Freakwater - Thinking of you

Freakwater- Thinking of you

Thrill Jockey / Rough Trade
VÖ: 12.09.2005

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Girls of constant sorrow

Wenn Catherine Irwin und Janet Beveridge Bean ihre Stimmen verstricken, verschwimmt die Zeit. Erinnerungsfetzen huschen vorbei. An alte, glorreiche Zeiten. An klapperige Bühnen und aufgedonnerte Damen mit Federboas. Zeiten, in denen Country noch keine Tradition war, auf die man sich hätte beziehen können. Neuland. Harmonien wie sternenklare Nächte, Melodien wie gelbstichige Fotos. Damals nannte man das noch "Old timey". Musik aus der guten, alten Zeit. Bei Freakwater besitzt sie die gleiche Emphase, wie sie die Carter Family vor über fünfzig Jahren schon verströmte . Ein wenig Ehrfurcht sei erlaubt. Denn so wirken auch die Arrangements von "Thinking of you", dem gerade mal siebten Freakwater-Album seit 1989: Meterhohe Räume sind es, lichtdurchflutete Korridore mit reichlich Platz für rustikale Akkorde und gesangliche Ornamente.

Es ist der alte Folk aus den Appalachen, der bei Freakwater so lebendig wirkt, als sei gerade erst irgendein grüner Banjobursche von der Muse geküßt worden. Traditionell bis ins Songmark und doch lebendig wie ein kräftig schlagendes Herz. Und dieses Herz steht bestens im Saft. Was nicht zuletzt an der Verstärkung durch die munter durchwechselnden Herren von Califone liegt, die "Thinking of you" bei aller Heuschoberromantik immer die eine oder andere Unebenheit in den Quilt flicken. Seien es die stotternden Gitarren in "Right brothers", der Begrüßungslärm von "Buckets of oil", das Quieken der Orgel im popowackelnden "So strange" oder die singenden Sägen aus "Jack the knife". So wird offensiver Kitsch zur Waffe gegen die Beliebigkeit.

Überhaupt treiben es Freakwater immer knapp über die Spitze. Der unschuldige Zwiegesang klagt und leidet, daß die Herzen aufgehen. Und piekst dann unverhörens mit scharfen Messern die eigentlichen Botschaften herein. "I felt like a thing that falls / And I crashed like a thing that crashes / I burned up like the kind of thing / That burns down to the ground / And leaves nothing but an empty old box of matches." Selbstverstümmelung und Religionsspott. Drogenbegünstiger Zynismus und unkeusche Gedanken. "Hi ho silver, high on pills / Use your hands and tell me how I feel." Die gleiche Sorte Galgenhumor wie die fröhlich abgefackelten Rosen vom Cover. Nach dem wunderbaren "Begonias" von Caitlin Cary und Thad Cockrell schon wieder so ein dreiste Traditionenkaperung. Und fast zeitgleich schenkt uns auch Ryan Adams mit "Jacksonville city lights" ein reinrassiges Countryalbum. Heiliger Hank, hoffentlich ist da ein Nest.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • So strange
  • Double clutch
  • Upside down
  • Hi ho silver

Tracklist

  1. Right brothers
  2. Cricket versus ant
  3. Buckets of oil
  4. So strange
  5. Loserville
  6. Cathy Ann
  7. Double clutch
  8. Sap
  9. Jack the knife
  10. Jewel
  11. Upside down
  12. Hi ho silver

Gesamtspielzeit: 48:56 min.