Nadine - Lit up from the inside

Nadine- Lit up from the inside

Glitterhouse
VÖ: 16.10.2000

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Streichholzromantik

Erinnert sich eigentlich noch jemand an Soul Asylum? Sieben Jahre ist es jetzt her, daß uns die warme Heiserkeit von Dave Pirner ein Ticket für den "Runaway train" schenkte. Mit Whiskeyflasche und Flanellhemd bewaffnet wurden die gegen Americana eigentlich resistenten deutschen Charts geknackt. Dem Album "Grave dancers union" gelang sogar das Wunder, mit beseeltem Countryrock in die Top Ten vorzustoßen. Das Unwort Country wagte sich damals natürlich niemand laut auszusprechen. Lieber steckte man die Band wegen der munter krachenden Verstärker in die Grunge-Schublade. Über Pirner und seine Mannen fiel allerdings nach einigen schwachen Alben bald wieder der Mantel des Schweigens.

Am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts scheint die Situation aber eine ganz andere zu sein. Die ureigene amerikanische Volksmusik bereitet sich auf ein Dasein als Dauergast in den Hitparaden vor. Shania Twain und LeAnn Rimes sind mit in Nashville geprüften Röhren ausgestattet, verdanken den Chartserfolg ihrer Werke allerdings wohl eher dem Britney-Boom. "That don't impress me much" - Nadine, die neue Pophoffnung des Alternative Country ohne Scheu vor moderner Technik, werden sich etwas in dieser Art gedacht haben, lassen sie sich doch zu keiner Zeit von solchen Pop-Platitüden beirren. Da steht dem um die Hazeldine-Bassistin Ann Tkach verstärkten Vierer aus St. Louis ein gewisser alter Herr mit riesigen Koteletten namens Neil Young doch deutlich näher. Was ihnen an oberflächlichem Glamour zu fehlen scheint, machen sie durch aufrichtige Gefühle doppelt wett. "I am the lucky one" weint Adam Reichman geradezu und schon will man sich einfach nur noch irgendwo anlehnen. Seine sanfte Poesie ersetzt eine ganze Wagenladung von Heizdecken und Wollsocken. Gäbe es den Herbst nicht, müßte man ihn für Songs wie "Streets" oder "Every one-sided story" erfinden.

Die Sprache von "Lit up from the inside" ist die Sehnsucht. Scheu öffnet Reichman seine Seele und erzählt Geschichten von allerlei kleinen und großen Mysterien. "Dreams were the only thing that I got." Genau solche Träume hat man bisher vermißt, ohne zu wissen, was genau eigentlich fehlt. "Angela is taking on the desert tonight / Smoking cigarettes and drinking moonlight" heißt es im bezaubernsten Song der Platte. Hier ist die Gelacktheit von Nashville unendlich weit. Die Tränen tragen Holzfällerhemden und seufzen puren Pop. "It's a short way from delusion to the bitter end". Ein Album voller "Runaway trains" und verpaßten Chancen. Am Horizont fahren sie ganz langsam der untergehenden Sonne entgegen. Während sich draußen die Nacht senkt, kuschelt man sich an die Songs an. Dieses Album wärmt von innen.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Angela
  • Still be there

Tracklist

  1. Without a reply
  2. Losing track
  3. End of the night
  4. When I was a boy
  5. Streets
  6. Hope like the rain
  7. Lead the way
  8. Angela
  9. Just couldn't lie
  10. Still be there
  11. Every one-sided story
  12. Four years ago

Gesamtspielzeit: 41:36 min.

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