Mobius Band - The loving sounds of static

Mobius Band- The loving sounds of static

Ghostly International / Al!ve
VÖ: 12.09.2005

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Grau in Grau

Lange Zeit gab es verdächtig wenig Interessantes über die Mobius Band zu erzählen. Drei Männer sollen das sein, aus einem 1.800-Seelendorf in Massachusetts, das selbst für amerikanische Hinterlandsverhältnisse als besonders langweilig gilt. Sie sehen aus, als hätten sie mal was mit Computern studiert. Und zufälligerweise spielen sie auch in einer Band, die was mit Computern macht. Electro-Rock? Rock mit Elektronik? Schon eine der spannenderen Fragen, die man sich angesichts ihres Debütalbums stellen könnte. "The loving sounds of static", das Schöne am Nichtstun. Irgendwann wurde das sogar der Mobius Band selbst zu blöd.

Nach New York sind sie gezogen, weg von der provinziellen Trostlosigkeit, rein ins blühende Großstadtleben. Nun, zumindest sah es der Plan so vor. Ob Ben Sterling, Peter Sax und Noam Schatz aber tatsächlich eine aufregende Zeit hatten, als sie ihre Songs gemeinsam mit Interpol-Engineer Peter Katis aufzeichneten, wird ihr Geheimnis bleiben. Festzuhalten gibt es nur, daß sie die Langeweile nicht ganz rausgekriegt haben aus ihren zehn Stücken, die fließen, rollen und schlendern, ohne sich wirklich großartig zu bewegen. Die Grundstimmung ist unaufgeregt bis verschlafen. Sterling singt, als könnte er einen Kaffee gebrauchen. Und fast bekommt man gar nicht mit, daß diese drei Männer immerhin ziemlich ausgeschlafene Songwriter sind.

"The loving sounds of static" ist besser als der erste Eindruck. Es ist nur keine Platte der großen Töne, kein Album, das hausieren ginge mit seinen versteckten Qualitäten. Sehr geschickt greifen grimmige Gitarren und versöhnliches PC-Geklonke etwa in "Twilight" ineinander. Ganz schön auf den Arm genommen wird man vom finalen Ausbruch des zentralen "Taxicab". Und weil sie außerdem so etwas wie abseitigen Humor haben, stellen die Mobius-Jungs im sonst eher gleichmütigen "Radio coup" kurzerhand Mick Jagger an die nächste Wand. A bigger bang.

Unter der unspektakulären Oberfläche dieser Band lauert also doch eine Menge mehr, als nur Schlafmützen-Elektronik mit Bandausstattung. Der Titeltrack etwa rudert im Fahrwasser von Broken Social Scenes "Cause = time", "You're wrong" klabautert richtiggehend fetzig, wenn der Ausdruck erlaubt ist. Und doch reicht es nicht für die vollen 45 Minuten, nach "The loving sounds of static" hat das Album eigentlich nichts mehr zu sagen. "Philadelphia" bleibt in der eigenen Schwerfälligkeit stecken, und "Doo wop" spielt das Prinzip der leisen Elektronik auf lauten Gitarren ein weiteres Mal eher routiniert als inspiriert durch. Der Langeweile wird man damit also kaum enteilen. Aber manchmal wünscht man sich ja auch gar nicht mehr, als ein kleines bißchen Eintönigkeit.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Detach
  • Taxicab
  • The loving sounds of static

Tracklist

  1. Detach
  2. Radio coup
  3. Twilight
  4. Close the door
  5. Taxicab
  6. You're wrong
  7. I just turned 18
  8. The loving sounds of static
  9. Philadelphia
  10. Doo wop

Gesamtspielzeit: 43:43 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
smörre
2007-04-09 18:02:01 Uhr
Nostalgie pur. Ich wage es abermals meine Freude über dieses zu unrecht so unbekannte Album zu äußern. Ein guter Begleiter des heutigen Tages.
Uh huh him
2005-09-25 15:26:35 Uhr
wirklich ein schönes Album, das jetzt allerdings erstmal zeigen muss, ob es auch so schön bleibt. ich würde einen Punkt mehr geben als Dän, also 7/10.
Jose-Passillas
2005-08-16 19:51:37 Uhr
Die Band ist mir über Eldoradio schon bekannt. Die Songs, die ich bisher hören konnte sind schon ziemlich gut. Da steckt mehr drin als es auf den ersten Blick scheint würde ich mal sagen...
Armin
2005-08-15 16:16:39 Uhr
artist: MOBIUS BAND
title: The Loving Sounds Of Static
label: Ghostly International
cat. #: GI-53
format: CD/LP
distr.: Rough Trade
VÖ: 06.09.05 - NEUER VÖ!
stil: indirock / inditronic

Seit Veröffentlichung ihrer City vs. Country-EP (März 2005) wird die Mobius Band von Medien wie Pitchfork und Entertainment Weekly begeistert mit Bands wie The Postal Service oder auch Broken Social Scene verglichen, die ihr Songwriting mit elektronischen Elementen verbrämen. Für Mobius Band ist diese Einreihung in eine Elektro-Indieszene aufregend und befremdlich zugleich, da sämtliche Songs ihres Debutalbums, The Loving Sounds of Static, ursprünglich im Keller eines abgeschiedenen Doppelstockhauses am Ende einer langen Schotterstraße in Shutesbury, Massachusetts (1.800 Einwohner) geschrieben wurden. Aber nach drei langen Jahren im tiefsten Kiefernwald hat sich das Elektronikrock-Trio nun zu einem Ortswechsel durchgerungen. Ben Sterling und Peter Sax wechselten nach Brooklyn, „um der Langeweile zu entkommen“ – und dieser Umzug verleiht auch ihrer modernen Hinterwäldlerästhetik einen neuen, selbstbewussten Glanz. Dementsprechend sind auf The Loving Sounds of Static, aufgenommen mit Toningenieur Peter Katis (Interpol), zehn der ernsthaftesten und einprägsamsten Songs jüngster Musikgeschichte versammelt. Ist dies etwa Elektropop, getragen von ausladenden Gitarren und harten Livedrums? Oder Rock mit markanten Elektroniktexturen? So oder so, zwischen skurriler Leichtigkeit (Twilight), einer herausgerockten Mick-Jagger-Todessequenz (Radio Coup) und der treibenden Dringlichkeit des Titeltracks versteckt sich ein rares Kleinod, das Genres und Ideen in gegenseitiger Befruchtung zu einem nahtlosen, neuen Konstrukt verwebt.
smörre
2005-07-26 16:48:18 Uhr
Nachdem die "City vs. Country"-EP ja schon mal super war, legt die Band aus Massachusetts noch einen nach: das Album kommt hierzulande Mitte September.

Wirklich schönes Album, sehr entspannter Indie-Rock mit einem dezenten Elektronik-Einschlag. Teilweise wunderbar poppig, andererseits niemals seicht.

Erinnert ein wenig an Kashmir, Postal Service, Maritime.

Hier der Link: Mobius Band

Eine Entdeckung, die sicherlich ein paar andere auch noch machen werden. Gibt von mir knappe 8 Punkte.
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