Fatboy Slim - Halfway between the gutter and the stars

Fatboy Slim- Halfway between the gutter and the stars

Skint / Sony
VÖ: 06.11.2000

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Am Anfang war das Sample

Der Mann hat viele Namen. Und die meisten davon belagern die Charts. Norman Cook, ehemals Bassist der Housemartins, entdeckte Ende der Achtziger seine Leidenschaft für locker-flockige Beats, die in die Beine gehen und nicht wieder hinaus wollen. Wenn man sich anschaut, mit wie vielen seiner Projekte er dabei die Pole Position diverser Hitlisten geknackt hat, könnte man meinen, er habe das Handbuch "How to have a number one the easy way", das die Dancefloor-Anarchisten von The KLF einst verfaßten, intravenös verabreicht bekommen. Pizzaman, Freakpower, Mighty Dub Katz, Beats International - die Reihe ließe sich fast beliebig fortsetzen.

Unter dem Pseudonym Fatboy Slim hat sich Cook einmal mehr der tanzbaren Leichenfledderei verschrieben. Der Ansatz, dreckige Beats und flockige Samples so zu kombinieren, daß selbst gestandene Rocker den Weg auf die Tanzfläche fanden, ging - zumindest knapp zwei Jahre lang - auf. "The rockefella skank", "Gangsta trippin" und "Praise you" bewiesen, daß so etwas wunderbar funktionieren kann. Big Beat, an dessen Namen der Mitbesitzer der "Bigbeat Boutique" nicht ganz unschuldig ist, war einst Trend der (halben) Stunde. Der Mann, der schon das legendäre Riff aus "(I can't get no) Satisfaction" mit einem Breakbeat versah, macht sich nun ein drittes Mal auf Schnitzeljagd. Selten lassen sich Samples, Loops und andere Versatzstücke allerdings so leicht identifizieren, wie das "Purple Haze"-Riff, das uns in "Talking 'bout my baby" so herzhaft entgegen bratzt.

Cook hat dabei niemals behauptet, innovative Platten abzuliefern. Über den Richtungswechsel seiner großen Vorbilder, der Chemical Brothers, auf deren letzten Album "Surrender" zeigte er sich besonders erfreut. Wenn sich die Leute änderten, die er beklaue, könne ihm das doch nur gut tun. Zudem hat er wohl auch ausgiebig "Play", dem letztjährigen Geniestreich von Moby, gelauscht. Wenn er sich nun gerne bei anderer Leutes Ideen bedient, sichert er sich doch lieber die Mitarbeit von Leuten, die keine Widerworte (mehr) geben. Wie Jim Morrison, dessen gewohnt kryptische Verse die erste Single "Sunset (Bird of prey)" bevölkern, zum Beispiel. Ungewöhnlich düster blitzt und flackert es aus verhangenen Klangwolken. In der dunklen Höhle, in der Fatboy Slim hier seinen Plattenspieler aufbaute, regiert das Echo. Ob es sich bei dieser Höhle um den Hades handelte, ist nicht überliefert. Die Anreise für Herrn Morrison hätte es jedoch um einiges verkürzt.

Überhaupt ist nicht viel von der rotzigen Unbeschwertheit, die "You've come a long way, baby" ausgezeichnet hatte, übrig geblieben. Zwar zucken die Knie mitunter immer noch, aber die Tanzflächen scheint trotz der Mitarbeit von Raspelstimme Macy Gray und Funkateer Bootsy Collins in weiter Ferne. Sollte sich das Thema Big Beat erledigt haben? Plötzlich knarzt es bei "Ya mama" aber wieder mächtig im Boxengebälk. "Push the tempo" schreit die Samplestimme und die Gitarren kämpfen gegen die Strom. Blubbernde Bassmembranen empfangen uns dann bei "Retox". Eine heisere Beatbox schlängelt sich heran und ehe man es sich versieht, schwitzt man doch wieder im Licht der Stroboskope. Leider fällt der Endorphin-Pegel bald auch schon wieder ab. Gute Laune läßt sich nur manchmal ersamplen. Für eine durchtanzte Nacht reicht es auf dem halben Weg zwischen der Gosse und den Sternen leider nicht mehr ganz. "I have to praise you"? Not this time.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Sunset (Bird of prey)
  • Ya mama
  • Retox

Tracklist

  1. Talking 'bout my baby
  2. Star 69
  3. Sunset (Bird of prey)
  4. Love life
  5. Ya mama
  6. Mad flava
  7. Retox
  8. Weapon of choice
  9. Drop the hate
  10. Demons
  11. Songs for shelter

Gesamtspielzeit: 67:15 min.

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