Institute - Distort yourself

Institute- Distort yourself

Interscope / Universal
VÖ: 19.09.2005

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die große Koalition

Was hat man sich nicht über Gavin Rossdale das Maul zerreißen dürfen. Statt seiner Gitarre kümmere er sich verstärkt um die blonden Strähnen. Ohne Schraddelglatze Nigel Pulsford sei seine Ex-Band Bush ohnehin kreativ am Ende gewesen. Und kaum war die Langzeitromanze mit Hüpfdohle Gwen Stefani endlich unter ehelichem Dach, mußte der Schönling ein uneheliches Kind zugeben. Da freut sich die Gazette, da lacht das Lästermaul.

Zwar stellte Gattin Stefani auf "Love.Angel.Music.Baby" mit offensiv übler, aber ebenso offensiv erfolgreicher Popgrütze den Lebensunterhalt des Paares bereits sicher, aber Rossdale will auch weiterhin mit Musik von sich reden machen. Zwischendurch hatte er ja schon ein elektronisch durchwirktes Hymnchen namens "Adrenaline" abgesondert, das kaum fischig noch fleischig an unentschlossene Beatprobierereien aus "The science of things" anknüpfte. Da wirkte es wie ein munterer Widerspruch, daß er sich für sein neues Bandprojekt Institute ausgerechnet Helmets Noisemeister Page Hamilton für die Produktion anlachte. Wie jetzt? Härter? Elektronischer? Oder doch poppiger?

Die überraschend pointiert bollernde Single klärt erst mal wenig, außer dem immer noch beeindruckenden Melodiehändchen Rossdales. Wie hört sich das nun im Einzelnen an? Die Riffs lärmen trocken und stur. Das subtile Elektrogewirk, das der renommierte Schaltkreisverhedderer Photek hineinbastelte, blinzelt in Richtung Moderne. Und über all dem zeigt sich Rossdale wieder als Kämpfer für den Wohlklang. Ein Schritt in alle drei möglichen Richtungen also. Fast wie bei der jüngsten Bundestagswahl: Jeder ist Sieger. Ein bißchen jedenfalls.

Doch allem Rufen von Unken und anderen verrückten Fröschen zum Trotz ist genau diese Nichtfestgelegtheit eine unerwartete Stärke von "Distort yourself": Vieles geht. Das Album ist zunächst eine echte Kante. Das Ziehen und Zerren an den Saiten von Rossdale und Chris Traynor (Helmet, Ex-Bush, Ex-Orange-9mm) wirkt bei aller Präzision bis zur Sterilität abgenagt. Cache Tolmans (Ex-Civ, Ex-Rival-Schools) Baß knurrt wie in dem am Geduldsfaden zündelnden "When animals attack" ziemlich ungehalten los. Und immer wieder treten sich breitgestiger Popappeal und skelletierter Lärmanspruch gegenseitig auf die Füße. Es rockt bisweilen ruppiger, als man es Bush zugetraut hätte, aber nie ohne die Hintertürchen in Richtung Eingängigkeit. "Come on over" bellt und bröckelt in der Strophe, und im Refrain flirtet Rossdale mit offenherzigen Akkorden.

Daß Institute eine echte Band und kein aufgesetztes Soloprojekt sein soll, will Rossdale festgehalten wissen. Ob die Scharfkantigkeit von "Distort yourself" dem Drängen von Traynor, Tolman und Knüppelfachmann Charlie Walker (Ex-Chamberlain) entwachsen, der Fummelei Hamiltons zuzuschreiben oder eben doch auf Rossdales eigenem Mist gewachsen ist, tut eher wenig zur Sache. Denn die braucht sich nicht um Verantwortlichkeiten zu kümmern, solange es nur ordentlich wummst. Getragen von eben diesem Wumms bekommt Rossdale eine ganze Handvoll knackiger Songs hin. Die paar immerhin okayen Sanftheiten gegen Ende - bei "Ambulances" trällert sogar die Gattin mit - nimmt man dann auch noch mit. Auch das ist nämlich mehr, als mit "Golden state" das letzte Lebenszeichen von Bush zu sagen hatte. Der Marsch durch die Institutionen lohnt sich wieder.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Bullet-proof skin
  • When animals attack
  • Wasteland
  • Boom box

Tracklist

  1. Bullet-proof skin
  2. When animals attack
  3. Come on over
  4. Information age
  5. Wasteland
  6. Boom box
  7. Seventh wave
  8. The heat of your love
  9. Ambulances
  10. Secrets and lies
  11. Mountains
  12. Save the robots
  13. The buzz of my system

Gesamtspielzeit: 55:27 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
wern
2015-08-04 00:35:17 Uhr
gibz die noch?
Klingsor
2005-12-15 21:44:26 Uhr
Mountains, Bullet Proof Skin, The Heat of your Love und Save the Robots gefallen mir recht gut. Meiner Meinung nach ein Album, das immer ein Stück besser gefällt, je mehr man reinhört.
Strombuli
2005-12-01 20:38:26 Uhr
'mountains' ist absolut ein Brett
Steve
2005-12-01 10:18:36 Uhr
Das Album gefällt mir wirklich sehr gut. Leider scheint es bislang nicht sehr erfolgreich zu sein. Die Single hört man so gut wie nie. Ich hoffe sie werden noch erfolgreicher und kommen auf Tour. Weiss jemand etwas Genaueres?
jo
2005-09-29 18:22:41 Uhr
Ja, das geht mir auch so. Nach den letzten, schwachen "Bush"-Alben hätte ich Rossdale erst recht nicht mehr sehr viel zugetraut. Von daher war/bin ich recht froh, was nun dabei 'rausgekommen ist.
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