The Cardigans - Super extra gravity

The Cardigans- Super extra gravity

Stockholm / Universal
VÖ: 14.10.2005

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Luftpost

Nina Persson. Na, kommt alleine bei diesem Namen nicht schon die Phantasie in Schwung? Gut, lenken wir sie mal in geregelte Bahnen. Und stellen uns eine ganz bestimmte Stelle im Hause Persson vor. Die vielleicht interessanteste. Nein, nicht den Unterwäscheschrank. Schämt Euch! Ein Blick auf den Schreibtisch könnte um so verblüffender sein. Da steht sicher ein Foto vom letzten Sommerurlaub, liebevoll gerahmt. Außerdem ein ganz klassischer Füllfederhalter mit Tinte und einem Block Papier, für die Lyrics. Und daneben: Stapel um Stapel. Mit Briefen aus allen Ecken der Welt, Anträge jedweder Art. Die Jüngsten würden Nina Persson gerne zur Mama haben, die Ältesten sie adoptieren, aber die dicksten Stapel stammen wohl aus ihren eigenen Altersregionen. "Nina, heirate mich!" steht geschwungen auf den handschriftlichen Schrieben des einen Stapels. "Nina, hast Du schon eine beste Freundin?" auf denen des nebenliegenden. Mal ehrlich: Gibt es irgendeinen Musikfreund, der nicht irgendetwas von Nina Persson möchte?

Aber auch ein Everybody's darling kann nun mal nicht für alle da sein. Wenigstens ihre Gesellschaft ist käuflich. Für vierzehn neunundneunzig kann man diese in den - ein schreckliches Wort für sowas - Warenkorb legen. Und mit ihr den Winter verbringen. Einmal mehr. Auch das sechste Album der Schweden ist ein Vergnügen für Groß und Klein, wie es schon "Long gone before daylight" und alle anderen zuvor waren - auch wenn's die Cardigans diesmal nicht so recht wahrhaben wollen. Und trotzig die "Wir haben uns ja so doll verändert"-Phrasen dreschen. Sie haben nicht ein altes Album noch einmal aufnehmen wollen, gibt Nina Persson zu Protokoll, das neue solle "seltsam, aber gut" sein, jeder Song etwas Verschrobenes und Überraschendes an sich haben. Und obendrein zu all dem Geschwafel konnte man ihr und Songwriter-Kollege Peter Svensson auch noch die Benennung der Pixies als gemeinsame Inspirationsquelle entlocken. Entschuldigung, wir legen mal eben eine kleine Pause in diese Rezension ein. Und lachen uns kräftig den angestauten Spott vom Leib.

So, fertig. Pixies hin, Verschrobenheit her: "Super extra gravity" ist natürlich ein Cardigans-Album in Reinkultur, enthält wenig, was man nicht vorher schon von ihnen gehört hätte. Die deftigeren Riffs wie in "Godspell" sind ja nichts Neues und eh jeweils Sekunden später schon wieder verschwunden, ähnlich wie die Galopp-Gitarren in "Little black cloud". Auch ans stockende "Holy love" gewöhnt man sich schnell, erst Recht dank der Zeile "You can really have everything you ask / And I'll be intimate with you." Und das einzig wirklich Überraschende an "Super extra gravity" ist, daß sich viele der Melodien erstmal in der Ohrmuschel verkanten und verhaken, statt direkt hinein zu gehen. Eine Freiheit, die sich die Cardigans offenbar bewußt genommen haben. Sie haben einigen Liedchen eine Bleikugel an die Beinchen geschmiedet, damit sie nicht wie gewohnt luftig abheben. Diese sind dann nicht anders, sondern einfach nur schwerer bekömmlich. Etwas weniger Pop, aber immer noch ziemlich. Man könnte sie auch einfach einen Tick schwächer nennen. Erst recht, wenn man bedenkt, wofür man die Cardigans denn liebt und schätzt.

Zum Glück hat "Super extra gravity" auch von diesen Bonbons genügend zu bieten: die charmant überdrehte Ohrwurm-Single mit dem epischen, aber herzigen Titel "I need some fine wine and you, you need to be nicer" natürlich. Das trübsinnige und dennoch aufmunternde "Don't blame your daughter [Diamonds]", das die eckige Klammer in der Popmusik salonfähig macht. Das erstaunliche "Good morning Joan", das sich aufs Wesentliche konzentriert und alle Cardigans-Stärken auf den Punkt bringt. Und nicht zuletzt "Overload", bei dessen Dreiviertel-Takt man die Luftgitarre gerne mal eingemottet läßt und zur Abwechslung mal was Neues probiert: Lufttanzen. Man schließt die Augen, breitet die Arme aus, stellt sich in selbigen Nina Persson in Abendrobe vor und schwooft über den heimischen Laminat. Aber nicht vergessen: Vorher die Zimmertür abschließen. Wer weiß, ob Frau, Freundin, Papa oder Mitbewohner den Anblick verstehen würden. Wenn sie nicht nebenan längst schon mit der gleichen Platte das gleiche tun.

(Armin Linder)

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Highlights

  • I need some fine wine and you, you need to be nicer
  • Good morning Joan

Tracklist

  1. Losing a friend
  2. Godspell
  3. Drop drop teardrop
  4. Overload
  5. I need some fine wine and you, you need to be nicer
  6. Don't blame your daughter [Diamonds]
  7. Little black cloud
  8. In the round
  9. Holy love
  10. Good morning Joan
  11. And then you kissed me II

Gesamtspielzeit: 40:29 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Greylight
2011-04-22 13:41:08 Uhr
Der Song hat ja fast ein bißchen was von den Smashing Pumpkins. :-) Hoffentlich kommt mal irgendwann noch was Neues von den Cardigans...
Jan1976
2010-03-12 08:30:53 Uhr
Ich denke das kommt schon was. Und wir wissen ja was nach Ninas erstem Soloausflug für ein Cardigans Album rauskam :-)
Michael
2010-03-12 03:05:30 Uhr
Aufgelöst ? Ich hoffe nicht !
Ein neues Album wäre mal großartig - die letzten beiden fand ich ausnahmslos toll.
imker
2010-03-06 14:46:14 Uhr
Unklar. Letztes Jahr war Nina Persson ja mit A Camp unterwegs.
The MACHINA of God
2010-03-06 14:32:53 Uhr
Haben die sihc eigentlich aufgelöst oder was?
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