Ric Ocasek - Nexterday

Ric Ocasek- Nexterday

Sanctuary / Rough Trade
VÖ: 28.10.2005

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Werkstattblues

Wenn die kleine, pummelige Tracy Turnblad ganz verrückt nach der Corny-Collins-Dance-Show ist und trotz Widerstand ihrer voluminösen Mutter (gespielt von der grandiosen Divine) schließlich aller Welt beweist, daß Tanzen Vorurteile abbaut, dann kann es sich nur um den Plot von John Waters Komödie "Hairspray" aus dem Jahr 1988 handeln. Der exzentrische Regisseur konnte so einige Gaststars für sein bizarres Meisterwerk gewinnen: Neben Debbie Harry und Sonny Bono tauchte, verkleidet als düsterer Beatnik, Produzent und Musiker Ric Ocasek auf. Inzwischen auch schon in seinen Fünfzigern blickt Ocasek auf eine lange und bewegte Karriere zurück, die neben Sex and Drugs and Rock'n'Roll eben auch aus Schauspielerei bestand. Das Coverfoto seines sechsten Soloalbums "Nexterday" aber zeigt dennoch den alten Rocker.

Mit seiner Band The Cars, gegründet 1976, veröffentlichte Ocasek sechs Alben, die sich zusammen weltweit über 25 Millionen Mal verkauften. In den Achtzigern gehörten The Cars nicht nur durch ihre etlichen Singlehits zu den einflußreicheren Musikern. Ihr schneller, synthgeladener Powerpop brachte damals New Wave mit auf den Weg und ist auch heute noch Grundlage für manches Revival. In den Neunzigern dann produzierte Ocasek gleich eine ganze Reihe neuer, junger Rockbands und gehört spätestens seitdem zu den großen Meistern in der Produzenten-Riege. Platten von Bad Religion, Guided By Voices, Hole, No Doubt, Jonathan Richman und The Smashing Pumpkins gehen auf sein Konto. Wie er selbst betont, gehören dabei Weezers blaues (1994) und grünes Album (2001) zu seinen Lieblingen.

Daß Ocasek sein Handwerk beherrscht, ist von der ersten bis zur letzten Sekunde der aktuellen Platte klar. "Nexterday" ist eine Wortschöpfung seine jüngsten Sohnes und soll als Titel zeigen, daß Papa das Beste von gestern und morgen, jetzt und hier auf einen Nenner bringt. Oder besser: bringen will. Denn leider bleibt oft nur Gestriges, eingängig zwar, melancholisch hin und wieder aber doch rückwärts gewandt. Zu sauberem Gitarrenpop singt Ocasek dann auch mit brüchiger Stimme stets gleiche Nichtigkeiten ("I'm thinking"), die manchmal auch unfreiwillig komisch wirken ("Carousel"). Aber daß Ocasek doch noch nicht endgültig reif für die Werkstatt ist, beweist "It gets crazy", der beste Song des Albums. Düster und an Joy Division erinnernd ist er so wie die Platte als Ganzes ideal für eine nächtliche Fahrt über die leere Autobahn.

(Steffen Krautzig)

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Highlights

  • It gets crazy

Tracklist

  1. Crackpot
  2. Bottom dollar
  3. Don't lose me
  4. In a little bit
  5. Silver
  6. Come on
  7. I'm thinking
  8. Carousel
  9. Heard about you
  10. Please don't let me down
  11. It gets crazy

Gesamtspielzeit: 40:32 min.