Mudvayne - L.D. 50

Mudvayne- L.D. 50

Epic / Sony
VÖ: 28.11.2000

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Chemicals will knock you down

"L.D. 50" (Lethal dosage 50) steht für den medizinischen Ausdruck, der aussagt, daß die Konzentration einer Säure 50 von 100 Personen tötet. Auch etwa in diesem Verhältnis werden Mudvayne wohl die Musikwelt spalten. Soll man die Band für ihre kompromißlose Härte, das oftmals geniale Zusammenspiel, die brachialen Tempowechsel und die abwechslungsreichen Songstrukturen lieben, oder sie doch lieber als weitere Plagitatoren von Slipknot in den New-Metal-Restmüll stecken? Zweiteres wäre wohl etwas vorschnell. Zwar erinnert die Band nicht nur aufgrund des ähnlich gelagerten Verkleidungswahn, rätselhafter Sektenquerverbindungen und den abgedrehten Pseudonymen an die Terrortruppe, auch die Musik der beiden Bands ist als verwandt zu kategorisieren. Trotzdem finden Mudvayne mit ihrer variableren Songstruktur eine eigene kleine Nische. Nach dem ersten Hördurchgang erscheinen Zweifel an der Innovationsfreude des Ami-Vierers zwar durchaus berechtigt, doch jede weitere Umdrehung läßt das Album an Tiefe gewinnen. Dies ist sicher auch ein Verdienst des Produzentengespanns Gggarth und Andy Wallace, die sich unter anderem mit ihrer Zusammenarbeit mit Rage Against The Machine einen legendären Ruf in härteren Kreisen erarbeiteten. Soundtechnisch stimmt jedenfalls alles, so daß "L.D. 50" heftig Druck ausübt, ohne dabei übersteuert zu wirken.

Der Name des Intros dieses Albums deutet es an: Ähnlich wie der Monolit aus Stanley Kubricks "2001 - Odyssey im Weltraum" ragt Mudvaynes Debüt düster und mysteriös aus den Neuerscheinungen der letzten Monate heraus. Nach dem verstörenden "Monolith" geht es mit der ersten Single-Auskopplung direkt mächtig in die Vollen. "Dig" ist ein Brett in Slipknot-Manier, das in 2:43 Minuten kaum Zeit zum Atmen läßt. "Internal primates forever" lärmt ähnlich. Als man jedoch schon versucht ist, den "Krach"-Stempel rauszuholen, gewährt "-1" einen ersten Eindruck hinter die aggressive Fassade der Band. Fein arrangierte Tempowechsel und die Stimme von Frontmann Kud, die irgendwo zwischen angestauter Wut und befreienden Explosionen hin- und herpendelt, lassen einen plötzlich auf dem "White pony" reiten. "I lost you, you were my God / But what do I do now? / You were never there for me" aus dem überragenden "Cradle" könnte stellvertretend für das Hauptthema der Platte stehen: das Gefühl auf sich alleine gestellt zu sein, gegen übermächtiges anzukämpfen, aber trotzdem immer wieder die Energie zu entwickeln, die eigene Freiheit einzufordern. Im Mittelteil des Albums findet die Band dann zu ihrer besten Seite: Spielend wandern sie auf dem schmalen Grat zwischen Aggression und Verzweifelung, fesseln den Hörer mit ständigen Spannungswechseln und müssen sich hinter keinem der großen Namen verstecken.

Leider aber übernimmt man sich mit der Fülle von 17 Songs. Zum Ende hin droht das Album in Selbstreferenzen zu erstarren. Schnell läßt die aufgebaute Spannung wieder nach, als das Gefühl von Wiederholungen sich breitmacht und der aufgestaute Druck langsam verpufft. Weniger wäre hier mehr gewesen. Auch wenn "L.D. 50" sicher noch nicht der ganz große Wurf ist, entsteht hier eine ernstzunehmende Konkurrenz für Korn und Konsorten. Im derzeit völlig überfrachteten Marktsegment des New Metal werden am Ende wohl nur die Bands überleben, die es verstehen durch Innovationen ihren eigenen Stil zu finden. Mudvayne haben sich mit diesem Album eine gute Ausgangsposition geschaffen. Vorrausgesetzt, man konzentriert sich beim nächsten Album voll auf die eigenen Stärken, dürfte hier eine erfreuliche Auflockerung des Genres bevorstehen. Das Potential jedenfalls ist zweiffellos vorhanden.

(Thorsten Thiel)

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Highlights

  • Cradle
  • Nothing to gein
  • Prod

Tracklist

  1. Monolith
  2. Dig
  3. Internal primates forever
  4. -1
  5. Death blooms
  6. Golden ratio
  7. Cradle
  8. Nothing to gein
  9. Mutadis mutandis
  10. Everything and nothing
  11. Severed
  12. Recombinant resurgence
  13. Prod
  14. Pharmaecopia
  15. Under my skin
  16. [K]now f[orever]
  17. Lethal dosage

Gesamtspielzeit: 68:34 min.

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