Dirty Three - Cinder

Dirty Three- Cinder

Anchor & Hope / Bella Union / V2 / Rough Trade
VÖ: 14.10.2005

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Streichfest

Australier mit Rang und Namen, die auch noch spannende Musik jenseits des Mainstreams zustande bekommen, sind rar gesät. Wem fällt in dieser Sparte schon nennenswert mehr ein als Nick Cave, Silverchair und vielleicht noch die Go-Betweens? Nun, vielleicht ist der eine oder andere ja schon Dirty Three begegnet. Mit immerhin sechs Alben begeisterten sie bislang eine eingeschworene Schar von Melancholiejüngern, die sich in diese rauhe See zu begeben wagten.

Bislang standen Dirty Three wie eine Drei zu ihrem Namen. Sie durchtasteten die Möglichkeiten des Zusammenspiels von Gitarre, Schlagzeug und der federführenden Violine und fanden immer neue Auswege in dieser Reduktion aufs Wesentliche. Sprachlosigkeit als Stärke. "Cinder" wendet sich ab von diesem Konzept. Und entdeckt neue, vielleicht sogar noch imposantere Aussichten. Statt des konzentrierten Zusammenspiels dreier Instrumente erweitern die Australier ihren eigenen Horizont. Klavier, Orgel, Baß, Mandoline, Bouzouki, Dudelsack und Bratsche werden ins Klangbild integriert. Und für zwei Tracks dieses siebten Albums lud die Band sogar Sängerinnen ein. In "Feral" haucht Sally Timms von den Mekons, und der großartige Tumult "Great waves" sorgt mit den Beschwörungen von Chan Marshal (Cat Power) für Todessehnsucht und andere angenehme Gefühle.

Statt sich also in der Wahl der Mittel zu beschränken, halten Dirty Three diesmal ihre Musik klein. Weg von den ausufernden Verästelungen, hin zu knappen, aussagekräftigeren Impressionen. Schon der aufatmenden Eröffnung "Ever since" gelingt ein sanftes Ausrufezeichen. "Sad sexy" braucht nicht einmal dreieinhalb Minuten für einen sehnsüchtigen Seufzer, und in "Doris" zerscheppert eine Art Volkstanz. Auch daß sich Warren Ellis als langjähriges Mitglied der Bad Seeds mit den Schattenseiten des Lebens auskennt, spürt man in eindringlichen Momenten wie "The zither player" oder "Too soon, too late". Wenn jetzt noch der dunkle Lord Cave seine Stimme erheben würde, könnte man sich gemeinsam der Verdammnis widmen. Aber auch ohne seine Unterstützung finden Dirty Three immer wieder zu beeindruckend klitzekleinen Melodien und zerbrechlichen Stimmungen. Musik wie ein spätherbstliches Ölgemälde. Es knistert.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Sad sexy
  • The zither player
  • Great waves
  • Last dance

Tracklist

  1. Ever since
  2. She passed through
  3. Amy
  4. Sad sexy
  5. Cinder's
  6. Doris
  7. Flutter
  8. The zither player
  9. It happened
  10. Great waves
  11. Dream Evie
  12. Too soon, too late
  13. This night
  14. Rain on
  15. Ember
  16. Michèle
  17. Feral
  18. Last dance
  19. In fall

Gesamtspielzeit: 70:20 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
stativision
2008-06-08 10:09:55 Uhr
weiß gar nicht, welches album ich von "horse stories", "ocean songs" und "whatever you love" am besten finde. bewegen sich alle drei auf einem knappen 9/10er niveau (und damit in der tat mindestens in der top ten aller mir bekannten post rock alben). als besten song küre ich jedenfalls "I Offered It Up To The Stars" küren.
feLix
2008-06-08 09:47:41 Uhr
muss gestehen, dass cinder das erste war, was ich von ihnen gehört habe. seitdem ich diesen thread eröffnet habe, habe ich mir natürlich auch die älteren sachen angehört. "horse stories" ist weltklasse, dürfte inzwischen schon in meinen top20 all time alben sein. eines der 5 besten post-rock alben ist es auf jeden fall. da macht es auch nichts, dass dirty three da nie wieder rankommen werden ,)
stativision
2008-06-08 08:59:45 Uhr
finde die alten werke (bis 2000) besser. die sind ja teilweise wirklich grandios grandios. und was für eine schmach, das kaum ein postrockfan die hierzulande kennt.
ventolin
2005-10-19 08:41:40 Uhr
Bin gespannt. Horse Stories ist für mich ungeschlagen und ich bezweifle, dass sie dieses Werk je toppen werden.
Armin
2005-10-18 19:03:27 Uhr
Dirty Three `Cinder`

Die Instrumental Legenden Dirty Three meldeten sich im November mit ihrem 7. Studioalbum `Cinder` fuer zwei Livekonzerte zurueck. Fuer die wenigen, die trotz der 14jaehrigen Bandgeschichte nicht ganz auf der Hoehe sind, hier ein kurzer Ueberblick. Dirty Three setzen sich aus Mike Turner (Gitarre), Jim White (Schlagzeug) und Warren Ellis (Geige) zusammen. Letzterer mag dem Einen oder Anderen vielleicht auch als Mitglied von Nick Cave's Bad Seeds bekannt sein. Mit `Cinder` brechen Dirty Three ihr selbstauferlegtes `Redeverbot`. Beziehungsweise sie lassen es brechen. In dem Song `Great Waves` wird mit der Gastsaengerin Chan Marshall (aka Cat Power) erstmals in der Bandgeschichte von Dirty Three ein Gesangspart integriert. Ansonsten bleiben sie ihrer Linie treu, wunderschoen arrangierte Songs zu schreiben.

06.11.2005 Berlin - Mudd Club - 07.11.2005 Hamburg - Knust
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