Vashti Bunyan - Lookaftering

Vashti Bunyan- Lookaftering

Fat Cat / PIAS / Rough Trade
VÖ: 14.10.2005

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Jahresgehalt

Überproduktivität kann man Vashti Bunyan nun wirklich nicht vorwerfen: Ganze fünfunddreißig Jahre liegen zwischen ihrem Debüt "Just another diamond day" und dem Nachfolger "Lookaftering", dessen Gesamtspieldauer von 35:35 Minuten unter diesen Umständen wohl kaum Zufall sein kann. Mehr Kalkuliertes wird man auf dem äußerst bezaubernden Album aber nicht vorfinden, sondern stattdessen eine unglaublich klare musikalische Schönheit, schüchterne Eleganz und eine betörende, glockenhelle Stimme, die nicht selten an Joni Mitchell erinnert. Der Opener "Lately" braucht keine fünfunddreißig Sekunden, um den Hörer Raum und Zeit vergessen zu lassen.

Interessante Dinge gibt es über Bunyans Vergangenheit zu erzählen: Mitte der Sechziger verließ sie die Kunsthochschule, um sich auf ihr musikalisches Schaffen zu konzentrieren. Innerhalb kürzester Zeit wurde sie von Rolling-Stones-Guru Andrew Loog Oldham entdeckt, bekam einen Plattenvertrag bei Decca und von Jagger/Richards ein maßgeschneidertes Lied, das ihre erste Single wurde. Kritiker sahen in ihr wahlweise die neue Marianne Faithful oder den weiblichen Bob Dylan. Doch der kommerzielle Erfolg blieb aus. Und Vashti Bunyan hatte erstmal genug vom Musikbusiness. Mit ihrem damaligen Freund und einem Pferdekarren (!) machte sie sich auf den Weg zur Isle Of Skye, wo Donovan gerade eine alternative Künstler-Kommune aufbaute. Es dauerte geschlagene zwei Jahre, bis sie dort ankamen. Donovan war längst weitergezogen. Aber die lange Reise lieferte Inspiration zu Bunyans Erstling "Just another diamond day", der gemeinsam mit Produzent Joe Boyd (Nick Drake, Fairport Convention) aufgenommen wurde. Und floppte.

In den langen Jahren danach widmete sich Bunyan - mittlerweile in Schottland seßhaft geworden - ihren drei Kindern und rührte ihre Gitarre kaum an. Dafür wurde ein Computer angeschafft und mal aus Spaß der eigene Name in eine Suchmaschine eingegeben. Zur ihrem großen Erstaunen war "Just another diamond day" zu einem heiß begehrten Sammlerstück geworden, eine Art verlorene Folk-Perle. Devendra Banhart schickte, als ihn noch niemand kannte, der von ihm hoch verehrten Vashti Bunyan seine Lieder, weil er hoffte, daß sie ihn bestärken könnte, musikalisch auf dem richtigen Weg zu sein. Sie konnte. Und begann langsam, ihre Gitarre zu entstauben. Stoff für Texte hatte sich im Lauf der Zeit ausreichend angesammelt. Es folgten Gastauftritte auf Alben von Piano Magic, Animal Collective und, klar, Devendra Banhart, mit dem sie auf "Rejoicing in the hands" duettierte.

Nun also, nach fünfunddreißig Jahren, veröffentlicht Vashti Bunyans ihr zweites Album, "Lookaftering". Und das ist sowas wie "Die fabelhafte Welt der Amélie" für die Ohren: sanfte Akustikgitarre, Streicher, Oboe, Fender Rhodes, Horn, Harfe, Flöte und stets eine Stimmung, die an einen Spaziergang durch golden-sonnige Winterlandschaften erinnert. Eine Melodie idyllischer als die andere. "Here before" verzaubert fast meditativ mit wunderbaren Glockenspiel-Klängen, das perlende Klavier auf "Hidden" könnte Schumanns "Fantasiestücken" entliehen sein. Der ideale Soundtrack zu Naturschauspielen. In Zeitlupe. Lieder, die scheinbar zu schweben beginnen und von beinahe kindlicher Natürlichkeit sind. "Feet of clay" erinnert an eine von Nick Drakes großartigen Klaviernummern. Auch das ist wohl kein Zufall: Drake-Kollaborateur Robert Kirby war an der Entstehung von "Lookaftering" beteiligt, ebenso wie Joanna Newsom, Adem, Adam Pierce (Mice Parade) und, klar, Devendra Banhart. Vielleicht sollte man Vashti Bunyan auch mal einen Brief schreiben. Und sie bitten, mit dem dritten Album nicht wieder so lange zu warten.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Lately
  • Here before
  • Hidden
  • Feet of clay

Tracklist

  1. Lately
  2. Here before
  3. Wayward
  4. Hidden
  5. Against the sky
  6. Turning backs
  7. If I were
  8. Same but different
  9. Brother
  10. Feet of clay
  11. Wayward hum

Gesamtspielzeit: 35:35 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
kukuruz
2005-12-24 07:30:28 Uhr
Die Review ist ja wirklich gut geschrieben. Aber der Stimmvergleich mit Joni Mitchell verwirrt mich jetzt schon etwas ... nicht doch eher Joan Baez?
vilfer
2005-11-21 18:41:45 Uhr
gerade das erste zuhören hat mich überzeugt, unglaublich.
Mixtape
2005-11-21 18:40:34 Uhr
Nach dem ersten Reinhören zweifel ich noch, ob ich's mir zulegen soll.









































































































































































































































































































































































#,vmdfjod#rdfjdfjdfjdfjdfj
2005-11-21 18:36:01 Uhr
jfghtz
libertine
2005-11-21 18:25:19 Uhr
Super Album. Und das nach sovielen Jahren...unglaublich!
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