Cinerama - Disco volante

Cinerama- Disco volante

Scopitones / Voiceprint / EFA
VÖ: 17.11.2000

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Gerührt, nicht geschüttelt

Den Martini in der Hand sitzt David Gedge am Pool. Seine Füße baumeln im Wasser, während eine schwimmende Venus nach der anderen an ihm vorbeischwimmt. Sie tragen Schleifen im Haar und rote Badeanzüge. Sanft lächeln sie ihm zu, und er erhebt sein Glas zum Gruß. Man kennnt sich eben. Sein Name ist Bond, James Bond - jedenfalls für den Augenblick. Damals in den Sechzigern war das "groovy". Gedge ist zwar nicht für den Geheimdienst Ihrer Majestät tätig, aber lässig wie Sean Connery darf man schließlich auch als Bandleader sein.

Die Swinging Sixties zeigen auch für Spätgeborene noch immer eine gewisse Faszination. Frauen wie Brigitte Bardot, Sophia Loren oder Gina Lollobrigida, der hier ein eigener Song gewidmet wird, faszinierten mit starken Persönlichkeiten nicht nur die coolen Kerle wie Steve McQueen oder Clint Eastwood. Die gesellschaftliche Rollenaufteilung in Hollywood war genauso klar wie die äußerst bekömmlich produzierten Easy-Listening-Soundtracks, bei denen oftmals wenig tiefsinnige Musik eher als Aperitiv wirkte. Leicht säuselnd umfließen uns denn auch auf "Disco volante" die Melodien wie das Wasser die im Pool baumelnden Füße. Das sanfte Arrangement mit Geigen, Flöten und Trompeten wirkt wie die Olive im Martini. Leider schmeckt der Drink mitunter etwas abgestanden.

Daß Gedge einstmals mit The Wedding Present für schrammeligen Indiepop stand und 1992 sogar Elvis Presley den Rekord für die meisten Hitsingles in einem Jahr abluchsen konnte, hört man dem Zweitling von Cinerama kaum an. Noch weniger mag man glauben, daß Steve Albini (Shellac) hier mit Hand an den weichgespülten Sound angelegt haben soll. Nur manchmal verirrt sich dann doch eine dezente Schrammelgitarre ins Klangbild. "Wenn ich eines Tages mit einer Streicherpassage aufgetaucht wäre, wäre ich aus dem Proberaum gelacht worden", erklärt Gedge. Er habe aber stets eine deutlich größere Bandbreite an Musik gemocht, als sich Fans seiner alten Band hätten vorstellen können. Nun, "Disco volante" gibt uns mit entkoffeinierten Songs eine Idee von seinem Popverständnis. Einen guten Popsong mixt man eben genauso wie einen guten Drink. Leider vergaß Gedge diesmal den Cocktailshaker. Mit seinem betulichem Rühren bekommen aber die Songs zu wenig Schwung. Ob James Bond diesen Drink genossen hätte, ist zu bezweifeln.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • 146 degrees
  • Aprés ski
  • Wow (Extended version)

Tracklist

  1. 146 degrees
  2. Lollobrigida
  3. Your charms
  4. Heels
  5. Unzip
  6. Aprés ski
  7. Superman
  8. Because I'm beautiful
  9. Let's pretend
  10. Wow (Extended version)
  11. Your times starts now

Gesamtspielzeit: 44:25 min.

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