daß Phoenix vielleicht mal einen halben Song irgendwie so ähnlich geklungen haben und auch Supergrass ein ähnlicher Verve innewohnt. Aber sonst? Immerhin haben die Goo Goo Dolls letztes Jahr "Give a little bit" gecovert. Wenn auch nur, um damit die weltweiten Radios zurückzuerobern. Mit Erfolg. Über mangelndes Airplay können sich ja Supertramp auch bis heute nicht beschweren. Aber im Radio hat ein guter Ruf ohnehin schon lange nichts mehr verloren.

Dieses Imageproblem haben Supertramp im übrigen nicht erst seit heute. Auch damals schon, zu ihren Hochzeiten, hätten sich die Hipster gehütet, in einem Supertramp-T-Shirt rumzurennen. Schließlich wußte jeder von der Geschichte, daß der Vierer 1969 von einem exzrentrischen holländischen Millionär namens Stanley August Miesegaes zusammengecastet und gefördert wurde. Und nach legendär erfolglosem Start erst nach der Trennung von ihrem Mentor zur Hochform auflief. Zudem schmeckte der theatralische Touch von Supertramp nicht allen und nahmen den lustigen Sound viele zu ernst. Cool war nichts an Supertramp. Und cool ist bis heute nichts.

So ist es dann auch nicht die Hauptaufgabe von "Retrospectable - The Supertramp anthology", das endlich zu ändern. Sondern vielmehr daran zu erinnern, was hinter dieser Band bei all dem Muff für großartige Songwriter steckten. Dafür darf es auch gerne eine Doppel-CD mit 32 Songs sein. Auch wenn die bekanntesten Hits schon bei der 15 Jahre alten "The very best of Supertramp"-Compilation vertreten waren, die weniger bekannten auf deren "Vol. 2". Neulinge werden beeindruckt sein, daß diese Band weit mehr vollbracht hat, als das gefällige, aber doch eher seichte Tralala, das das Radio rauf und runter dudelt. Ihr wißt schon: "Breakfast in America", "Give a little bit", "Goodbye stranger", "It's raining again". Und nicht zu vergessen: "Dreeeeeeeeeamer, nothing but a dreeeeeeeeamer." An dieser Stelle ist es vermutlich das erste Mal überhaupt, daß eine Rezension in den Ohren schmerzen kann.

Da ist natürlich auch "The logical song", das weit tiefgründiger ist als seine Melodie. Da ist "Take a long way home", das einen für ein paar Minuten lang immer wieder Jahrzehnte jünger werden läßt und in die Blüte der eigenen Jugend zurückversetzt. Da stehen so weitläufige Prachtstücke wie "Crime of the century" gleichberechtigt neben hübschen Träumer-Hymnen wie "Sister moonshine". Und da ist die kleine Rock-Oper "School", die einen Eindruck von der anderen Seite dieser Band vermittelt. Nicht nur die Frühphase, aus der "Land ho" und "Summer romance" ausgegraben und nun erstmals auf CD veröffentlicht wurden, liegt weit näher am Prog-Rock als am AOR-Pop. Auch Jams und Endlos-Epen Marke "Rudy" oder "Don't leave me now" offenbaren diese andere, weithin weniger bekannte Seite von Supertramp. In solchen Songs kommt dann auch der reichliche Einsatz von Mundharmonika, der berühmten Wurlitzer A-200 und dem ganzen Blechblasarsenal zur Geltung, das man anderswo wegen allzu melodischen Gedudels kaum zur Kenntnis nimmt.

Daß man bis heute Rick Davies ein Mikroverbot auferlegen sollte und Roger Hodgson der einzig wahre Supertramp-Frontmann ist? Egal. Schließlich hält "The Supertramp anthology" die schlappe, bis heute andauernde Spätphase nach Hodgsons Ausstieg 1982 bewußt klein. Daß für eine definitive Supertramp-Best-Of auch eine einzelne 80-Minuten-CD gereicht hätte? Geschenkt. Denn: Supertramp haben ab sofort kein Imageproblem mehr. Hiermit, mit diesen Zeilen bekennt sich jemand als Fan. In der Hoffnung, daß es ihm noch viele gleich tun. Traut Euch!

(Armin Linder)

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Highlights

  • School
  • Crime of the century
  • The logical song
  • Breakfast in America
  • Take the long way home
  • Don't leave me now

Tracklist

  • CD 1
    1. Surely (edit)
    2. Your poppa don't mind
    3. Land ho
    4. Summer romance
    5. School
    6. Bloody well right
    7. Dreamer
    8. Rudy
    9. Crime of the century
    10. Sister moonshine
    11. Ain't nobody but me
    12. Lady
    13. Two of us
    14. Give a little bit
    15. Downstream
    16. Even in the quietest moments
    17. From now on
  • CD 2
    1. Gone Hollywood
    2. The logical song
    3. Goodbye stranger
    4. Breakfast in America
    5. Oh darling
    6. Take the long way home
    7. You started laughing (live)
    8. It's raining again
    9. My kind of lady
    10. Don't leave me now
    11. Cannonball
    12. Free as a bird
    13. You win, I lose
    14. Another man's woman (live)
    15. Over you

Gesamtspielzeit: 153:54 min.

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