Die Fantastischen Vier - Unplugged

Die Fantastischen Vier- Unplugged

Four / Sony
VÖ: 31.10.2000

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Höhlenforscher

Das Wort haben die Fantastischen Vier bereits seit Jahren. Selbst wenn zu Zeiten des initialen Erfolgs die Sell-Out-Rufe der alten Schule kamen und wenig später die prolligen Disses aus Rödelheim in die Suppe zu spucken versuchten, selbst wenn eine bundesweit nachgewachsene Generation HipHop zur neuen deutschen Volksmusik werden läßt, sind sie doch immer noch die Godfathers of Deutschrap. Die Vier waren stets vorne weg. Sie waren die ersten in den Charts, die ersten auf MTV, die ersten von der Szene gehaßten Feindbilder, die ersten mit einem Nummer-Eins-Hit - und kürzlich waren sie (nach Herbert Grönemeyers Show für MTV Europe) die ersten, die ein Unplugged-Konzert für MTV Deutschland aufnahmen. Wer jetzt anmerkt, daß die Superlative damit wohl erschöpft seien, sollte bedenken, daß zwischen Aufnahmetermin am 14. September und dem Veröffentlichungstermin am 31. Oktober 2000 gerade mal sechs Wochen für Mischung, Nachproduktion, Mastering, Design und Pressung lagen. Schaut man sich zudem die wirklich exquisite Verpackung an, merkt man, daß es sich hier um ein echtes Liebhaberstück handelt.

Ein solch einmaliges Ereignis wußte der Stuttgarter Vierer natürlich mit der bekannten Partyerfahrung standesgemäß zu zelebrieren. Pauken und Trompeten fehlen zwar, aber dafür hat man zusätzlich zur gewohnten Liveband mit einem zwölfköpfigem Orchester und einem lautstarkem Chor sowie einem Therapietisch, einer Kettensäge und sogar einem waschechtem Meer alles am Start, was man für eine zünftige HipHop-Fete so braucht. Was nicht gebraucht wird, machen uns die Anzüge der Musiker klar: "Atomkraft nein danke" ziert die Muckerbrust. So schluckt denn auch Thomas Ds Kettensäge echtes Benzin. Besonders an letzterem merkt man endlich, daß nun wirklich keine Kosten und Mühen gescheut wurden, um "Unplugged" zu etwas ganz besonderem zu machen.

Eine Tropfsteinhöhle mitten im schönen Sauerland wurde hörbar Zeugin einer mitreißenden Feier. Äußerst spielfreudig tasten sich die Musiker genauso forsch an die obligatorischen Hits wie an eher rares Material heran und versehen es dabei mit ganz eigenen Stempeln. Nicht von ungefähr konzentriert sich die Setlist auf die beiden eher introvertierten Alben "Die vierte Dimension" und "4:99". Düster, wie es sich für eine richtige Höhle so gehört, kommen die meisten Tracks daher. Die psychedelisch-zurückgelehnte Seite diverser selten gehörter Albumtracks ("Neues Land", "Weiter als Du denkst", "Konsum") läßt viel Raum für die nur gelegentlich eingestreuten Partytracks ("Der Picknicker", "Le Smou", "MfG"). Im völlig umgestrickten "Sie ist weg" taucht sogar "Die da" kurz in der Balver Höhle auf. Smudos Neurosen im Zweikampf mit der Kettensäge ("Schizophren") zerreißen jede Zwangsjacke. Ob zurückgelehnt, augenzwinkernd oder völlig durchgeknallt - die Herren Beck, Schmidt, Rieke und Dürr lassen im Gegensatz zum manchmal etwas heiseren "Live und direkt" keine Zweifel daran, wer in HipHop-Germany das Zepter schwingt. Die Band, letztlich in der Stärke zweier Fußballmannschaften, schüttelt dazu fette Grooves und jazzige Vibes so locker aus allen Ärmeln, daß die elektronische Kühle des letzten Albums wirklicher Coolness weicht. Den auf den mitreißenden Konzerten der Vier ehrlich verdienten Schweiß kann allerdings auch dieses Album nicht wirklich ersetzen.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Hammer
  • Raus
  • Tag am Meer
  • Schizophren

Tracklist

  1. Neues Land
  2. Die Stadt die es nicht gibt
  3. Der Picknicker
  4. Jetzt geht's ab
  5. Hammer
  6. Raus
  7. Millionen Legionen
  8. Le Smou
  9. Ganz normal
  10. Sie ist weg
  11. Tag am Meer
  12. Weiter als du denkst
  13. Konsum
  14. Buenos Dias Messias
  15. Schizophren
  16. MfG

Gesamtspielzeit: 71:29 min.

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