Deerhoof - The runners four

Deerhoof- The runners four

Kill Rock Stars / Cargo
VÖ: 17.10.2005

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Chick on speed

Das Schöne an einem schönen Popsong sind ja meistens seine Schönheitsfehler. Kleine Verspieler, die niemand rausradiert hat, Sänger, die keinen Ton zweimal treffen oder Schlagzeuger, die dem richtigen Rhythmus immer einen Halbton hinterher hecheln. Hat eben Charme, so was, zeugt von intaktem Selbstbewußtsein und erinnert außerdem daran, daß Popmusik nicht erfunden wurde, um perfekt zu sein. Man sollte sich das jeden Tag einmal sagen, morgens vorm Spiegel beim Zähneputzen. Und danach "The runners four" von Deerhoof in den wasserfesten Fisher-Price-Kassettenrekorder unter der Dusche tun. Die lassen das Drumherum nämlich gleich ganz weg. Und haben jetzt eine Platte gemacht, die nur aus Schönheitsfehlern besteht.

Wer "The runners four" hört, muß sich wie in einem dieser engen Büroräume vorkommen, wo sich Aktenordnerberge bis unter die Decke stapeln, zigtausend lose Zettel herumfliegen und alle Topfpflanzen verwelkt sind. 20 Songs haben Deerhoof in die 56 Minuten ihrer auch schon wieder achten Platte gezwängt. Und das ging natürlich nur, weil mal hier gefaltet, mal dort abgeschnitten und sowieso überall gequetscht wurde. "Geschmeidiger" solle diese Platte sein, meint man beim Label mit Blick auf die Discographie der Band. Und elastischer als früher klingen Deerhoof tatsächlich. Locker geradezu, wenn man bedenkt, daß zwei von ihnen auch der terroristischen Klangorganisation Xiu Xiu angehören. Und mancher Song diesmal sogar als solcher zu erkennen ist.

Damit wir uns aber nicht falsch verstehen: Um in den Wahnsinn getrieben zu werden, tut es natürlich auch die songorientierte Deerhoof-Version. Sängerin Satomi Matsuzaki, eine Art überzeichneter Manga-Charakter, der sich vermutlich jeden Abend in seine Yoko-Ono-Fan-Bettwäsche kuschelt, hat ihre eher rudimentären Englischkenntnisse zum Anlaß genommen, eher rudimentär verständliche Texte zu schreiben. Hinter ihrer zähnefletschenden Niedlichkeit mit pinkfarbenem Fächer und Blümchen im Haar wartet eine Truppe, die klingt, als hätten drei Playmobilfiguren eine Noise-Rock-Band gegründet. Und was deren Leadgitarrist allein an krummbeinigen, überstürzten, verdrehten Melodiefragmenten fallen läßt, dürfte anderswo mit Behindertenausweis umsonst Bus fahren. Wer irgendwann glaubt, den Durchblick zu haben, sollte die Platte dann mal mit Köpfhörern hören. Und ein völlig neues Album entdecken.

Eine Woche unbezahlten Urlaub darf man also guten Gewissens einplanen, wenn man irgendwann mal soweit kommen will, daß "The runners four" einen nicht mehr vollends erschlägt. Bis dahin frieren wir den Zwischenstand nach zehn Durchgängen ein und empfehlen zum Dran-festhalten: das hinterhältige "Running thoughts" mit seinen himmelwärts strebenden Synthies und der zeitgleich abgeschlachteten E-Gitarre. Das gemeingefährliche "Scream team", dem zwischenzeitlich die guten Geister ausgehen. Und nicht zuletzt ordentlich Sitzfleisch. Er mag nämlich in Zeitlupe fallen. Aber er fällt. Der Groschen. Später oder noch später. Und dann klaut Dir diese Band nicht mehr nur die Nase. Sondern auch noch den Verstand. The hoof is on fire.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Running thoughts
  • Scream team
  • Rrrrrrright

Tracklist

  1. Chatterboxes
  2. Twin killers
  3. Running thoughts
  4. Vivid cheek love song
  5. O'Malley, former underdog
  6. Odyssey
  7. Wrong time capsule
  8. Spirit ditties of no tone
  9. Scream team
  10. You can see
  11. Midnight bicycle mystery
  12. After me the deluge
  13. Siriustar
  14. Lemon and little lemon
  15. Lightning rod, run
  16. Bone-dry
  17. News from a bird
  18. Spy on you
  19. You're our two
  20. Rrrrrrright

Gesamtspielzeit: 56:02 min.

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User Beitrag
MeMyself&I
2006-04-18 21:53:28 Uhr
Ich kenne nur die beiden Vorgängeralben, die man beide bedenkenlos kaufen kann wenn einem die Runners Four gefällt. Mir persönlich gefällt Apple O am besten, da es am wenigsten Ausfälle besitzt, dann Runners Four, die schön abwechslungsreich daherkommt und schließlich Milkman, die auch in keiner Weise schlecht ist, aber ein wenig konventioneller.
shrink
2006-04-18 17:28:59 Uhr
Nachdem ich das Album mitlerweile sehr lieb gewonnen habe, möchte ich euch mal um Beratung bezüglich der anderen Alben bitten.
Armin
2006-01-17 19:29:46 Uhr
Spliffen Sie Deerhoof?
Hoof? Doof? Heer? Deer? Keine Frage, das jüngste Album des Quartetts aus
Fran Sansisco hat einiges durcheinandergewirbelt. Die Presse war sich einig,
dass es sich bei "The Runners Four" um eines der besten Alben der Band
handelt. Es gibt wohl wenige Combos, die den gralen Schmat zwischen
Genialität und Wahnsinn so gut beherrschen wie Heerdoof....äh, Deerhoof.
Entschuldigen sie bitte die Fehler, wir sind noch wie benommen von diesem
Album. Wir teilen euch lieber die Tourdaten mit, bevor noch mehr passiert...

Spex und Popfrontal.de präsentieren:

DEERHOOF

02.04. Berlin+ Magnet Club
03.04. Stuttgart+ Schocken
04.04. CH - Düdingen+ Bad Bonn
07.04. Köln+ Gebäude 9 (w/ 31Knots)
MeMyself&I
2005-11-08 10:42:31 Uhr
Ich hasse den Amazon-Marketplace. Über 2 Wochen Lieferzeit für zwei Euro Ersparnis. Nun ist sie aber da und es ist wirklich eine sehr schöne Platte. Teilweise etwas eingängiger als die Vorgänger und vor allem das psychedelische Running Thoughts haut mich aus den Latschen. Was aber immer noch nerven kann, wenn es einen mal am falschen Tag erwischt, ist der Gesang.
Pearly
2005-10-15 16:29:21 Uhr
This song from the new album is fu**ing greatness

http://www.ezarchive.com/pugarros/AlbumSpace/6JZDQCTHSS/Deerhoof-YouCanSee.mp3
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