Gus Black - Autumn days

Gus Black- Autumn days

India / Rough Trade
VÖ: 29.08.2005

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Spätrechtseinschlafen

Presseinfos - das sind die bedruckten Zettel, die umsichtige Plattenfirmen ihren CDs beilegen, damit die Musikjournalisten auch wissen, womit sie es zu tun haben - haben oft einen gewissen Unterhaltungswert. Selbst wenn eine Band absolut nichts taugt (bzw. gerade dann), lohnt sich oft ein Blick in die Ergüsse der PR-Mitarbeiter. In den Hochburgen des deutschen Musikjournalismus soll es gar Kneipen geben, in denen sich regelmäßig Schreiberlinge treffen, um sich zur Freude aller Anwesenden gegenseitig aus den sogenannten Waschzetteln vorzulesen. Im Falle von Gus Black wartet die Presseinfo mit der folgenden spannenden Geschichte auf sich: Als der Musiker einen Kopfhörer kaufen wollte, wurde das betreffende Geschäft gerade überfallen - Black blickte in den Lauf einer Pistole.

Anhand der Tatsache, daß Black jetzt sein viertes Album (das zweite unter vollem Namen) veröffentlicht, können wir ablesen, daß er die Episode unbeschadet überstanden hat. Aber die Geschichte ist so nett, daß sie auch hier noch einmal aufgegriffen sei. Es wird nämlich das einzige Mal sein, daß wir uns in dieser Plattenbesprechung dem Thema Gewalt widmen müssen. "Autumn days" ist ein Album, dessen melancholische Folk-Pop-Songs selbst gestandene Handtaschendiebe zu Tränen rühren könnte. Völlig unprätenziös hat der Mann aus L.A. hier 14 Perlen aneinandergereiht, auf daß es eine schöne Kette bzw. Platte ergebe.

"Don't go tellin' the whole world / How you ache", rät er noch im Opener und erzählt dann doch. Kleine Geschichten, die das Leben schrieb - oder der Songwriter höchstselbst. "Long beach (It's a miracle)" ist ein charmant rumpelnder Popsong, der einen schon beim ersten Hören anspringt. Der Musiker wird sein Album nicht grundlos "Autumn days" genannt haben. Romantiker würden vielleicht von einem warmen, wohlriechenden Herbstnachmittag sprechen, wenn sie die Stimmung von Blacks Musik in Worte fassen sollten. Und sie hätten recht.

Immer wieder wehen Nebelschleier durch die Songs und trüben die Sicht. Was wollen uns Zeilen wie "I'm a soldier / From Tennesee / Just a weekend soldier / On a killing spree" sagen? Und: Interessiert uns die Antwort wirklich? Manchmal regnet es auch, dann ist die Stimmung im Keller. Das sind die Momente, in denen das Album sich ein wenig im Mittelmaß zu verlieren droht. Aber ehe man sich's versieht, kommt der Künstler mit einem Song wie "Fire escape" daher und singt völlig ernst und unkitschig: "You could be my fire escape / Come with me / We don't have time to waste."

In einem Jahr, das kaum einen echten Sommertag vorweisen kann, kommt ein Album wie "Autumn days" natürlich wie gerufen. Ganz entspannt plätschert es vor sich hin und verfügt dabei doch über einiges an Tiefgang. Bis zur Gitarre im Wasser steht ein Mann, der es verdient, gehört zu werden. Die (musikalische) Wettervorhersage lautet deshalb: Der Herbst wird schön.

(Lukas Heinser)

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Highlights

  • Long beach (It's a miracle)
  • Trillion things
  • Weekend soldier
  • Fire escape

Tracklist

  1. Don't go tellin' the whole world
  2. Long beach (It's a miracle)
  3. Trillion things
  4. Traffic and sound
  5. Weekend soldier
  6. Devil spine
  7. Rollercoaster
  8. Helicopters
  9. Certain kind of light
  10. 3234 (Imbecile)
  11. Fire escape
  12. So very young
  13. Shatter
  14. Autumn Days

Gesamtspielzeit: 43:47 min.

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  • Gus Black (4 Beiträge / Letzter am 18.02.2011 - 18:07 Uhr)