Neon Blonde - Chandeliers in the savannah

Neon Blonde- Chandeliers in the savannah

DimMak / Soulfood
VÖ: 17.10.2005

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Mike check

Unter platinblond kann man sich ja noch leicht etwas vorstellen, aber was zum Teufel ist neonblond? Es muß auf jeden Fall irgendwas sehr Grelles sein. Hier kommt die Auflösung: Neon Blonde ist das Nebenprojekt von Johnny Whitney und Mark Gajadhar, die sich sonst Ihre Brötchen als Sänger und Schlagzeuger der Spazzcore-Posterboys Blood Brothers verdienen. Anders als ihrer Hauptband, der es unlängst mit "Crimes" wieder hervorragend gelungen ist, die Brücke zwischen Ihren Hardcore-Wurzeln und Avantgarde zu schlagen, geben sich Neon Blonde auf ihrem Debütalbum "Chandeliers in the Savannah" gegenüber allem offen und setzen das Konzept der postmodernen Pastiche kompromißlos um. Selbstbewußt empfiehlt die Band sich vor allem Fans von David Bowie, Brian Eno, Freddy Mercury und den Blood Brothers – eine abenteuerliche Mischung, die sich durchaus sehen lassen kann.

Auf "Chandeliers in the Savannah" mutieren diese Einflüsse dann zum einen charmant gruseligen, aber schwierigen Cocktail. Neben Whitneys unverwechselbarem Falsett kollidieren hier abwechselnd programmierte Beats, Surf-Gitarren und wuchtige Synthesizer. Während der strategisch plazierte Opener "Black cactus killers" den Fans von Blood Brothers & Co. noch einen leichten Einstieg verschafft, gehen Whitney und Gajadhar beim darauf folgenden "Crystal beaches never turned me on" so richtig in die Vollen: Calypso kurz vor dem Nervenzusammenbruch. In der Piano-Ballade "Chandeliers and vines" gibt Whitney dann den "Great pretender" und erinnert dabei an die Bar-Jazz-Ausflüge eines gewissen Mike Patton. Herzstück des Albums ist das als Single ausgekoppelte "Headlines", in dem der Kontrast zwischen der hübschen Melodie und Whitneys Beschreibung der alltäglichen Sensationsgeilheit der Medien nicht größer sein könnte: "Homicides, ruined lives, innocent bystanders caught in the crossfire / You float on a black cloud with a camera crew to catch the bodies burning down."

Furchtlosen Hörern wird sich das Album nach einigen Durchläufen erschließen, obwohl auch hier nicht alles Gold ist, was neonfarben glänzt, wie zum Beispiel das nervtötende "Dead mellotron". Mehr versöhnliche Momente wie der Rausschmeißer "Wings made out of noise" hätten dem Album sicher gutgetan und Neon Blonde verglichen mit den Blood Brothers klanglich mehr Eigenständigkeit verliehen. Dennoch: Die beiden hyperaktiven Jungs legen es zwar nicht darauf an, mit Neon Blonde dasselbe Hype-Potential wie die Blood Brothers zu erreichen, sind aber jetzt schon weitaus mehr als nur ein Nebenprojekt einer großen Band. Zu den legitimen Nachfolgern von Patton und seinen Mr. Bungle gehören sie allemal.

(Martin Stenger)

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Highlights

  • Chandeliers and vines
  • Headlines
  • Love hounds
  • Wings made out of noise

Tracklist

  1. Black cactus killers
  2. Crystal beaches never turned me on
  3. Chandeliers and vines
  4. Princess skullface sings
  5. New Detroit
  6. Headlines
  7. Love hounds
  8. Dead mellotron
  9. Cherries in slow motion
  10. The future is a mesh station
  11. Wings made out of noise

Gesamtspielzeit: 34:37 min.

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  • Neon Blonde (8 Beiträge / Letzter am 21.03.2007 - 18:55 Uhr)