Fireside - Elite

Fireside- Elite

Startracks / Stickman / Indigo
VÖ: 30.10.2000

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Ecken im Kreisverkehr

"Elevator action", "Thing on a spring", "Elite", "The last V8"? Irgendwie werden beim Betrachten der Tracklist dieses Albums Erinnerungen an selige 8-Bit-Computerspiele auf dem Commodore 64 wach. Sollten die Schweden von Fireside uns nach diversen Ausflügen ins Land der hart verdienten Tränen nun etwa mit trashigen Piepsern aus dem Chip beglücken? Mißtrauisch wird die merkwürdig runde 5"-Diskette ins Laufwerk geschoben. Die ersten Töne verwirren. Französische Sprachfetzen werden hin und her gespult, bis wehmütige Klänge aus den Boxen dringen. Was haben die sanft gestreichelten Saitentöne mit dem 64er zu tun? Nichts eigentlich. Bloße Nostalgie hat sich hier lediglich einen Scherz erlaubt. Wäre die Musik nicht so voller Melancholie, würde man laut loslachen. Damit jedoch täte man diesem musikalischem Kleinod Unrecht.

Es braucht ein wenig Zeit, bis man sich genügend zurückgelehnt hat, um den zunächst samtweichen Klängen der vier Schweden zu lauschen. Ehe man es versieht, schleichen sich unaufgeregte Träume vor das geistige Auge. Die Gitarren spielen miteinander Doppelpaß, bis die wachsende Leidenschaft unter der Last der Melodien fast zerbricht. Plötzlich steigen sanftmütige Noten empor, drehen ihre Runden und beobachten das Geschehen. Schicht um Schicht türmen sich unter ihnen musikalische Ebenen übereinander und spielen Verstecken. Was scheinbar zuckersüß beginnt, wird letztlich ein herzergreifendes Crescendo in zartbitter. Wer hier den Mund öffnet, um Kitsch zu sagen, wird in der Flut der Gefühle ertrinken, die nur hinter den Ecken und Kanten der Melodien gewartet haben.

Schüchterne Computerbeats finden einen gleichberechtigten Platz neben Flügelhorn, Mandoline, Akkordeon und Bouzouki. Nebenan werden derbe Rotzgitarren hervorgepopelt und machen sich auf die Suche nach dem nächsten Arschtritt. Langsam holen sie aus und werden plötzlich von schierer Spielfreude doch wieder einfach umarmt. Quietschende Plastikorgeln säuseln nur solange, bis ein angesäuertes Schlagzeug Rabatz schlägt. Verzerrte Stimmen wünschen "Hals und Beinbruch" und grüßen freundlich nach Athens, Georgia, wo Michael Stipe nur darauf wartet, vor der nächsten Band Angst zu haben. Postrock? Na klar.

Das fünfte Album des Vierers, der bereits den schwedischen Grammy als beste Rockband und einen Plattenvertrag bei Rick Rubins American Recordings einheimsen konnte, wartet immer wieder mit Überraschungen auf. Sperrige Konstruktionen liegen zunächst quer zu allen Hörgewohnheiten. Nach einigen Serpentinen im Gehörgang setzen sich die Melodien aber fest und werfen genüßlich ihre Widerhaken aus. Eine Platte wie eine übermütige Karusselfahrt. Wenn einem nicht schwindelig wird, bemerkt man nach einigen Umdrehungen, daß "Elite" eine wirklich runde Sache ist.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Thing on a spring
  • Hals und Beinbruch
  • Elite
  • The last V8

Tracklist

  1. Elevator action
  2. Fernandez must die
  3. Thing on a spring
  4. Hals und Beinbruch
  5. Desolator
  6. Elite
  7. The last V8
  8. Cisco heat
  9. Take a down

Gesamtspielzeit: 58:07 min.

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