Peter Murphy - Unshattered

Peter Murphy- Unshattered

Viastar / Fulfill / SPV
VÖ: 18.11.2005

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Aus einem Guß

Es gibt die fixe Idee, Kunst würde nicht daraus bestehen, einem Werk ständig neue Sachen hinzuzufügen. Kunst bestünde daraus, Sachen wegzulassen, bis man nichts mehr wegnehmen kann. An dieser Stelle könnte man nun geschickt einen Verweis auf die deutsche Künstlergruppe Bauhaus einflechten, um von diesen dann auf die gleichnamige britische Waveband der frühen Achtziger zu verweisen. Von dort aus wäre es dann nur noch ein kleiner Sprung zu Peter Murphy, ihrem Sänger. Das böte sich auch insofern an, als eben diese Bauhaus anno 2005 wieder auf Tour sind.

Allerdings hätte all das so gut wie nichts mit "Unshattered" zu tun. Denn dieses Album ist, wie eigentlich alle Soloalben von Peter Murphy, Lichtjahre vom Bauhaus-Kosmos entfernt. Die einzigen Gemeinsamkeiten liegen in der atmosphärischen Dichte und natürlich in Murphys ziemlich unverwechselbarer Stimme. "Unshattered" wäre Pop, würde diese Art von Musik nicht seit Ziggy Stardust von Seiten der Medien immer wieder für ausgestorben erklärt. Nichts ist mehr zu hören von der Auseinandersetzung mit seinem türkischem Lebensumfeld, welches noch "Dust" stark geprägt hat. Sieht man von einem Ausflug in eine von Rockgitarren geprägte Moderne in "Blinded like Saul" ab, denen man die Unterstützung von Stephen Perkins, Eric Avery und Peter DiStefano (allesamt aus dem Pornos-For-Pyros-/Jane's-Addiction-Dunstkreis) durchaus anmerkt, knüpft das aktuelle Album einigermaßen an "Love hysteria" an. Dabei klingen etwa "Face the moon" oder auch "Emergency unit", als hätte Bowie beim Schreiben seines Spiders-From-Mars-Zyklus bei einem Glas Rotwein und einer Zigarre über Zen-Buddismus sinniert.

Wollte man "Unshattered" in einem Wort charakterisieren, fallen einem die drei Vokabeln "unaufgeregt", "selbstsicher" und "unaufdringlich" ein, was möglicherweise erklärt, warum Murphy keineswegs radiotauglich ist. Andererseits wird man sich nach einiger Zeit eventuell dabei ertappen, die Melodie von "Give what he's got" durch die Hirnwindungen kreisen zu hören. Und schon wundert man sich, auf welchen perfiden Wegen dieser unauffällige Wurm seinen Weg durchs Ohr dorthin finden konnte. Irgendwie kommt einem nach kurzer Zeit sowieso das ganze Album äußerst bekannt vor, ohne je dabei langweilig werden zu können. Vielleicht ist auch das noch eine der wichtigen Zutaten der Kunst.

(Holger Schauer)

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Highlights

  • The weight of love
  • Give what he's got
  • The first stone

Tracklist

  1. Idle flow
  2. Kiss myself
  3. Piece of you
  4. Face the moon
  5. Emergency unit
  6. Thelma sings to little Nell
  7. The weight of love
  8. Give what he's got
  9. Blinded like Saul
  10. The first stone
  11. Breaking no one's heaven

Gesamtspielzeit: 58:34 min.

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