Cold - 13 ways to bleed on stage

Cold- 13 ways to bleed on stage

Flip / Geffen
VÖ: 30.10.2000

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Dreizehn goldene Mittelwege

Mächtig. Sehr mächtig. Dieses Atrribut attestiere ich der neuen Cold-Platte schon nach einmaligem Durchhören. Mit ihrem zweiten Longplayer auf Flip, dem Label von Fred Durst (der die Band einst entdeckt und nun auch bei der Produktion mitgewirkt hat), legen die Kalifornier ein Monster von einem Album vor. "13 ways to bleed on stage" bietet genügend musikalische Substanz, um auch nach dem zwanzigsten Durchlauf noch zu fesseln. Bereits der straighte Opener "Just got wicked" überwältigt den Hörer mit energischen Gitarrenriffs und lädt ihn auf eine Reise durch die seelische Achterbahn ein, die von der Reiseleitung - Sänger Scooter (sic!) und seiner Band - tongewaltig unterlegt wird. Beim Versuch einer musikalischen Einordnung des Quintetts klemmt sowohl die Grunge- als auch die New Metal-Schublade, da Cold die verschiedensten Stilelemente in ihrem Sound einbringen. Ob Metallica-Riffs, Neo-Grunge oder Hardcore-Anleihen - Cold schaffen das Kunststück, daraus Songs zu formen, die Power und Melodie geschickt vereinen und sich daraus eine schillernde wall of sound zu spinnen. Anstatt mit dem Dampfhammer durchweg volles Brett zu fahren, wählen Cold den goldenen Mittelweg und bringen ihre Songs ins richtige Lot zwischen rotzigen Gitarrenlärm und poppiger Melodik.

Im Vergleich zum schwerverdaulichen Debüt haben Cold mit "13 ways to bleed on stage" einen großen Schritt nach vorne gemacht. Frontman Scooter setzt sein Organ gemäßigter ein, und die eingestreuten Keyboard- und Computer-Effekte sorgen für Abwechlsung in den komplizierten Songstrukturen. Das Faszinierende an Cold ist hierbei, daß sie nach zwanzig verschiedenen Bands klingen und dennoch ein eigenes Profil erkennen lassen. Hier wird nichts kopiert, sondern aus Altbekanntem etwas Neues geschaffen. Während andere Combos aus der selben Sparte auf einer Albumlänge ihr musikalisches Konzept rücksichtslos durchziehen, überraschen Cold immer wieder. "She said" beginnt beispielsweise mit einer getragenen Pianomelodie, um nach der Hälfte der Spielzeit in ein ungestümes Crossover-Monster zu mutieren. "Send in the clowns" faucht so böse, wie Korn immer sein wollten, während die Akustik-Ballade "Bleed" mit der Unterstützung von Staind-Frontmann Aaron Lewis an den Vocals auch auf die nächste Kuschelrock-CD passen würde. Wenn das Ergebnis eines breiten musikalischen Spektrums so überzeugend und homogen klingt wie bei dem kalifornischen Quintett, ist das mehr als erstaunlich und verdient Respekt.

Besondere Aufmerksamkeit gebührt auch den depressiven Texten, die Scooters Seele schonunglos offen legen. Die musikalische Untermalung schafft es dabei problemlos, die düstere Stimmung der Lyrics aufzufangen und authentisch in die Welt hinauszutragen. Musik als Therapie für das geschundene Innenleben - das Rezept ist altbekannt, bei Cold findet sie eine neue, indivuelle und nicht zuletzt hörbare Form(el). Da fallen auch die ausnahmsweise etwas konstruiert wirkenden Tracks "Same drug" und "Sick of man" nicht sehr ins Gewicht, und wenn die Welt gerecht wäre, müßten Cold mit dieser Platte die Tür zum Rockhimmel ein großes Stück weit aufgestoßen haben. Allerdings nicht mit blinder Gewalt, sondern mit Herz, Köpfchen und erdigen Songs, die das Prädikat "kunstvoll" auch wirklich verdienen.

(Christof Nikolai)

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Highlights

  • Just got wicked
  • She said
  • It\'s all good

Tracklist

  1. Just got wicked
  2. She said
  3. No one
  4. End of the world
  5. Confession
  6. It's all good
  7. Send in the clowns
  8. Same drug
  9. Anti-Love song
  10. Witch
  11. Sick of man
  12. Outerspace
  13. Bleed

Gesamtspielzeit: 48:32 min.

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