Shout Out Louds - Howl howl gaff gaff

Shout Out Louds- Howl howl gaff gaff

Bud Fox / Capitol / EMI
VÖ: 30.09.2005

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Ohrenbestäubend

Wie, Ihr denkt bei dem Namen "Ronald" immer noch an den McDonald's-Clown in Ringelpullöverchen und dottergelbem Overall? Dann ist es aber wirklich allerhöchste Zeit, daß diese Assoziation zugunsten eines gewissen Ronald Bood aufgegeben wird. Und zwar hurtig! Jener Herr ist nämlich aktuell einer der wichtigsten Produzenten Schwedens. Und scheint auf Debütalben spezialisiert zu sein, die im Ausland zu reüssieren wissen: An Mando Diaos "Bring 'em in" hat Bood erfolgreich Hand angelegt, er hat den Sugarplum-Fairy-Erstling "Young and armed" veredelt, und nun wird der Hattrick komplettiert - mit den Shout Out Louds. Die USA hat das Quintett schon erfolgreich erobert und als kleines Souvenir einen hübschen Deal mit Capitol ergattert. Auch bei David Letterman und Jay Leno war man bereits eingeladen - hinter die amerikanische Definition des Unterhaltungsbranchenritterschlags darf also lässig ein Häkchen gesetzt werden. Und dann wären da noch Konzerte im Vorprogramm der Magic Numbers und der Kings Of Leon, sowie ein höchst begeisterter NME. Natürlich.

Man wechselt ja automatisch in den Skepsis-Modus, wenn das Grün hinter den Newcomerohren vom Vorschußlorbeerkränzchen kommt. Wenn dann auch noch publik wird, daß sich die vier Herren nebst Quotenblondine an einer Kunstakademie kennengelernt haben, quittiert man dies mit einem müden Lächeln; die Abwink-Geste schon in der Warteschlange, direkt hinter dem Befehl "Play-Button-Drücken!". An einer Kunstakademie! So klassisch, so langweilig. Denkt man. Um dann sehr schnell feststellen zu müssen, daß es da draußen eventuell doch ein wenig mehr Einfallsreichtum gibt, als die eigene Vorurteilsfabrik besitzt. Sein Debütalbum mit einem Song namens "The comeback" zu eröffnen, ist jedenfalls ganz schön mutig. Möglicherweise sogar ein bißchen übermütig. Im Fall der Shout Out Louds geht das aber absolut klar - sie tun nicht so, als wären sie groß. Sie sind es einfach.

Sänger Adam Olenius klingt sympathisch zerknautscht, ganz so, als habe sich eine unruhige Nacht zwischen seinen Stimmbändern verkeilt - "I'm kind of tired / Cause you wouldn't let me sleep last night." Der Baß hingegen macht einen äußerst ausgeschlafen Eindruck. Gleich zu Beginn von "Howl howl gaff gaff" wird deutlich, daß die Shout Out Louds einen wertvollen Joker im Ärmel haben: unglaublich gute Melodien. Und dabei soll vor der Bandgründung im Jahr 2001 keines der Bandmitglieder jemals einen Song geschrieben haben. Das ist wohl die schwedische Definition von Naturtalent. "Very loud" beginnt mit galoppierendem Schlagzeug, eine Purzelbäume schlagende Gitarre folgt: "I wanna build buildings high for you / But the costs / My God, the costs / I can't afford you." Wie niedlich. Das alte Lied von der Gefühlseinbahnstraße. Aber wie schön auch! Herrlich aufbrausende Gitarren im Refrain, ein leises Akkordeon im Hintergrund - vermutlich eines der tollsten Lieder, die uns Schweden dieses Jahr geschenkt hat.

"Oh, sweetheart" scheppert motownesk und überrascht mit beschwingten Beach-Boys-Chören, auf "A track and a train" duettiert Adam allerliebst mit Keyboarderin Bebban - und mit einem Glockenspiel. "Here it comes at last / And my heart beats faster than sane / Faster than the train in my mind." Sommerblumenwiesenmusik. Mit dem Gefühl von Bienchen und Blümchen. Wunderbar. Und so geht's auch gleich weiter: "Go sadness" verkündet andächtig den Beginn einer goldenen Zeit, und Olenius klingt dabei wie Mercury Revs Jonathan Donahue. "Please please please" übernimmt die Aufgabe der obligatorischen Fußwippnummer und danach, ja, da schwächeln die Schweden leider ein bißchen. "100°" kann mit einer Mischung aus Kaugummiautomaten-Synthies und einer zu gut gemeinten Portion The Cure nur teilweise überzeugen; der Rest ist nett, aber nicht mehr als das.

Die Hits tummeln sich ganz klar in der ersten Albumhälfte, was trotzdem kein Ärgernis ist. Manche Band wäre froh, in ihrer gesamten Karriere nur ein einziges dermaßen hochkarätiges Liedchen zu schreiben. Und am Ende ist alles gut, eine Flöte zeichnet die Flugbahnen der "Seagull" nach, das Schlagzeug pulsiert, die Akustikgitarre vollführt Loopings. "I spotted the right time / The future is mine", wie recht Adam Olenius da doch hat. Und das darf er auch ruhig ganz laut herausschreien.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Very loud
  • Oh, sweetheart
  • A track and a train
  • Please please please

Tracklist

  1. The comeback
  2. Very loud
  3. Oh, sweetheart
  4. A track and a train
  5. Go sadness
  6. Please please please
  7. 100°
  8. There's nothing
  9. Hurry up let's go
  10. Shut your eyes
  11. Seagull

Gesamtspielzeit: 44:03 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
koe
2012-12-08 17:31:06 Uhr
Schon auch nen schoenes Album. Passt eben zur Jugend.
Fabian
2012-12-08 17:05:52 Uhr
Push ist nach oben!
Interessent
2012-11-24 12:53:57 Uhr
Hat jemand die Vinyl LP und würde sie verkaufen?
Bei Interesse bitte melden via fabian.neef@gmx.de

Liebe Grüße
backe
2012-11-22 19:54:32 Uhr
Zu gut, wiederentdeckt.
simmerl
2009-04-07 14:03:04 Uhr
meine absolute lieblings cd.
von allen cd's.
besonders zum sommer.
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