HIM - Dark light

HIM- Dark light

Sire / Warner
VÖ: 23.09.2005

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Weiße Fahne

Okay, Ville, fünf zu vier für Dich. Oder noch besser: Ich gebe mich geschlagen und schwenke die weiße Flagge. Erbarmen! K.O. in der fünften Runde. Vier Rezensionen lang waren wir uns immerhin ebenbürtig, haben wir uns beide nicht unterkriegen lassen. Egal, ob hier, hier, hier oder dort, immer wußtest Du noch weiter. Hast mir Deine schlechten Wortkonstrukte aus "night", "love" und anderem Gedöns entgegengeschleudert, und ich wußte mich mit mindestens genauso schlechten Witzen zu wehren. Der Unterschied zwischen uns beiden: Die Menge an schlechten HIM-Witzen aus dem hiesigen Fundus ist endlich, Deine Hartnäckigkeit scheint unendlich. Du hast einfach den längeren Atem. Auch wenn dieser auf "Dark light" nach allerhand Schalem riecht.

Strengen wir mal eine chemische Analyse an. Das Labor von Plattentests.de war so freundlich und hat zwei Hauptbestandteile in Deinem Mundgeruch gefunden. Da wären zunächst mal der Knoblauch, den Du gekaut hast. Es müssen Massen gewesen sein. Wahrscheinlich mehr, als der Chefkoch eines griechischen Restaurants so pro Jahr in sein Tsatsiki reinhaut. Schließlich mußtest Du ja was tun, ankämpfen gegen das Herz, das ach in Deiner Brust schlägt. Jaja, Du weißt schon, das "Vampire heart", dem Du den Opener des neuen HIM-Albums gewidmet hast. "Scorching the blood in my vampire heart" und so. Es sei Dir verziehen. Der Rest der Fahne, die uns hier entgegenweht, aber schon weniger. Hat Dein Rotweinliferant Urlaub? Mußten es gleich die härteren Sachen sein? Oder wieso klingt alles hier, als hättest Du Dir kistenweise Küstennebel reingedröhnt? Undurchsichtig, nebulös, hochprozentig und vor allem nach jemandem, der nicht mehr Herr seiner Sinne ist.

Dabei zeigte doch die Tendenz mit "Love metal" noch klar nach oben. Hey, dank so Songs wie "Buried alive by love" durften Freund und mußten Feind tatsächlich Weiterentwicklung konstatieren und Respekt zollen. Nach den immergleichen Klischees, die zuvor wiedergekäut worden sind, war die Platte ein Riesenfortschritt. Und jetzt? "Dark light". Prima Titel natürlich. Aber nicht nur der steht irgendwie in Tradition des bislang schwächsten HIM-Albums "Deep shadows and brilliant highlights". Nein, HIM schaffen sogar noch, das Niveau dieses Tiefpunkts ihrer Karriere zu unterbieten. Alles auf "Dark light" ist so unglaublich blutarm, daß man schnell mal beim Roten Kreuz anrufen will, um eine Ladung Konserven zu ordern und eine rettende Infusion vorzunehmen. Aber ist ja klar, wenn das ganze Blut schon in den Texten rausspritzt, kann anderswo nicht mehr so viel sein. "Will you steal the fire from the sacred heart / And bleed the blood of holy." Achtung, Flüssigkeitsverlust! "I play dead / To hide my heart." Oje. Schwester! Defibrillieren!

Zehn Songs sind es, mehr waren wohl nicht drin. Manche davon, wie die okaye Single "Wings of a butterfly" oder "Behind the crimson door", klatschen einfach neue Lyrics über alte Melodiebögen. Wobei es sich ja eigentlich schon verbietet, im Zusammenhang mit HIM-Lyrics von "neu" zu sprechen. Sei's drum. Andere Songs sind nicht nur alter Wein in neuen Schläuchen, sondern Abwasser in undichten Rohren, unterbieten so ziemlich alles, was HIM bislang geschrieben haben. In "The face of God" halluzinieren die Finnen Bilder an die Gitarrenwände, von denen schon der Putz rieselt. Der Titelsong und "Play dead" sind derart ausschlagverursachend pathetisch und langweilig, daß es selbst im HIM-Kontext noch erwähnenswert ist. Und bei "Drunk on shadows" ist Ville Valo wohl so stolz auf sein "Ah!"-Jauchzen nach der ersten Strophenzeile gewesen, daß er den Produzent gleich angewiesen hat, es in doppeltem und dreifachem Echo erschallen zu lassen. Überhaupt, dieses "Drunk on shadows" und sein Titel. Schieben die jetzt alles auf die Schatten, die sie mauseputz verspeist und weggesoffen haben und die ihnen die Sinne benebelt haben? Und wie sieht das in der Polizeikontrolle in Helsinki aus? "Guten Tag, Herr Valo. Führerschein und Fahrzeugpapiere!" - "Bitte sehr, Herr Wachtmeister." - "Haben sie was getrunken?" - "Nur Schatten, den ganzen Abend." Da klicken die Handschellen, und es ist zappenduster. Glückwunsch, Ville. Wie schon gesagt: Du hast gewonnen. Ich gebe auf. Du kannst also aufhören.

(Armin Linder)

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Highlights

  • Wings of a butterfly

Tracklist

  1. Vampire heart
  2. Wings of a butterfly
  3. Under the rose
  4. Killing loneliness
  5. Dark light
  6. Behind the crimson door
  7. The face of God
  8. Drung on shadows
  9. Play dead
  10. In the nightside of Eden

Gesamtspielzeit: 45:19 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
alfred
2006-07-14 20:23:03 Uhr
ich finde nicht, dass sie sich "wiederholen" die ersten drei alben klangen alle im prinzip anderes, nur halt der typische HIM-Sound... die letzten beiden waren nicht so der bringer, weil sie schwache kopien von razorblade romance waren... die eine mehr (dark light) die andere weniger (love metal)... zur 3/10 hab ich nich oben schonmal geäußert. ein witz wenn man bedenkt, dass die schlechteste band deutschlands eine 5/10 bekommen hat und HIM ne 3. ach, scheißt der hund drauf! :-/
Sponge
2006-07-14 17:00:23 Uhr
Es mag ja sein das sie sich ständig wiederholen, aber das rechtfertigt die 3/10 nicht, denn einige Songs sind sehr gelungen im Gegensatz zu manchen schwachen Stücken auf den Vorgängern!
alfred
2006-07-14 15:58:26 Uhr
Deep Shadows & Brilliant Highlights 9/10
Razorblade Romance 7/10
Greatest Love Songs Vol.: 666 7/10
Dark Light 5/10
Love Metal 4/10
Sponge
2006-07-14 15:52:08 Uhr
Meine Wertung der HIM-Alben:

Greatest Lovesongs 666 ?/10 (Noch nicht gehört)
Razorblade Romance 8/10
Deep Shadows... 6/10
Love Metal 5/10
Dark Light 7/10

alfred
2006-07-10 17:46:35 Uhr
ich fand die dark light garnicht so schlecht, da war die love metal schon langweiliger. aus der 3/10 sollten sie jedoch 'ne solide 5 machen. :-/
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