Petra Jean Phillipson - Notes on love

Petra Jean Phillipson- Notes on love

Grönland / Virgin / EMI
VÖ: 19.09.2005

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Freie Assoziationen

Ein Buch schreiben, auf einem geflügelten Pferd durch die Lüfte schweben, auch mal über Wasser laufen und immerhin einen Tag lang einen Penis haben. Das sind einige der unerfüllbaren Wünsche von Petra Jean Phillipson. Freimütig singt die junge Engländerin zu Beginn ihres Debütalbums von lang gehegten Träumen und gleichzeitig sieht sie deren Unmöglichkeit jedoch auch ein. "I want the impossible" gibt nicht nur einen Einblick ins Innerste der Sängerin, sondern ist so etwas wie Motto und Ziel für alles folgende.

Acht Jahre arbeitete Phillipson an ihrer ersten eigenen Platte. Daß diese also bis ins kleinste Detail durchdacht ist, fällt nicht sofort auf. Ausgangspunkt und Kern fast aller Songs ist eine von der Gitarre begleitete wandlungsfähige Stimme: mal flüsternd, klagend oder schlicht besänftigend. Die sorgfältig und sparsam eingesetzten Hintergründe nimmt man dabei nur unbewußt wahr: Je nach Charakter des einzelnen Songs schimmern diese erst ganz geheimnisvoll oder blitzen dann aggressiv, sind aber immer intensiv und voller Gefühl.

The Free Association heißt die Band, bei der Phillipson ihr Handwerk als Sängerin perfektioniert hat. Auch wenn sie während ihrer ersten Solo-Versuche, die Zusammenarbeit mit den Produzenten von PJ Harvey aufkündigte, ist das Vorbild Polly Jean keineswegs zu überhören. Ohne eine weitere starke Frau ist "Notes on love" allerdings ebenfalls nicht denkbar: Beth Gibbons von Portishead stand Pate, auch wenn deren manchmal selbstzerfleischendes Leiden bei Phillipson auf taube Ohren stieß. Fehlt auf der Männerseite nur noch Gitarrist Simon Tong, ehemals bei The Verve, dieses Debüt tatkräftig unterstützte.

"Notes on love" ist ein ernstes Album mit nur wenigen, scheinbar unbeschwerten Ausnahmen wie "Play play" oder der Nick-Cave-Coverversion "Into my arms". Düstere Melancholie in Erwartung des Untergangs, in "I'm lying" Calexico verwandt, liegt wie Mehltau über allen Songs und am Ende bricht in "Cradle of your smile" das Unwetter tatsächlich aus. Perfekte Dramaturgie und nur inszenierter Weltschmerz? Oder doch authentischer Zweifel an Liebe und Leben? In jedem Fall bemerkenswert. Auch ohne Buch, Pferd und Penis.

(Steffen Krautzig)

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Highlights

  • One day
  • Play play
  • On me Jack

Tracklist

  1. I want the impossible
  2. One day
  3. Independent woman
  4. Billy steaks
  5. Nothing if not writing time
  6. I'm lying
  7. Play play
  8. Into my arms
  9. On me Jack
  10. Wildfire
  11. Cradle of your smile

Gesamtspielzeit: 49:14 min.