Various Artists - Stoned immaculate (The music of The Doors)

Various Artists- Stoned immaculate (The music of The Doors)

Eastwest
VÖ: 20.11.2000

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Ende der Fahnenstange

Wie geht man damit um, daß man einmal mit einem der bedeutendsten Rockmusiker und Poeten aller Zeiten musizieren durfte? Egal, was man danach auch anpackt; es wird immer an dem, was einmal war, gemessen und scheitert daher meist kläglich. Wenn dann auch noch die Kohle knapp wird, erinnert man sich gern an alte Zeiten und schmeißt äußerst suspekte und dubiose Zusammenstellungen auf den ohnehin schon übersättigten Musikmarkt. Anders jedenfalls kann man sich die Tätigkeiten der Rest-Doors Ray Manzarek, Robbie Krieger und John Densmore in den letzten Jahren nicht erklären. Zur Altersversorgung wird eifrig am eigenen Mythos gebastelt. Schon die letzten Veröffentlichungen "The complete studio recordings" ('99), "The Doors 4 CD box-set" ('98) oder auch "An American prayer" hatten wenig ernstzunehmende musikalische Substanz. Allesamt hinterließen sie den üblen Nachgeschmack der Leichenfledderei. Auch beim ersten Versuch eines Tribute-Albums liegt dieser Verdacht leider nahe, liegt doch der Veröffentlichungstermin recht nahe am Heiligen Abend. Die Zusammenstellung der Bands mag einem zusätzliche Rätsel aufgeben. Was haben hier bitte Aerosmith, Smash Mouth oder Oleander verloren? Ist es nicht schlimm genug, daß die zuletzt genannten "Boys don't cry" von The Cure hingerichtet haben?

Fast überflüssig auch die Kollaborationen der Lebenden mit dem Toten. Gleich vier Lieder funktionieren nach dem Prinzip, Morrisons Stimme mit neuem Material zu mischen. Lediglich "Under waterfall" kann man als einigermaßen gelungen bezeichnen. Warum aber soll ich mir anhören, wenn John Lee Hooker zur Originalaufnahme vom "Roadhouse blues" undefinierte Laute, die jedem Lungenfacharzt Angst einjagen würden, hustet. Oder wenn William S. Burroughs mit angetrunkenem Zungenschlag Passagen aus der legendären "Celebration of the lizard" liest? Andererseits orientiert sich der Rest der Cover-Versionen oft zu sehr am Ausgangsmaterial, was sicherlich auch daran liegen mag, daß die Rest-Doors an insgesamt 13 der 17 Songs mitwirken durften. Nahe liegt der Verdacht, daß vielen Bands dadurch der Freiraum für eigene musikalischen Interpretationen genommen wurde. Die "Riders on the storm"-Interpretation von Creed ist hierfür das beste Beispiel. Scott Stapp gibt sich alle Mühe diesmal nicht nach Eddie Vedder zu klingen. Und es klappt auch! Leider klingt er nun ziemlich authentisch nach Jim Morrison. Ein Argument mehr, sich lieber das Original anzuhören.

Lediglich die noch weitestgehend unbekannte Band Train schafft es, das viel strapazierte "Light my fire" in eine locker groovende Retrohymne zu verwandeln. Auch "Break on through", hier gespielt von den Stone Temple Pilots, mit dem das Album eröffnet wird, macht viel Spaß. Ebenfalls als gelungen zu bezeichnen ist die meditativ anmutende Version von "The end", bei dem sich Days Of The New versuchen. Nach der Umschiffung dieser Klippe durfte sich die Band sogar noch an "L.A. woman" probieren. Ansonsten aber sind die Highlights leider rar gesät. Es bleibt zu hoffen, daß "Stoned immaculate" das Ende der Wiederaufarbeitung war. Zu befürchten ist aber, daß die Rest-Doors auch im nächsten Weihnachtsgeschäft wieder zuschlagen werden. Was wird uns dann wohl erwarten? Atze Schröder liest "Die Feier zu Ehren der Eidechse" zur Musik von "Waddehaddeduddeda"? Zlatko singt "Light my undertrouser"? Hoffentlich nicht! Mögen auch die Herren Densmore, Manzarek und Krieger erkennen, was es heißt, in Frieden ruhen zu dürfen.

(Matthias Allstadt)

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Highlights

  • Break on through (Stone Temple Pilots)
  • Light my fire (Train)
  • Touch me (Ian Astbury)
  • The end (Days Of The New)

Tracklist

  1. Break on through (Stone Temple Pilots)
  2. Riders on the storm (Creed)
  3. Light my fire (Train)
  4. Peace frog (Smash Mouth)
  5. L.A. woman (Days Of The New)
  6. Love me two times (Aerosmith)
  7. Under waterfall (The Doors)
  8. Wild child (The Cult)
  9. Roadhouse rap (Jim Morrison)
  10. Roadhouse Blues (John Lee Hooker & Jim Morrison)
  11. Is everybody in? (William S. Burroughs)
  12. Hello, I love you (Oleander)
  13. Touch me (Ian Astbury)
  14. Children of night (Perry Farrell & Exene)
  15. Love her madly (Bo Diddley)
  16. The cosmic movie (The Doors)
  17. The end (Days Of The New)

Gesamtspielzeit: 71:36 min.

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