System Of A Down - Hypnotize

System Of A Down- Hypnotize

Columbia / Sony BMG
VÖ: 18.11.2005

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Toxische Schwelle

Es ist möglicherweise das ganz große Jahr von System Of A Down. Im Mai schon durchbrach "Mezmerize" die Schallmauer mit einem lauten (und unverschämt wirren) Knall. Weltweites Multiplatin, frech okkupierte Chartsspitzen sogar hierzulande. Und dann hörte dieses durchgefreakte Deathjazzpunkfunkhiphoppolkatruemetal-Geschredder bis heute gar nicht mehr auf zu wachsen. Wie brillant soll dann erst der zeitgleich entstandene Nachfolger werden?

Gerade einmal ein halbes Jahr später drängelt sich nun nämlich auch "Hypnotize" ganz nach vorne, um die Rockweltherrschaft endgültig an sich zu reißen. Har, har. Und wie das wieder lostrümmert! "Attack" beißt, spuckt und tritt wild um sich. Eventuelle Opfer werden zwischendurch eingelullt, um dann doch wieder mit der Doublebaß-Dampframme in den Boden gestampft zu werden. Zuckerbrot und Peitsche. Kuscheln und Skalpieren. Durchatmen und Amoklauf.

Schnell merkt man, daß "Hypnotize" keineswegs das Yang zum Ying von "Mezmerize" ist. Eher die auf Konsequenz ausgelegte Fortführung einer bipolaren Störung. Fragen nach dem Verstand werden instinktiv zurückgestellt, wenn ein "Banana terracotta pie" gebacken oder der tragische Tod eines Hasen mit "Fuck all the sexy people" kommentiert wird. "She's like heroin" rast auf seltsamen Pulvern abwärts, und "U-Fig" nimmt noch schnell die letzte Ausfahrt in Richtung Wutausbruch. Wo sind noch gleich die Medikamente, Schwester?

Dabei hat man sich doch so langsam an das Chaos gewöhnt. Es überraschen weder die leichtfüßigen Polyrhythmen im verwunschenen Titelstück, noch das Blackmetal-Keifen aus "Holy mountains" oder gar die zuckersüße Weiblichkeit im Chorus von "Vicinity of obscenity". Beinahe wundert man sich über manchen roten Faden, der am Ende des Songs annähernd unzerfranst wiederzuerkennen ist. Das fast schon als Powerballade durchgehende "Tentative" fährt Slalom zwischen schneebedeckten Wipfeln und fallenden Bomben. "Dreaming" erknüppelt mit galoppierenden Riffs und verdrehten Chorälen eine armenische Rhapsodie. Und in "Soldier side", dessen Intro bekanntlich auf "Mezmerize" dem Wahnsinn die Tür öffnete, schließt sich gar ein Kreis.

Auch im fünften Wurf der Exil-Armenier herrscht also dieses ständige Auf und Ab, das für die begehrten Knoten in der Halswirbelsäule sorgt. Mehr vom Gehabten, mehr vom Gewünschten. Und doch ist "Hypnotize" vielleicht das konventionellste Album der Band. Auch wenn man sich Konventionen im Zusammenhang mit System Of A Down grundsätzlich als in Einzelteile zerlegt und höchstens mal in Anführungszeichen verwendet vorstellen muß. "Hypnotize" ist nicht das amphetaminangetriebene Perpetuum mobile, das sein Brüderchen war. Dort war der Wahnsinn komplexer, ambivalenter, zerfahrener, losgelöster von allen Sicherheitsvorkehrungen. Wo sich "Mezmerize" einfach fallen ließ, weiß "Hypnotize" genau, wo das Netz ist. Und macht seine halsbrecherischen Salti im Wissen um das offenkundige Ziel. Wie eine Achterbahn, die am Ende doch immer wieder an den Anfang zurückkehrt. Oder ein Selbstmörder, der weiß, daß irgendwann der Boden wartet.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Dreaming
  • Hypnotize
  • Tentative
  • U-fig
  • Vicinity of obscenity

Tracklist

  1. Attack
  2. Dreaming
  3. Kill rock 'n roll
  4. Hypnotize
  5. Stealing society
  6. Tentative
  7. U-fig
  8. Holy mountains
  9. Vicinity of obscenity
  10. She's like heroin
  11. Lonely day
  12. Soldier side

Gesamtspielzeit: 39:36 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Klar Glase
2010-05-22 18:27:26 Uhr
Mezmerize: 9/10
Hypnotize: 8/10
fundamentallyloathsome
2010-05-21 16:50:56 Uhr
8,5/10

Ich mags einfach.
Glas Klare
2010-05-21 16:49:21 Uhr
8/10
Strombuli
2007-06-26 18:51:58 Uhr
grade mal rausgekramt und das war bitter nötig! einmal hören und man hat wohl ne Woche lang an den Ohrwürmern zu kämpfen. klasse Melodien, vielleicht doch fast so stark wie Mezmerize
8/10
soad
2006-03-27 18:13:26 Uhr
Marmalade als b-seite? hmm.. war doch schon auf der Toxicity-Single drauf....
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