Amusement Parks On Fire - Amusement Parks On Fire

Amusement Parks On Fire- Amusement Parks On Fire

Invada / V2 / Rough Trade
VÖ: 30.09.2005

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Tiefenrausch

Als sich die britische Gitarrenrock-Gruppe Six.By Seven kürzlich auflöste, bedeutete das für ihre Heimatstadt Nottingham, daß es dort nur noch drei bekannte Bands gibt: Tindersticks, Savoy Grand und Seachange. Es mag beträchtliche Unterschiede zwischen ihnen geben; was sie aber alle gemein haben, ist die Dunkelheit. Egal, ob man ihr nun mit der moosgrünen Melancholie der Tindersticks, den tödlichen Verzögerungsspielchen von Savoy Grand oder dem verzweifelten Zorn von Seachange begegnet - am Ende steht immer verschränkte, verschlossene Musik, fernab allen Getöses, das sich zurzeit in London oder Newcastle abspielt. Und der Grund dafür könnte tatsächlich die Stadt sein.

Irgendwas muß dran sein an diesem Nottingham, das schneller wächst als jeder andere Ort in England und trotzdem laut eines zweifelhaften UK-Fernsehsenders der zweitschlechteste Platz zum Leben ist, den es überhaupt gibt. Irgendwas muß da sein und es macht vor allem den Musikern zu schaffen. Michael Feerick heißt der nächste, Amusement Parks On Fire seine Band. Ein blutjunger Einzelgänger, knietief im Soundmist, den Blick aber doch immer auf die eigenen Schuhspitzen gerichtet. Er ist wie alle anderen Künstler aus Nottingham. Der Düsternis verfallen, dem Bitteren verpflichtet. Und doch ist auch er wieder ganz anders.

My Bloody Valentine. Der Name muß fallen, wenn man sich über dieses Debütalbum unterhält, das Feerick im Verlauf der letzten fünf Jahre geschrieben und mit zaghafter Hilfe von Savoy Grand und Seachange-Geigerin Johanna Woodnutt aufgenommen hat. Feerick windet sich in aufgeschüttelten Feedback-Kissen und mehrspurigem Gitarrenhall wie kaum jemand seit Kevin Shields. Seine Vocals werden immer wieder verschluckt und begraben von aufbrandenden Noise-Fluten. Und dann ist plötzlich Ruhe. "Wiper", das zentrale Acht-Minuten-Stück der Platte tut seine letzten Schritte auf einem Klavier. Bevor es Feerick schon wieder dahinrafft. Ihn wegreißt und mitreißt.

Erst mit dem Interlude "Asphalt" kommt ein Bruch in die Platte. Vorher war sie laut und dröhnte gefährlich, blieb mit Songs wie dem aufgehellten "Venus in cancer" aber doch auch verblüffend zugänglich. Jetzt malt Woodnutts Violine verwackelte Bilder auf einen Boden aus trostlosen Tatsachen, Feerick quält die Gitarre wieder. Und plötzlich sind wir zehn Jahre weiter und zehntausend Meilen westlich, bei Godspeed You! Black Emperor und Montreal-Post-Rock. Seine Vorbilder bleiben stets sichtbare Silhouetten, ein paar Meter über dieser mächtigen Wall of Sound. Vielleicht ist das der einzige Vorwurf, den man Feerick machen kann. Dann wiederum ist er gerade mal 21 und hat eben erst drei Bandmitglieder rekrutiert, die mit ihm die Zukunft verdunkeln sollen. Die Zeit ist auf seiner Seite. Du auch, wenn Du schlau bist.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Venus in cancer
  • Wiper
  • Asphalt (Interlude)
  • The Ramones book

Tracklist

  1. 23 jewels
  2. Venus in cancer
  3. Eighty eight
  4. Wiper
  5. Venossa
  6. Asphalt (Interlude)
  7. Smokescreen
  8. The Ramones book
  9. Local boy makes god

Gesamtspielzeit: 43:11 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Khanatist
2006-12-14 17:15:36 Uhr
Ich sitze hier wieder mal wie ein ziemlicher Idiot.

Als die 2004 mit Coheed And Cambria auf Tour waren, wäre ich fast zum Konzert gegangen und dachte mir "Naja, wenigstens eine ordentliche Vorband sollte es schon sein." Damals lud ich schon MP3s runter und höre jetzt (!) rein - um natürlich sehr angetan zu sein. Sicher aus semantischen Gründen habe ich die unter "klingt wie Amplifier oder so" abgespeichert und das ist natürlich mehr Appleseed Cast, My Bloody Valentine, Slowdive, Explosions In The Sky, also Musik, die gut ist und einfach ins Herz geht. Dann muss sie für mich auch gar keine songwriterischen (?) Weltrekorde aufstellen. Es funktioniert auch so.
stativision
2005-11-23 00:07:27 Uhr
also, ich fand's ja scheiße. klang wie ne langweilige emocore-band mit ausgedehnten instrumental-gitarren-noise-parts. besonders der sänger war schlecht (und krümmte sich dauernd, als wenn er bauchschmerzen hätte, vielleicht wars deswegen so schlecht ;)
Philbert
2005-11-22 14:59:46 Uhr
Jau Danke! Ich wollte nur wissen, ob es sich denn auch lohnt... Ich bin nämlich nicht so der Deus-Fan; hab aber gehört, dass die apof-konzerte recht gut sein sollen! Kann das jemand bestätigen?
trippair Listender-Vielfalter
2005-11-22 14:53:53 Uhr
@ Philbert

Spielen im Moment als Vorgruppe von dEUS. Siehe dEUS live!
Philbert
2005-11-22 14:51:44 Uhr
War jemand schon auf einem Konzert? Das album finde ich sehr gut!
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