Death Cab For Cutie - Plans

Death Cab For Cutie- Plans

Barsuk / Atlantic / Warner
VÖ: 29.08.2005

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

In Watte gepackt

Sich rundum wohl fühlen. Einfach mal nichts tun. Die Seele baumeln lassen. Im neuen Jahrtausend ist Chillen längst zum Volkssport geworden. Mehr und mehr laufen die Bettencenter den Fitnessstudios den Rang ab, übt man sich in Lay-downs statt in Sit-ups und läßt die Gedanken schweifen statt die Füße durch den Park zu jagen. Hallo Pizzaservice, die Tür ist offen! Soll der Hund doch alleine Gassi gehen. Ah, die Amazon-Lieferung ist da. Endlich! Mit den passenden Klängen läßt sich's gleich doppelt so schön entspannen, das ist klar. Die Massen fliegen zwar vor allem auf "Café del mar" und diverse Epigonen, die einen schlagartig an den Strand katapultieren. Aber mal ehrlich: Wie will man denn das regungslose Dasein genießen, wenn der vermeintliche Sand im Nacken kitzelt und einem die imaginären Strandflöhe in den Kragen hüpfen? Da greift man doch lieber zu Musik, die den Flaum von Daunen in Klänge faßt, die so zartmachend ist wie ein Bad im Weichspüler, nur nicht ganz so giftig: Death Cab For Cutie.

Die haben inzwischen den Sprung vom Deluxe-Indie Grand Hotel van Cleef zum Majorlabel Warner vollzogen, das sich jetzt in Deutschland um den Vertrieb kümmert. Weil es ja auch die entsprechenden Voraussetzungen braucht, um die Massen zu erreichen, die nach Muße lechzen. Death Cab For Cutie wissen genau, was von ihnen erwartet wird und fühlen sich auch selbst damit pudelwohl. Man höre gleich den "Plans"-Opener "Marching bands of Manhattan". Da ist alles drin, was wir von Death Cab For Cutie so schätzen. Vor allem diese Zeilen: "Sorrow drips into your heart through a pinhole / Just like a faucet that leaks and there is comfort in the sound." Genau darum geht es hier doch: um comfort in the sound.

Entsprechend läßt einem auch die Single "Soul meets body" das Herz aufgehen. Die Gedanken flattern und tragen bis hin zur Endstation der schönsten Tagträume. "Let the sun wrap its arms around me / And bathe my skin in water cool and cleansing." Fehlt eigentlich nur noch der Klippenspringer aus der alten Cliff-Werbung. Wo die Seele nun den Körper trifft? Weit weg. "In my head there's a Greyhound station / Where I send my thoughts to far-off destinations / So they may have a chance of finding a place where they're far more suited than here." Was für ein Text! Wenn sich damit nicht 100% der Weltbevölkerung identifizieren kann, womit dann? Vor allem gegen Ende des Albums findet diese Meistertat ihre Fortsetzung. Mit Songs wie dem episch ausgefeilten "What Sarah said" und dem himmelschreiend schönen "Brothers on a hotel bed". Wer auch immer vor Urzeiten das komische Wort "Od" erfunden haben mag, bei "Kleinod" hat er wohl an sowas hier gedacht.

Aber Death Cab For Cutie haben auch mit einem anderen Problem zu kämpfen, das wir alle kennen: Da hat man sich gerade alles so schön zurecht gemacht, die Kissen aufgeschüttelt, die Rollos heruntergelassen, den Stecker aus der Telefonbuchse gezogen und einen Liter Honig mit einem Schuß Tee aufgegossen. Diesmal soll nix schief gehen mit der Entspannung. Und doch: Kaum hat man es sich bequem gemacht, überkommt einen nach zehn Minuten die Langeweile. Weil zu viel Nichtstun dann auch sehr anstrengend sein kann. Was das mit "Plans" zu tun hat? Nun, auch das Album droht gelegentlich, mit seinen an allen Ecken und Enden abgepolsterten Tönen einen prima Schlafplatz abzugeben. Wenn beispielsweise die Songwriter-Miniatur "I will follow you into the dark" in drei Minuten sagt, wofür es auch eine getan hätte. Es fehlen ein wenig die Kontrapunkte, wie sie auf "Transatlanticism" beispielsweise "The sound of settling" hießen und die einen ab und an sanft zwicken. Wahrscheinlich eine Sache der äußeren Umstände. Denn nach wie vor sind Death Cab For Cutie Meister ihres Fachs. Es läßt sich wieder ausgezeichnet Nichtstun mit "Plans". Einen derart geruhsamen Sound muß ihnen erstmal einer nachmachen. Könnte mal bitte jemand die Rückenlehne zwei Stufen niedriger stellen?

(Armin Linder)

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Highlights

  • Soul meets body
  • What Sarah said
  • Brothers on a hotel bed

Tracklist

  1. Marching bands of Manhattan
  2. Soul meets body
  3. Summer skin
  4. Different names for the same thing
  5. I will follow you into the dark
  6. Your heart is an empty room
  7. Someday you will be loved
  8. Crooked teeth
  9. What Sarah said
  10. Brothers on a hotel bed
  11. Stable song

Gesamtspielzeit: 44:19 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
bolek
2015-12-30 23:37:29 Uhr
"What Sarah said" auch.
bebbo
2012-10-28 18:31:01 Uhr
"brothers on a hotel bed" ist ganz klar mein highlight auf der platte.
The MACHINA of God
2012-10-28 16:57:51 Uhr
Ich finde "Summer skin" wirklich mit Abstand am besten. So etwas wunderschön einfaches. Ein Traum.
Ö Siel
2012-08-22 11:59:53 Uhr
Irgendwie auch süß, dass es Leute gibt, die die Platte "mehr als Transatlanticism" mögen.
The Triumph of Our Tired Eyes
2012-08-22 11:56:22 Uhr
Sowas Grossartiges wie den Titelsong schreibt man auch nur einmal im Leben.

Plus: Die Produktion auf der Transatlanticism ist natürlich ein Traum.
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