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The Rolling Stones - A bigger bang

The Rolling Stones- A bigger bang

Virgin / EMI
VÖ: 05.09.2005

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Und rollen und rollen und rollen ...

Es soll ja auch in diesen Zeiten noch Leute geben, die seit vierzig Jahren der gleichen Beschäftigung nachgehen. Sie kommen jeden Tag ins Büro, und erst wenn sie pensioniert werden (oder gleich am Schreibtisch entschlafen), stellen die jüngeren Kollegen fest, daß es sich bei ihnen um Menschen und nicht etwa um Einrichtungsgegenstände gehandelt hat. Die Rolling Stones sind jetzt offiziell seit 43 Jahren eine Band und haben nun ihr 25. Studioalbum veröffentlicht - immerhin das erste seit acht Jahren. Das neue Material wurde dabei streng geheim gehalten, damit die Frage, wie es denn nun klinge, wenigstens fast so oft gestellt wird wie "Ach, die leben noch?" und "Braucht so ein Album eigentlich jemand?"

Letztere Frage ist leicht zu beantworten: Natürlich brauchen etliche Männer, die wir mal wohlwollend als "noch in den besten Jahren" bezeichnen wollen, dieses Album. Um noch mal das ergraute oder abgeglatze Haupt zu schütteln, um das Autoradio ganz laut aufzudrehen und um sich nochmal wenigstens ein bißchen jung zu fühlen. Aber auch die Band braucht dieses Album - um die zwölfte "definitive Abschiedstour" in Folge zu begründen. Denn zwischen "Satisfaction", "Brown sugar" und "Under my thumb" wollen einige neue Songs eingestreut sein, deren Modernität man aber allenfalls am Datum auf der CD-Hülle ablesen kann.

Denn - wen wundert's? - die Stones 2005 klingen so wie eh und je, von der peinlichen "Tattoo you"-Phase mal ab. Charlie Watts klopft saubere Beats, Keith Richards rifft sich einen ab, und Mick Jagger singt dazu. Und natürlich ist auch Ron Wood nach wie vor in der Band. Selbst wenn man ihn immer mal wieder vergißt, weil seine Slidefingereien auf Jaggers Order eher in den Hintergrund gemischt wurden. Die erste Single "Streets of love" ist eher ruhig ausgefallen und besticht vor allem durch einen leicht schrägen Chor. Ansonsten ist der Song (wie überhaupt das ganze Album) grundsolide und ganz klar Rolling Stones - was einen wieder unweigerlich zu der Frage bringt, ob es mittlerweile nicht genug Songs dieser Baureihe gibt.

Die erste kleine Überraschung kommt mit dem Intro zu "Rain fall down", das mit seiner tight stampfender Bassdrum und dem funkenden Baß irgendwie auffällt. "Back of my hand" greift noch mal großzügigst auf die Blues-Wurzeln der Band zurück, während "Biggest mistake" gleich "Anybody seen my baby again" heißen könnte. Keef darf natürlich auch wieder einen Track ... nun ja: singen. Diesmal die Folk-Ballade "This place is empty". Und wer hätte gedacht, daß ausgerechnet dieser Track so sehr unpeinlich und anrührend geraten würde? Dann ist da natürlich noch das stampfende, im Vorfeld bereits heiß diskutierte "Sweet neo con", das mit der US-Regierung abrechnen soll. Hier sammelt die Band dann Fleißpunkte für ihre Bemühungen, einen solchen "Protestsong" in Millionen Haushalte zu liefern. Ansonsten geht der Song zum rechten Ohr rein und ebendort wieder raus.

Irgendwann - nach 16 Liedern viel zu spät - ist das ganze Album dann schließlich vorbei. Man ist sich sicher, ein Rolling-Stones-Album gehört zu haben. Die Rock-Journalisten können es der Band gleich tun und ebenfalls das gleich machen wie immer: die eingespielten Musiker loben, das Fehlen neuer Ideen kritisieren und fragen, wer so ein Album überhaupt noch braucht. So ist das eben, wenn die Rolling Stones ein neues Album veröffentlichen. Oder in China ein Sack Reis umfällt.

(Lukas Heinser)

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Highlights

  • Rain fall down
  • This place is empty

Tracklist

  1. Rough justice
  2. Let me down slow
  3. It won’t take long
  4. Rain fall down
  5. Streets of love
  6. Back of my hand
  7. She saw me coming
  8. Biggest mistake
  9. This place is empty
  10. Oh no, not you again
  11. Dangerous beauty
  12. Laugh, I nearly died
  13. Sweet Neo Con
  14. Look what the cat dragged in
  15. Driving too fast
  16. Infamy

Gesamtspielzeit: 64:12 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
ferlio
27.05.2006 - 10:48 Uhr

Die Stones sind mittlerweile ein bedauernswerter alter Haufen geworden.
Guitar Joe
27.05.2006 - 11:10 Uhr
Ich find die Scheibe äusserst gelungen und verstehe nicht, warum sie überall so zerrissen wird.
balu
28.05.2006 - 23:43 Uhr
@Henry 37

Sowas geben meist (ältere) Leute wie du von sich, die nicht mehr die Zeit und die Kraft haben sich mit aktueller Musik zu beschäftigen, die jenseits von Radio swr3, Viva und MTV existiert.
Loam Galligulla
29.05.2006 - 01:12 Uhr
Die Stones wegen ihres Rentenalters kaltmachen und im gleichen Moment sicherlich zu Cash's "American Records" abflennen. Haben wir gern. Tze.
Tama
22.07.2011 - 15:34 Uhr
abgesehen von der ganzen gequirlten scheisse, die in diesem thread zu lesen ist, habe ich in den letzten tagen bekanntschaft mit diesem album gemacht und ich bin überrascht - ein sehr schönes rockalbum!
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