Boedekka - Hapi nightmares

Boedekka- Hapi nightmares

Mushroom Pillow / BB Island / Edel
VÖ: 11.11.2005

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Hippiegaga

Können Hippies tanzen? Diese Frage muß spätestens seit Boedekka mit einem entschiedenem "Ja" beantwortet werden. Nachdem die Londoner sich schon auf ihrem Debüt "The piper, the devil, the poet & the priest" beim besten Willen nicht zwischen verkiffter Psychedelia und wuchtigem Laptopgezirpe entscheiden konnten, bezieht auch der Zweitling keinen nennenswert klareren Standpunkt. Noch immer verheddern sich Beats, Riffs und Schwurbelsounds zu liebevoll texturierten Knoten. Und doch gibt es einen Unterschied zum Vorgänger: Die Songs sind noch besser geworden.

Wurde der Erstling noch von seinem Opener "Carnival of the antichrist" überstrahlt, greifen jetzt fast alle Songs nach den Sternen. Oder vielleicht doch nach den bunten Pillen hoch oben im Regal? Nebensächliche Details. Interessanter wird es mit der Musik. Auch die steckt standesgemäß voller Marginalien. Da sitzt ein einsamer Mensch am Lagerfeuer und singt gedankenverloren vor sich hin. Rein zufällig hat er ein ulkiges Effektgerät dabei und dreht instinktiv an ein paar Knöpfen. Schon fliegt ein lustiges Scheppern heran, irgendwer in der Nähe findet noch schnell ein Akkordeon-Sample auf seinem iPod, und die plötzlich spielt die gesamte Umgebung Fischerchor. Melancholische Merkwürdigkeit.

Diese Hymne hört auf den Titel "Everything you ever wanted & need" und ist erst der Einstieg in ein Feuerwerk aus ziemlich zickigem Pop. Das hitzige Auf-der-Stelle-Wummern von "Cabin fever" und der Baukasten-Funk von "Colourblind" kribbeln über die Gehörgänge geradewegs aufs Tanzzentrum zu. "Lazybones" verspeist vegetarische Ohrwürmer, und "Fuck the limousine scene" groovt zu digitaler Weißbrot-Blaxploitation. "Save me" gibt sich naiverweise romantisch, hat aber nicht so ganz mitbekommen, daß das da oben kein Sternenhimmel ist, sondern eine stroboskopgefluteter Zappelbude.

Anderswo hüpfen ein paar Blumenkinder säuselnd durch ein Meer aus Sägezahnwellen. Botschaften von der "Dark side of the moon" werden mit rechtwinkligen Rhythmen entschlüsselt. Und am Ende fliegen die letzten zurückhaltenden Ökos in einer virtuellen Rakete mitten in die LSD-Sonne. Was ist hier Henne und was ist Ei? Was ist Fisch und was ist Fleisch? "It doesn't really matter." Eben.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Everything you ever wanted & need
  • Cabin fever
  • Colourblind
  • Lazybones

Tracklist

  1. Everything you ever wanted & need
  2. Cabin fever
  3. Colourblind
  4. Save me
  5. Fuck the limousine scene
  6. Lazybones
  7. High flyer
  8. It doesn't really matter
  9. Stolen the sun

Gesamtspielzeit: 46:17 min.

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