Kevin Devine - Split the country, split the streets

Kevin Devine- Split the country, split the streets

Defiance / Cargo
VÖ: 04.10.2005

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Jahresbilanz

Die Zeit, die seit dem letzten Album für Kevin Devine verging, war keine schöne. Manchmal gar eine desaströse. Gemeinsam mit der versammelten US-Songwriter-Elite versuchte er sich im Protest gegen eine erneute Präsidentschaft des Mannes, der den Irak-Krieg maßgeblich auf den Weg brachte. Das ging schon mal schwer in die Hose. Zu diesem gesamtgesellschaftlichen Schicksal kam für Kevin Devine das ganz persönliche Leid, seinen Vater verloren zu haben. Es gibt einfach solche Jahre, die kann man entweder in die Tonne kloppen oder ein Lied von singen. All diesen Schicksalsschlägen zum Trotz (oder gerade deswegen) ist "Split the country, split the streets" entstanden. Es ist Devines bisher persönlichstes und intimstes Werk. Nicht aufgrund der Melodien. Denn die wirken dank Mithilfe seiner Ex-Bandfreunde und nun Solomusikanten-Begleiter von Miracle Of '86 mitunter kraftvoll inszeniert, oft wenig intim. Wohl aber aufgrund der textlichen Inhalte. Denn Devine verarbeitet die vergangene Zeit auf musikalische Art.

Das eindrucksvollste Ausrufezeichen hinter diese Emotion setzt gleich zu Beginn "Cotton crush". Ein Song, wie er größer nicht sein kann. Wenn du glaubst, es geht nicht mehr, kommt irgendwie die Trommel her. Und eine Gitarre. Und ein Wahnsinnsschrei. Heraus kommt ein Manifest, das mit krachender Euphorie Partei ergreift für jene, die in Fesseln liegen. Wie Kevin Devine es aus sich raus schreit, nachdem er zu sanfter Akustik zunächst nur flüsterte: "There's a cotton crush down in the southern states", um dann in den finalen Zeilen dieses großartigen Stückchens Rockmusik die Antwort auf alle noch offenen Fragen zu liefern: "Let's sift through the static to find a simpler sound than the shit that's clouding our heads now". Lang lebe Kevin Devine!

Die weiteren Stücke allerdings sind weniger langlebig, kreisen alle verhalten um die Dauertopoi Liebe und Tod. Die Melodien schlendern nun nur noch gemütlich, beizeiten aber nicht weniger gefällig, zwischen Emo und Folk. Die etwas öde "Afterparty" oder das bemitklatschenswerte "No time flat" mit seinen explizit politischen Stellungnahmen: eher Midtempo im Stile früherer Devine-Solo-Alben. Es steht deshalb dem Sound stets gut zu Gesicht, wenn der 25-jährige Musikant aus Brooklyn auf die üppige Mithilfe einiger Bandmitglieder vertraut. Wie bei "No one else's problem". Da musiziert er wieder schräg im Stile von Miracle Of '86. Oder bei "Burried by the buzz", das mit seinem feinen Gitarrensolo im Mittelteil noch einen der Höhepunkte bildet. "I'm burried by the buzz of a year gone." Wieder dieses Laut-Leise-Schema, wieder die Betonung dieser verflixten Zeit,die da hinter ihm liegt.

Als kleiner und feiner Silberstreif erweist sich "You are the daybreak". In dem Moment, als Kevin Devine die schöne Zeilen "Your fingers, built for the piano / Work out the knots that line my back" intoniert, streicht eine Hand tatsächlich über Tasten. Und am Ende, als wir ob all der seelischen Nadelstiche und präsidentalen Fehltritte schon an keinen Gott mehr glauben, singt Kevin plötzlich vom Lord. Ein recht intimes Beichtgespräch, das der Gute da in unserem Beisein führt. "I know a change has come / I'll know that you exist." Danach spricht er all die Dinge an, die seine Heimat in den vergangenen Monaten und Jahren so falsch gemacht hat und hofft, daß seine Skepsis über die Existenz des Göttlichen doch unberechtigt ist. Einmal mehr ein Wandeln zwischen Politik und Privatheit. Dabei liefert er für uns Musikfanatiker die Antwort auf seine Frage indirekt selber. Wenn es für Kevin und uns Beweises bedurfte, daß Göttliches existieren muß, dann skippen wir einfach noch einmal zurück bis zum ersten Song. Kevin, divine!

(Sebastian Peters)

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Highlights

  • Cotton crush
  • Haircut
  • Lord, I know we don't talk

Tracklist

  1. Cotton crush
  2. Afterparty
  3. No time flat
  4. Keep ringing your bell
  5. No one else's problem
  6. Buried by the buzz
  7. Haircut
  8. Probably
  9. Alabama acres
  10. Yr damned ol' dad
  11. Shift change splits the streets
  12. You are the daybreak
  13. Lord, I know we don't talk

Gesamtspielzeit: 47:33 min.

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