John Cale - Black acetate

John Cale- Black acetate

Capitol / EMI
VÖ: 23.09.2005

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Dismemberment man

Es mag auch daran liegen, daß er jahrelang mit dem größten Griesgram des Musikgeschäfts in einer Band war. Aber bisher hatte man sich John Cale eigentlich immer als eher kratzborstigen Typen vorgestellt. Nicht der Kerl, der mit seiner Gang nach getaner Arbeit noch ein Bier trinken geht. Kein Mensch, der sich über einen guten Witz kaputtlachen würde. Um so erstaunlicher deshalb, daß sein neues Soloalbum genau mit einem solchen losgeht: "Outta the bag" ist ein Witz. Ein Witz aus erkältetem Funk und gepudertem Falsett-Gesang, der unbedingt mal erzählt werden mußte. Man würde Cale natürlich trotzdem noch nicht für seine Geburtstagsfeier verpflichten wollen. Und warum das so ist, das darf man genüßlich aus den folgenden elf Songs heraushören.

"For a ride" und "Brotherman" machen nach dem getricksten Auftakt weiter, als gelte es, erstmal alle Unwürdigen zu vergraulen. Zunächst ein gebrochenes Gecroone, dem langsam der Kamm anschwillt, dann ein ebenso zerstückeltes Spoken-Word-Stück, um ein skurriles Tom-Waits-Gezeter herumgebaut. "Very uncomfortable, but you're feeling it." Daß Cale natürlich auch anders kann, zeigen die relativ standhafte Ballade "In a flood" und vor allem "Perfect", ein derart beweglicher Gitarrenrocker, daß er sich geradezu als Single aufdrängt. Keine zwei Songs auf dieser Platte klingen, als seien sie vom gleichen Künstler. Und gerade deshalb sind sie natürlich so sehr John Cale, wie es nur geht.

Auch wenn es im Vorfeld hieß, die neue Platte solle nicht so eklektisch werden wie ihr Vorgänger "Hobosapiens", hat Cale sich also doch wieder eine Menge Stoff aus den vergangenen Jahrzehnten zusammengesucht - und mit freilich überragender Kunstfertigkeit zu diesen Liedern hier zusammengebaut. Schrullig, eigenbrötlerisch und natürlich auch ein bißchen bockig, insgesamt aber erstaunlich schmerzfrei zu hören. Wenn man sich nicht davon abschrecken läßt, daß in Stücken wie "Gravel drive" nun nicht gerade gemütliche Wochenendausflüge besungen werden. Seine Viola, mit der Cale einst das "The Velvet-Underground & Nico"-Album in Brand setzte, spielt dabei übrigens keine Rolle mehr. Wer aber deshalb seine feuerfeste Schutzkleidung ausgezogen läßt, wird sich trotzdem umgucken. "A different kind of love."

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Brotherman
  • In a flood
  • Perfect
  • Turn the lights on

Tracklist

  1. Outta the bag
  2. For a ride
  3. Brotherman
  4. Satisfied
  5. In a flood
  6. Hush
  7. Gravel drive
  8. Perfect
  9. Sold motel
  10. Woman
  11. Wasteland
  12. Turn the lights on
  13. Mailman (The lying song)

Gesamtspielzeit: 53:03 min.

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