Laakso - My Gods

Laakso- My Gods

Adrian / V2 / Rough Trade
VÖ: 26.09.2005

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Schöpferlust

Kein Jahr ist es her her, daß das schwedisch/finnische Quartett Laakso uns mit seinem hervorragenden Debüt "I miss you, I'm pregnant" bereicherte. Manchmal geht eben alles ganz schnell. Nicht nur die Aufnahmen zum Nachfolgealbum "My Gods" - sie dauerten nur eine einzige Woche. Dank der von funkigen Gitarren und entspanntem Akkordeon untermalten Ode an die "True love", erfahren wir nämlich auch äußerst interessante, hochintime Details: "Weeks later I got this mail / Where you said / I miss you, I'm pregnant again." Oho. Man kennt ja die alte Ammenweisheit, die besagt, daß keine Schwangerschaft wie die andere verläuft. Wie wahr - von den einstigen dEUS-Referenzen ist höchstens noch der Album-Titel übrig geblieben. Dafür haben sich die Herren für's Coverfoto Kätzchengesichter geschminkt und widmen sich nun verstärkt keyboardverliebtem Pop und Glamrockspielereien. Und das klingt erstaunlich toll.

"Once again late at night" lädt gleich zu Beginn in ein spannendes Szenario ein, womöglich handelt es sich um ein Achtziger-Jahre-Computerspiel, in dem man sich mit der Machete durch düsteres Dickicht schlagen und dabei Instrumente einsammeln muß. Schlagzeug, Baß, Gitarre, Keyboard. Immer mehr, mit jedem neu erreichten Level. Bis schließlich der Spannungsbogen die aufgehende Sonne erblickt und alle Beteiligten pfeilschnell wieder ins Dickicht huschen. Direkt im Anschluß stürmt ein erstklassiger Glamrock-Baß auf die Bühne, aus dem Publikumsraum tönen vergnügte Handclaps, ein Glockenspiel klettert frech den Bühnenvorhang hoch und Markus Krunegård plaudert ein wenig über sein emotionales "High drama": "I'm not in love / I'm just obsessed / With hearing you say / Yes, please, Markus, come to me!"

Ebenso glamourös wie temporeich geht es weiter, und Krunegård gesteht, daß er sowieso "Never satisfied" ist. Wenn sich das auch auf seine Songs beziehen sollte, möchte man köpfchentätschelnd säuseln: Wer solche Lieder schreibt, darf sich guten Gewissens dreimal täglich selbst auf die Schulter klopfen. "Someone somewhere" offeriert schönste Shoegazing-Gitarren, der Titeltrack räkelt sich zu gemütlichen Folk-Anleihen, während der Herr Sänger mit einer umwerfenden Leichtigkeit derartig melodiöse Serpentinen hinbekommt, daß man über das gelegentlich etwas überzeichnete Falsett ganz verzaubert hinweghört. Hinreißend. Auch Produzent Jari Haapalainen (Ed Harcourt, Moneybrother, Kristofer Åström) hat mal wieder ausgezeichnete Arbeit geleistet.

Was besagte intime Details mit der Hamburger Reeperbahn zu tun haben, wird bedauerlicherweise nicht verraten. Aber wir haben ja Phantasie. Und können uns ungefähr ausmalen, was in der "Hamburg night" so los gewesen sein könnte. Zumindest wirft der leicht schleppende Soundtrack die Schatten des verwirrten Morgens danach voraus. Daß aber doch alles gut ausgegangen sein muß, erahnt man spätestens bei dem wunderbaren, herzzerreißenden, maßlos verehrungswürdigen "Oh my love", einem Duett mit Nicolai Dunger. "Healing force" bildet den elegischen Abschluß, wird größer und größer, ein Orchester kommt hinzu, setzt nochmal eins drauf und noch eins - und dann ist der Schlußakkord rund und gesund zur Welt gekommen. Dabei hätte man so gerne noch ein bißchen länger im Reich der Götter verweilt.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • High drama
  • Never satistfied
  • My gods
  • Oh my love

Tracklist

  1. Once again late at night
  2. High drama
  3. Never satisfied
  4. Someone somewhere
  5. My gods
  6. This spring
  7. In my blood
  8. Hamburg night
  9. Right back at you
  10. True love
  11. Oh my love
  12. Healing force

Gesamtspielzeit: 41:21 min.

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User Beitrag
Sounds like me
2005-12-06 13:32:46 Uhr
das neue album hat mir an anfang auch gar nicht gefallen. die lieder und melodien gehen einem dann aber mit der zeit nicht mehr aus dem kopf. hamburg night und right back at you sind großartig.
shrink
2005-12-05 22:38:12 Uhr
Hab jetzt das Album. Bin auch etwas enttäuscht, aber ich hoffe das ändert sich noch.
Ich finde auch garnicht, dass der Sänger seine Stimme zurückgefahren hat. Viele Lieder enden im Stile von "Demon" vom Vorgänger, nur teilweise unangenehm überfrachtet. Der Refrain und das Ende von "in my blood" sind zum Beispiel der Stimme wegen fast schon unhörbar.
Aber vielleicht muss ich mich auch einfach wieder dran gewöhnen.
Nette Melodien gibts natürlich wieder einige.
shrink
2005-09-22 18:36:02 Uhr
Ich hab mir gerade "high drama" auf der Homepage angehört.
Wenn das wirklich der beste Song sein soll wäre das schade.
Hat zwar ein tolles Finale, aber der Refrain ist irgendwie auf unangenehme Weise etwas penetrant.
smörre
2005-09-10 20:10:23 Uhr
ach, komm: 7 Punkte. Wirklich nur minimal schlechter als der Vorgänger. Irgendwie wirds immer besser - oder ich betrunkener. Oder beides.
smörre
2005-09-10 20:07:10 Uhr
kleine Anmerkung: "durchschnittlich" war vielleicht etwas untertrieben, 6-7 Punkte würde ich doch vergeben. Sind schon einige packende Songs (dieser Akzent! Zu gut!) dabei...
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