New Model Army - Carnival

New Model Army- Carnival

Attack Attack / Rough Trade
VÖ: 05.09.2005

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Geläutert

Es ist fünf Jahre her, daß New Model Army zuletzt mit neuen Songs von sich hören ließen. Seit dem durchwachsenen "Eight" ist manches passiert, sowohl privat als auch politisch. Justin Sullivan veröffentlichte sein angenehm unspektakuläres Soloalbum "Navigating by the stars", und sein langjähriger Weggefährte Rob Heaton erlag seinem Bauchspeicheldrüsenkrebs. Währenddessen entwickelte sich die Weltpolitik, zerrissen zwischen globalisiertem Terror und Gegenterror, nicht wirklich zum Besseren. Grund genug für Sullivan, zum fünfundzwanzigsten Jubiläum seiner Band wieder mal mit den Zuständen zu hadern.

Doch so sozialdemokratisch das Engagement von New Model Army auch manchmal wirken mag, so unwiderstehlich ist in den besten Momenten dieses unterschwellige Grollen, das längst Markenzeichen der Band wurde. Und im Gegensatz zur SPD befinden sich die Briten endlich wieder im Aufschwung. "Carnival" ist kein halbherziger Mummenschanz. Schon der Opener "Water" beschwört die Vergänglichkeit des Daseins, um zu einem köchelnden Strudel heranzuschwellen. Und in "BD3" wird im Rückspiegel die Straße zur Geisterbahn. Das Herz schlägt schneller.

Statt sich in manierlichem Midtempo und realitätsentfremdeten Träumen zu verlieren, entdeckt Sullivan wieder den Sturm und Drang, um seine metaphernreichen Manifeste in Richtung Ziel zu steuern. Es sind kritische Betrachtungen der Romantik. Skizzen einer unheilen Welt. Episoden vom anderen Ende der Straße und von der anderen Seite des Globus. "Praying on a Sunday, dressed up in our finest / Any god is welcome, any god that will come / To give back what was taken, take back what was given."

Es ist ein gerechter Zorn, der das niedergebrannte Feuer entzündet und die Resignation im hypnotischen Rhythmus verglühen läßt. Der Veitstanz um das Lagerfeuer und das weltvergessene Schlendern mit geschlossenen Augen werden wieder eins. Trotzdem: An himmelstürmende Klassiker wie "Thunder & consolation" kommt auch das neunte Studioalbum nicht heran. Doch einiger Beliebigkeiten zum Trotz ist dieses beste New-Model-Army-Werk seit "The love of hopeless causes" mehr wert als nur ein solidarisches Händerecken. Denn Sullivans Idealismus erdet sich in der Realität. Auf dem Boden der Tatsachen wird für zuviel Leidenschaft bezahlt. Mit Blut, Schweiß und Tränen. Die Welt ist ungerecht. And still this childhood romance will not die.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • BD3
  • Carlisle Road
  • Too close to the sun
  • Island

Tracklist

  1. Water
  2. BD3
  3. Prayer flags
  4. Carlisle Road
  5. Red Earth
  6. Too close to the sun
  7. Bluebeat
  8. Another imperial day
  9. LS43
  10. Island
  11. Fireworks night

Gesamtspielzeit: 49:35 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Watchful_Eye
2006-11-28 17:47:48 Uhr
Hm komisch, ich kenne zwar nur das Album von ihnen, aber finde das eigentlich recht gut..

Water, Too Close To The Sun, Another Imperial Day und vor allem Read Earth sind doch feine Songs.. also die 6 ist auf keinen Fall zu hoch gegriffen, vlt wär auch ne 7 angebracht.
NicNac
2006-11-28 16:12:30 Uhr
Als langjähriger NMA-Fan war man ja in den letzten Jahren nicht unbedingt verwöhnt worden. Die vergleichweise guten Kritiken zum Album Carnival sind aber selbst mir als Fan nicht mehr nachvollziehbar. Das Album stellt für mich den absoluten Tiefpunkt eines langen Abstiegs dar. Man scheint bemüht hinter - zugegebenermaßen nach wie vor guten - Texten möglichst komplexe Songstrukturen zu hängen. Das Ergebnis ist leider allzu schräg. Ich habe mich jetzt 4-mal durch das Album gequält (!) und finde es nach wie vor mies.
Armin
2006-03-10 23:49:24 Uhr
NEW MODEL ARMY
04.05.2006 Osnabrück - Hyde Park

06.05.2006 Hamm - Maximilianpark (Band direkt)

14.05.2006 Rostock - Mau Club

26.07.2006 Aschaffenburg - Colos Saal

28.07.2006 Karlsruhe - Das Fest

05.08.2006 Trebur - Open Air-
Armin
2005-12-08 12:54:54 Uhr

Nach dem die englischen New Wave-Pioniere Killing Joke ihre
Europa-Tour abgesagt haben, sind WALTARI gern eingesprungen, am 10.12.
werden sie kurzfristig NEW MODEL ARMY in Köln im Palladium supporten.
Magnetfisch
2005-09-05 11:22:06 Uhr
@ Sassenmann:
Justins Solo-Scheibe "Navigating by the stars" gefällt mir ganz gut (besonders "Twilight Home"), und NMA's "Strange Brotherhood" ist auch ne tolle Sache ("Wonderfull Way to Go", "Gigabyte War").

PS: NMA bedeuten mir besonders viel, weil wir anlässlich des '98 Konzertes in Bern beschlossen, ne neue Band zu gründen.
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