Dangerdoom - The mouse and the mask

Dangerdoom- The mouse and the mask

Lex / Rough Trade
VÖ: 21.10.2005

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Fix & Foxi

Er hält es immer nur eine Platte lang beim gleichen Produzenten aus. Dann muß er weiterziehen. MF Doom, New Yorks bester MC, der letzte Superheld der Stadt. Er ist natürlich keiner von der guten Sorte. Nicht der Typ, der sich in Schußlinien wirft. Er steht eher am richtigen Ende von Schußlinien. Und taucht auch nicht plötzlich auf, wenn ein Kind aus einem Brunnen gezogen werden muß. Mit seiner furchteinflößenden Maske würde er es ohnehin nur erschrecken. Also macht Doom tagsüber HipHop, zuletzt auf "Madvillainy" als Madvillain gemeinsam mit Madlib, dem einen Underground-Producer, dem man abkaufen würde, daß er zaubern kann. Ist aber auch schon wieder von vorgestern, die Geschichte.

MF Dooms Gegenwart trägt ein Mauskostüm. Natürlich nicht Mickey Mouse, soweit sollte mittlerweile jeder klarkommen. Nein, Dangermouse. Wieder ein neuer Produzent. Diesmal der, der letztes Jahr durch seine elaborierten Näharbeiten an Jay-Zs schwarzem und dem weißen Album der Beatles berühmt wurde. Auch er ist also ein Outlaw, einer, der sich nicht groß scherte um den Ärger, den es mit der Industrie gab. Wichtiger ist ohnehin, daß MF Doom jetzt wieder einen Partner auf Augenhöhe hat. Was hier aufeinandertraf, konnte natürlich nicht gut gehen, mußte zu Explosionen führen. Und während es jetzt Feuer, Staub und Autoteile vom Himmel regnet, lachen sich zwei Verrückte hinter ihren Masken ins Fäustchen. Wieder einen Schritt Richtung Weltherrschaft gemacht.

Der TV-Sender Adult Swim, spezialisiert auf Late-Night-Cartoon-Shows, war Hauptinspirationsquelle für "The mouse and the mask". Sprachsamples aus den dort beheimateten Serien lauern hier beinahe hinter jeder Strophe, verzweifelte Anrufe irgendeines Losers, der so gern auf dem Album mitrappen würde, ziehen sich durch die gesamte Platte. Richtige Guest-Slots gab es stattdessen für Ghostface Killah, der das totgeglaubte "The mask" nach zwei Minuten übernimmt, Talib Kweli im prima aufgeblasenen "Old school rules" und Soul-Machine Cee-Lo Green, der die Hookline fürs gerade gebogene "Benzi box" einsang. Davor, dazwischen und danach müssen ungezählte Einfälle wieder mit viel zu wenig Lebensraum auskommen. Und trotzdem hat man aus dieser Ecke lange kein so straightes Album mehr gehört.

Es sind die Beats der Dangermouse, denen man die Schuld daran geben könnte. Keine Angst vor nichts haben die natürlich, bedienen sich bei Streichern, Funk und Flöten, bleiben aber trotzdem immer sehr geradlinig, weniger auseinandergeschraubt und dekonstruiert als das Soundgerüst von "Madvillainy". MF Doom rappt derweil das übliche Zeug, also schrecklich krude, ziemlich surreale und verdammt wortwitzige Geschichten, bleibt diesmal aber einige Meter hinter seinen letzten Glanzleistungen zurück. Fürs wildeste, bekloppteste HipHop-Album seit Monaten reicht es natürlich trotzdem. Und Deine Lieblingsrapper wollen die beiden ja eh nicht sein.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Sofa king
  • Old school rules
  • Crosshairs

Tracklist

  1. El chupa nibre
  2. Sofa king
  3. The mask (feat. Ghostface)
  4. Perfect hair
  5. Benzi box (feat. Cee-Lo)
  6. Old school rules (feat. Talib Kweli)
  7. A.T.H.F. (Aqua teen hunger force)
  8. Basket case
  9. No names (Black Debbie)
  10. Crosshairs
  11. Mince meat
  12. Vats of urine
  13. Space hos
  14. Bada bing

Gesamtspielzeit: 40:23 min.

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