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Millionaire - Paradisiac

Millionaire- Paradisiac

Echo / PIAS / Rough Trade
VÖ: 26.09.2005

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Kraftakt

Es gibt eine Menge schöner Wörter, die mit der griechischen Präposition "para" beginnen. Paranoia, Paralyse, Paracetamol. Und natürlich paradisiac. Ist ja auch kein Wunder, daß Tim Vanhamel und seine Millionäre sich vorkommen wie im siebten Himmel, seit Queen Of The Stone Age Josh Homme ihr offiziell größter Fan ist. Erst nahm er die Belgier mit auf Tour, dann gründeten Vanhamel, er und ein zweifelhafter Resozialisierungsfall die Eagles Of Death Metal. Und schließlich hat Homme auch noch das neue Millionaire-Album produziert. Oder sagen wir: Er hat es richtig krachen lassen. Trotz seines paradiesischen Titels klingt der Nachfolger von "Outside of the simian flock" nämlich erstmal nach Wahnvorstellungen, Lähmungserscheinungen und Kopfweh. Paranoia, Paralyse, Paracetamol.

Schon vom Haldern-Festival wurde uns zugetragen, die neuen Millionaire-Songs seien ein ziemliches Getrümmer. Und "Paradisiac" hört sich tatsächlich nach Gitarren an, die irgendwo hängen bleiben, bei spitzen Ellbogen anecken oder fahrlässig durch die Gegend geschleudert werden. Vanhamel gibt dazu den Schizo, schlenkert im Fallen zwischen ordnungsbewußtem Singen und hemmungslosem Gebrüll. Seine Rhythmusgruppe dürfte derweil ziemlich dicke Oberarme mit sich rumschleppen, seit die Platte im Kasten ist. Und doch klingt bei allem teuflischen Spaß am Kaputtmachen letztlich vieles davon verschenkt, weil man nur selten über den Eindruck hinwegkommt, Homme habe sich hier eine Horde aufmüpfiger Mini-Mes herangezüchtet. Schon der ausgedörrte Gitarrensound von "A lust unmatched" sagt da eigentlich alles.

Man möchte diese Platte natürlich verteidigen, weil man ja so prächtig den Arsch voll kriegt von ihr. Man will auf die elektronischen Nebenschauplätze hinweisen, mit denen sich Millionaire wieder ein gutes Stück in Richtung ihrer Landsmänner von Soulwax verschieben. Während "Paradisiac" ähnlich ruppig und kaltblütig wie deren "Any minute now" ist, fehlen ihm allerdings die Feinheiten und Falltüren, um auch dann zu funktionieren, wenn man nicht gerade einen Aggressionsüberschuß abzubauen hat. Am Ende gehen doch alle spitzfindigen Ansätze zwischen Krach und Krack verschüttet. Selbst die gedrosselte "Ballad of pure thought" faßt keine klaren Gedanken, klingt eher nach Küchengeräten und liegengebliebenem Abwasch. Für den Hausputz nicht geeignet. Aber den Putz kriegt man dann doch noch vom Haus gerockt.

Wenn es schon auf die schlaue Tour nicht klappt, kann man Freund und Feind ja auch gleich vergessen. Also steigert sich "Paradisiac" gegen Ende in einen heißblütigen Atari teenage riot rein, der ihm letztlich sogar den Arsch rettet. "Wake up the children" läßt noch kurz an Rage Against The Machine denken, bevor es sich in glorioser Zerstörungswut selbst auseinandernimmt. Und "Face that doesn't fit" prügelt solange auf seinen Hidden Track ein, bis auch noch das letzte bißchen Kontrolle lieber flöten geht. Für Leute, die gern mit Preßlufthämmern tanzen. Und obendrein ein guter Reminder. Bei allen Vergleichen, die sich diese Platte gefallen lassen muß, gilt es nämlich doch eine Sache festzuhalten: In jeder dieser Gegenüberstellungen sind Millionaire der böse Cop.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • I'm on a high
  • Love is a sickness
  • Wake up the children

Tracklist

  1. I'm on a high
  2. A lust unmatched
  3. For a maid
  4. Streetlife cherry
  5. Rise and fall
  6. Alpha male
  7. Love is a sickness
  8. Ballad of pure thought
  9. We don't live there anymore
  10. Wake up the children
  11. Face that doesn't fit

Gesamtspielzeit: 47:49 min.

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User Beitrag

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 23373

Registriert seit 07.06.2013

2017-05-20 15:33:29 Uhr
Was für ein geiles Video.
naur
2009-02-28 20:05:28 Uhr
jap, auf der Homepage stehts.
monguelfino
2009-02-28 20:02:05 Uhr
habe nichts über eine Auflösung der Band gefunden, viel eher dass sie gerade an einem neuem Album arbeiten.
The MACHINA of God
2009-02-28 18:10:52 Uhr
Aufgelöst? Wirklich!?!????
monguelfino
2009-02-28 18:03:20 Uhr
ich fand die auch genial.

Tim solo? Muss ich mal nachforschen...
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