Dire Straits & Mark Knopfler - Private investigations - The best of

Dire Straits & Mark Knopfler- Private investigations - The best of

Mercury / Universal
VÖ: 04.11.2005

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Licks for free

So ein ganz wenig verrückt mußte man wohl schon sein, um 1977 eine klassische Rockband zu gründen - in dem Jahr, als sich die Massen entweder die Blüten des Punk mit einer Sicherheitsnadel ans Revers hefteten oder aber akkurat ihren weißen Anzug aufbügelten, um in diesem und vor allem in bestmöglicher John-Travolta-Manier über den Dancefloor zu flippen. Mark Knopfler ließ sich von diesen Tatsachen nicht beirren und tauschte seine Karriere als Journalist und Lektor frohgemut gegen die Ungewißheit des Musikerlebens ein. Den Zweiflern nahm er genüßlich den Wind aus den Segeln und gab seiner Band augenzwinkernd den Namen "Dire Straits", was frei übersetzt soviel wie "große Pleite" oder auch "ernste Notlage" heißt.

Das selbstbetitelte Dire-Straits-Debüt fand zunächst nur in Holland und Deutschland Beachtung, die vor allem aufgrund der großartigen Single "Sultans of swing" überaus verdient war. Auch mit dem Nachfolger "Communiqué", der auf dieser Best-Of-Compilation nicht berücksichtigt wird, wollte der Durchbruch auf der Insel noch nicht so recht gelingen. 1980 war es schließlich mit "Making movies" soweit - der Song "Romeo & Juliet" wurde ein Hit. Was die Dire Straits vor allem Mark Knopflers charakteristischen Eigenschaften zu verdanken hatten: seiner rauhen Stimme, irgendwo zwischen lässig und lamentierend, und nicht gerade in direkter Nachbarschaft des Wortes "singen" beheimatet. Seinem E-Gitarren-Fingerpicking und der Angewohnheit, während des Anschlagens einer Saite den Lautstärkeknopf hübsch aufzudrehen. Und nicht zuletzt seiner Vorliebe für Stücke mit epischer Länge und innovativer Struktur. Musik für Planetarien.

Daß die mittlerweile dritte Dire-Straits-Best-Of, welche allerdings die erste Compilation ist, die auch Mark Knopflers Solokarriere berücksichtigt, ausgerechnet mit einem derartigen Mammut-Stück wie dem knapp fünfzehnminütigen "Telegraph road" aus dem Album "Love over gold" beginnt, gehört nicht unbedingt zu ihren Vorzügen. Vor allem deswegen nicht, weil auf dem 1982er Album mit dem Einsatz von Keyboard-Familienpackungen aus dem Discounter und rührseligen Akustikgitarren nicht gerade gegeizt wurde. Daß jener Longplayer, der selbst nur aus fünf Titeln besteht, gleich drei Stücke zur Werkschau beisteuert, wäre nicht unbedingt nötig gewesen. Zumindest nicht, wenn die Tracklist nicht auf die Länge einer Doppel-CD gestreckt worden wäre.

Diese enthält ganze fünf Songs vom Album "Brothers in arms", das dieses Jahr sein zwanzigstes Jubiläum feierte und nach wie vor das meistverkaufte Rockalbum Englands ist - vollkommen zurecht. Beides. Ist nämlich das inoffizielle Dire-Straits-Best-Of mit der höchsten Hit-Quote: da ist die countrieske Gute-Laune-Nummer "Walk of life", das sehnsüchtige "So far away", "Your latest trick" mit dem sexy Saxophon, die hinreißend schöne Pazifistenhymne "Brothers in arms" und natürlich "Money for nothing" - der Song, dessen Videoclip mit Stings legendärem "I want my MTV!" einst die europäische Ära des Musikfernsehens einläutete. Das 1991 erschienene letzte Bandalbum war nicht wirklich der ganz große Wurf, auch seine beiden Compilation-Vertreter "Calling Elvis" und der Titeltrack "On every street" bleiben eher farblos. Bedauerlich, daß "Twisting by the pool" aus dem Jahr 1983 fehlt. Aber dafür gäbe es ja noch die Wagenladung anderer Kopplungen.

Auch wenn die Dire Straits nie offiziell aufgelöst wurden, ist es schon seit knapp fünfzehn Jahren bedenklich ruhig um sie. Könnte möglicherweise daran liegen, daß der Name einfach nicht mehr paßt: Die Band hat bis heute 117 Millionen Platten verkauft und war alleine in den UK-Charts 1250 Wochen vertreten. Die zweite CD der Compilation enthält jedenfalls fast ausschließlich Songs aus Knopflers Soloalben, darunter zwei Filmmusik-Instrumentals. Das meiste davon klingt so nett und solide, daß es weder im negativen noch im positiven Sinne wirklich erwähnenswert ist - außer dem Song "What it is", der diese charmante Zigeuner-Violinen-Romantik besitzt. Als Bonustrack wird ein Vorgeschmack auf das 2006 erscheinende Album von Knopfler und Emmylou Harris geboten. Es ist, nun ja, eine sehr klassische Country-Ballade. Teilweise schon ein bißchen "Money for nothing", diese Best Of. Aber immerhin: licks for free.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Sultans of swing
  • Romeo & Juliet
  • Money for nothing
  • Brothers in arms
  • What it is

Tracklist

  • CD 1
    1. Telegraph road
    2. Sultans of swing
    3. Love over gold
    4. Romeo & Juliet
    5. Tunnel of love
    6. Private investigations
    7. So far away
    8. Money for nothing
    9. Brothers in arms
    10. Walk of life
    11. Your latest trick
  • CD 2
    1. Calling Elvis
    2. On every street
    3. Going home (Theme from 'The local hero')
    4. Darling pretty
    5. The long road (Theme from 'Cal')
    6. Why aye man
    7. Sailing to Philadelphia
    8. What it is
    9. The trawlerman's song
    10. Boom, like that
    11. All the roadrunning (with Emmylou Harris)

Gesamtspielzeit: 137:02 min.