Emmerhoff & The Melancholy Babies - Electric reverie

Emmerhoff & The Melancholy Babies- Electric reverie

DevilDuck / Soulfood
VÖ: 29.08.2005

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Polarstrom

Im norwegischen Bergen kommt seit einigen Jahren immer wieder überaus interessante Musik zur Welt. Emmerhoff & The Melancholy Babies, denen man schon den eisigen Charme eines arktischen Nick Cave nachsagte, wurden dabei hierzulande eher überhört. Dabei war "Misty trails", die im letzten Jahr erschienene Kopplung unruhiger Folkrocksongs und halbdunklem Sentiment, mitunter durchaus spannend anzuhören.

Wo damals allerdings gelegentliche Beliebigkeit den Genuß noch etwas schmälerte, haben Gunnar Emmerhoff und seine Kollegen die Dynamik neu entdeckt. "Electric reverie" ist in der Tat elektrisch. Die zehn Songs reiten auf Wellen aus Wechselstrom. Schon der Opener "Meltdown" bringt einige Röhrenverstärker bedenklich nahe an den Schmelzpunkt. Doch unter der psychedelischen Wucht lauert noch immer die erdige Mischung aus Folk, Country und Rock.

Emmerhoff wirft sich nicht nur für "Sticks & stones" in ein beherztes Knödeln, und das Banjo knistert zärtlich dazu. "Black mark" verbreitet dank Schunkelbeat und Glockenspiel flockiges Retroambiente, und "Into the black, towards the within" franst seinem Titel gemäß spacig aus. Überhaupt scheint die Band an wahrnehmungsbeeinflussenden Kräutern genascht zu haben. Songs wie das vollbärtige "Juggernaut" oder die verhallte Jamsession "Major/minor" atmen die Atmosphäre von Lavalampen und Flokatiteppichen.

Der zartbittere Höhepunkt aber ist ausgerechnet eine Coverversion. Daß sich eine Folkrockband an Portisheads "Cowboys" vergreift, ist zwar nicht unbedingt naheliegend. Aber umso wirkungsvoller. Nervenaufreibende Gitarren und neblige Akkorde, schepprige Leidenschaft. Es sind solche Momente, in denen sich das gemessen an den Vorgängern überraschend rockige "Electric reverie" deutlich von alten Muster emanzipiert. Die neuen Tapeten leuchten schwarz.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Sticks & stones
  • Black mark
  • Cowboys

Tracklist

  1. Meltdown
  2. Sticks & stones
  3. Afterglow
  4. Black mark
  5. Cowboys
  6. Into the black, towards the within
  7. New silence
  8. Juggernaut
  9. Major/minor
  10. In reverie

Gesamtspielzeit: 50:00 min.

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User Beitrag
cut your hair
2005-11-20 13:14:33 Uhr
Bin am überlegen ob ich mir Electroc Reverie zulege. Misty Trails hat mir trotz einiger Längen ziemlich gut gefallen.
fakeboy
2005-10-04 20:23:36 Uhr
the national find ich eine der am wenigsten passenden referenzen... aber das album hat schon seine qualitäten. läuft für mich am ehesten auf der tsool-schiene.
black path
2005-09-19 02:06:40 Uhr
Hab mir das Album eben bei Amazon bestellt (natürlich über das Suchfeld unten links). Klingt alles sehr interessant (Rezi, Hörproben, u.a. The National bei den Referenzen), ich hoffe, es hält, was es verspricht.
Seiltänzer
2005-09-19 01:18:03 Uhr
Rezension und Hörproben klingen sehr spannend. Ein bißchen Folk, Electro und dann zur Krönung noch Nick Cave und die Skandinavier als Referenzen. Das ganze klingt auch um einiges frischer als Ricochets und der letzte Madrugada Output. Steht ganz vorne auf dem morgigen Einkaufszettel. :)
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