Keith Caputo - Died laughing pure

Keith Caputo- Died laughing pure

Roadrunner / Universal
VÖ: 20.11.2000

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Akustisches Krümelmonster

In diesen Tagen stößt man bei einem Blick auf die Veröffentlichungslisten auf mehr als nur die eine oder andere Seltsamkeit. Zwischen Best-Of-Compilation und Live-Mitschnitt tummelt sich ab und an ein mäßig spektakuläres Tribute-Album sowie mit viel Glück noch das vierundsechzigste Studio-Elaborat der Flippers. Da sticht eine Veröffentlichung wie "Died laughing pure" schon beinahe positiv ins Auge, auch wenn die Tatsache eines dritten Keith Caputo-Albums innerhalb eines Jahres (nach seinem Solo-Debüt "Died laughing" sowie "Unplugged at the Lowlands Festival '97" von Life Of Agony) von Anfang an ein wenig skeptisch macht. Zumindest die Idee an sich ist ja überaus löblich, nachdem Caputo Mitte des Jahres unter Begleitung seiner Band und eines Streichquartetts bei diversen, an Intensität kaum zu überbietenden, TV-Konzerten wie auch bei seiner akustischen Club-Tour allerorten offene Münder zurückgelassen hatte.

Leider ist der Schritt vom vielversprechenden Konzept zur gelungenen Ausführung größer als erhofft, insbesondere da sich zu viele Köche nach Kräften bemühen, Caputo den Brei zu verderben. Denn wie aus dem Lager des sensiblen Künstlers zu vernehmen ist, ging der Antrieb für "Died laughing pure" in erster Linie von seiner amerikanischen Plattenfirma Roadrunner aus, während Caputo mit seinen Fans im Hinterkopf zähneknirschend zugestimmt hat. Doch statt den einfachen, aber weitaus wirkungsvolleren, Weg zu gehen, eines der vorliegenden Konzertmitschnitte abzumischen, bemühte sich Caputo ein weiteres Mal ins Studio, um fünf Stücke lediglich unter Begleitung einer Akustikgitarre neu einzuspielen. Von der Leidenschaft und Intimität, die die Live-Auftritte eindrucksvoll kennzeichnete, ist bei den etwas steril wirkenden Neuaufnahmen leider einiges verloren gegangen und manche Stücke drohen sogar, unerwartet ins Fahrwasser der Belanglosigkeit abzudriften.

Daß der Opener "Upsy Daisy" den Untertitel "Cookie monster version" trägt, ist durchaus bezeichnend. Denn sämtliche Krümel, die bereits in Keiths zweijähriger Solokarriere abgefallen sind, wurden als zusätzliche, zum Kauf verleitende Leckerbissen mit den fünf Akustikstücken auf das Album gepackt. "The girl I love (Unfinished)" wie auch die "Dad dug a hole"-Interpretation von "Let's pretend" waren erst unlängst auf Caputos jüngsten Maxi-CDs enthalten. Gewöhnlich veranstaltet man solche zweifelhaften Aktionen nur mit Künstlern, die längst tot sind und sich dadurch weder wehren, noch neues Material einspielen können. Bei einem Künstler wie Keith Caputo, der vor gut einem halben Jahr erst sein meisterhaftes Solo-Debüt "Died laughing" veröffentlicht hat, sollte man allerdings davon absehen, um den mühsam erspielten guten Ruf nicht aufs Spiel zu setzen.

Immerhin sind auf "Died laughing pure" noch wirklich neue und unveröffentlichte Stücke enthalten: Caputos Interpretation von "Why" war ursprünglich nur als einmalige Sache für die TV-Konzerte geplant, mit der er seiner Lieblingskünstlerin Annie Lennox die Ehre erweisen wollte. Im Gegensatz zur herzzerreißenden, siebenminütigen Live-Darbietung (die uns hier leider vorenthalten bleibt) hat die auf vier Minuten zusammengestutzte und leicht überproduzierte neue Version allerdings auch etwas von ihrem Reiz verloren. "Yesterday is an eternity" hingegen ist wieder ein lupenreines neues Caputo-Stück, das für einen Moment die leichte Enttäuschung über "Died laughing pure" vergessen läßt. Natürlich ist jedem Ton und jedem verzweifelten Moment des Leidens immer noch die Genialität des Künstlers Keith Caputo anzuhören, was die Unnötigkeit dieser Veröffentlichung aber nicht vergessen macht. Mit gutem Willen kann "Died laughing pure" immerhin noch als ein nettes Geschenk für alle Caputo-Fans zur Weihnachtszeit gelten. Aber selbst dann schwingt trotz der vielen wunderschönen Melodien ein bitterer Beigeschmack mit.

Zum Keith Caputo-Interview-Special

(Armin Linder)

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Highlights

  • Why
  • New York City (Acoustic)
  • Yesterday is an eternity

Tracklist

  1. Upsy Daisy (Cookie monster version)
  2. Why
  3. Brandy Duval
  4. New York City (Acoustic)
  5. Honeycomb (Acoustic)
  6. Razzberry mockery (Acoustic)
  7. Dew drop magic (Acoustic)
  8. Yesterday is an eternity (acoustic)
  9. The girl I love (Unfinished)
  10. Why (Dafunk version)
  11. Let's pretend (Dad dug a hole)

Gesamtspielzeit: 50:20 min.

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