Nine Inch Nails - Things falling apart

Nine Inch Nails- Things falling apart

Nothing / Interscope / Motor
VÖ: 20.11.2000

Unsere Bewertung: Ohne Bewertung

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Reconstruction time again

Was zerbrechlich ist, zerfällt leicht in tausend Stücke. Mancher mag versuchen, den Scherben einer Kaffeetasse die alte Form aufzuzwingen. Meist aber wird dies eher schlecht als recht gelingen. An Sollbruchstellen mangelt es auch den wieder zusammengefügten "Things falling apart" nicht. Diese nunmehr dritte Wiederaufarbeitung eines Albums von Trent Reznors Nine Inch Nails wirkt fast noch verstörender als "Fixed" oder "Further down the spiral". Allein die schier erdrückende Wucht des letztjährigen "The fragile" läßt sich nur schwerlich wiederholen. "I won't let you fall apart" war damals das Versprechen. Der einstmals auf zwei CDs verteilte Entwurf eines genialischen Soundtüftlers wurde nun durch die Schrottpresse gejagt und bis auf seinen zerbrechlichen Kern entblättert. Dieser stand entblößt, als Reznor eine Horde Bastler auf sein Werk losließ.

Mit einer Familienpackung Pattex bewaffnet gingen alte Bekannte wie Adrian Sherwood und Dave Oglivie auf den Scherbenhaufen los. Auch Danny Lohner und Charlie Clouser durften sich wieder einmal ohne die direkte Einmischung ihres eigentlichen Chefs an Rekonstruktionen versuchen. Dieser ließ es sich aber nicht nehmen, auch selbst einige Male die Klebstofftube zu schwingen. Dabei wurden die Klangtrümmer zunächst weiter seziert und später sanft mit Kettensägen und Preßlufthämmern gestreichelt. In "The great collapse" sägen Disharmonien fortwährend am Verstand. "Slipping away" hingegen ist ein aus dem Nichts zurückgekehrtes "Into the void". Als Souvenir brachte es dabei scheppernden Funk und depressive Celli mit. Diese übernehmen auf Benellis Bearbeitung von "The frail" gleich die Hauptrolle. Voller Sehnsucht streicht die Melodie an scharfkantigen Rändern entlang.

An "Starfuckers, Inc.", auf "The fragile" nur Fußnote, wird gleich drei Mal Hand angelegt. Altmeister Sherwood läßt Sirenen heulen und gefilterte Drums scheppern. Überall piept und flirrt es, bis man jegliches Gefühl unter den Füßen verliert. Techno war vorgestern. Oglivie beamt das Stück in eine rein virtuelle Inkarnation der Achtziger. Treibende Beats und verstörende Effekte ringen miteinander in einer von Stroboskopen ausgeleuchteten Gummizelle. Clouser, das remixwütigste Mitglied der neunzölligen Nägel, führt Reznors beißenden Spott aus dem Fegefeuer der Eitelkeiten in gänzlich andere Gefilde. Dumpfe Wirklichkeiten und wild zuckende Paranoia dringen in den Maschinenraum einer fremd wirkenden Welt ein. Stotternde Befehle werden gebellt, bis die wirren Klänge in einer Krachorgie übereinander herfallen. Soundfuckers, Inc.

Die Zerbrechlichkeit, die das Original in all seiner Zerrissenheit offenbarte, taucht in der Fälschung nur gelegentlich auf. In "Where is everybody?" finden die malträtierten Stimmen Zuflucht in sanften Klangwolken, die auf den Namen Melancholie hören. Der Wetterbericht aber verheißt nichts gutes. Metallisches Donnern kündigt sich an. "Metal", ein Klassiker von Gary Numan, kommt als schepperndes Glamrock-Gewitter und entpuppt sich doch als industrieller Bastard. Die Blitze zucken und spucken verstörende Gitarren aus. Weiter oben schweben andere Töne aneinander vorbei. "10 miles high" plätschert anfangs wie der Regen nach der Apokalypse, bis sich Reznors "I wanna get so high" zu einem psychedelischen Mantra versteigt. Das Echo durchdringt den Himmel und hinterläßt eine verstörte Stratosphäre. Wer in diesen Trümmern nach Schönheit sucht, findet nur die häßliche Fratze der Paranoia.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Starfuckers, Inc. (Remixed by Dave Ogilvie)
  • The frail (Remixed by Benelli)
  • Metal
  • 10 miles high (Remixed by Keith Hillebrand)

Tracklist

  1. Slipping away
  2. The great collapse
  3. The wretched (Remixed by Keith Hillebrandt)
  4. Starfuckers, Inc. (Remixed by Adrian Sherwood)
  5. The frail (Remixed by Benelli)
  6. Starfuckers, Inc. (Remixed by Dave Ogilvie)
  7. Where is everybody? (Remixed by Danny Lohner & Telefon Tel Aviv)
  8. Metal
  9. 10 miles high (Remixed by Keith Hillebrand)
  10. Starfuckers, Inc. (Remixed by Charlie Clouser)

Gesamtspielzeit: 53:38 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Botfucker
2011-07-19 12:18:50 Uhr
3/10, schlechtestes NIN-Release. "Metal" ist einsames Highlight.

Mich würde aber mal die Originalversion von "10 miles high" interessieren, die nur auf der Vinyl-Version von "The fragile" und auf der Single "We're in this together" war.
Sie Lüger du
2011-07-10 11:44:33 Uhr
Da lügern Sie getz aber!
links zwo drei fünf
2010-10-15 16:11:18 Uhr
pitchfuck hat recht. totaler müll das album, hätte man ja gleich "metal" als single oder so raushauen können.
rez nor
2010-10-15 16:00:40 Uhr
also ich finde die platte ziemlich gelungen. Mein highlight wäre 10 Miles high. 8/10
nin fan
2010-10-14 20:42:22 Uhr
Warum?
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