James Blunt - Back to Bedlam

James Blunt- Back to Bedlam

Custard / Atlantic / Warner
VÖ: 05.09.2005

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Gleichschritt

Gerne wird Musikern die Frage gestellt, was sie denn so vor ihrem professionellen Künstlerdasein getrieben haben. Meistens wurde herumstudiert, oft auch gekellnert, sich am Fließband die Beine in den Bauch gestanden oder im Halbschlaf Zeitungen ausgetragen. Jobs, die man eben so macht, um Kohle zu verdienen - denn die für das eigene Schaffen entflammte Glut heizt zu Beginn nun mal kein ganzes Haus. Wer sich bei James Blunt nach dessen früherem Beruf erkundigt, bekommt eine unerwartete Antwort: Der 1977 geborene Engländer war Berufssoldat. Aufklärungsoffizier im Kosovo. Einer der Staatsdiener, die Queen Mum zu Grabe getragen haben. Zudem stammt er aus einer vollkommen unmusikalischen Familie. Trotzdem lernte James in der Schule Klavier, begann mit 14, auf der Gitarre Nirvana-Songs nachzuspielen und mußte jene Jugendzimmer-Sessions gegen die "Lärm!"-Vorwürfe seines Vaters, ebenfalls Berufssoldat, verteidigen.

Die Gitarre kam dann auch mit in den Kosovo - dort entstand der Song "No bravery". 2002 verließ Blunt die Armee, um sich ganz der Musik zu widmen. Was Blunt Senior natürlich mit größter Sorge und noch größerem Unverständnis sah. Allerdings konnte er sehr bald beruhigt werden: Sein Sohn bekam einen Plattenvertrag bei Linda Perrys Label "Custard" und begab sich im September 2003 nach Los Angeles, um "Back to Bedlam" aufzunehmen. James Blunt erinnert stimmlich stark an David Gray, und sein Debüt klingt, trotz Unterstützung von Qualitätsproduzent Tom Rothrock (Beck, Elliott Smith, Badly Drawn Boy), so sauber getrimmt wie ein Soldatenhaarschnitt.

Los geht's mit "High", einem simplen Liebesliedchen, das zu nettem, gefälligem Gitarrenpop die Frage "Will you be my shoulder / When I'm grey and older?" stellt. Natürlich geht, dem Songtitel entsprechend, die Stimme zum Refrain so richtig engagiert hoch und überquert einen coldplaybombastischen Gefühlssturzbach. "You're beautiful", der Radiohit mit der boygroupromantischen Gitarre, ist seit Wochen Nummer 1 der UK-Charts. "Wisemen" könnte auch von Craig David oder Daniel Bedingfield stammen, "Goodbye my lover" präsentiert einen aufgekratzten Blunt und nachdenkliche Piano-Klänge, "Tears and rain" ist eine Kollaboration mit Guy Chambers. Und der Rest: alles so ähnlich wie, nun ja, Soldatenhaarschnitte halt. Stets wurlitzert es irgendwo, das Tempo erreicht höchstens den mittleren Bereich, und es geht um Liebe. Einem durchschnittlichen Berufssoldat fehlen normalerweise vor allem zwei Dinge: Harmonie und sichere Kalkulierbarkeit der Situation. Man kann James Blunt fast nicht verübeln, daß ausgerechnet diese beiden Aspekte sein Debüt überbevölkern. Und es nicht gerade spannender machen.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • High
  • You're beautiful

Tracklist

  1. High
  2. You're beautiful
  3. Wisemen
  4. Goodbye my lover
  5. Tears and rain
  6. Out of my mind
  7. So long, Jimmy
  8. Billy
  9. Cry
  10. No bravery

Gesamtspielzeit: 39:26 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Boston
2008-03-23 15:01:34 Uhr
Am unerträglichsten ist immer noch seine Stimme. Aber ansonsten find ich die Musik gar nicht schlecht. Doch 9/10 niemals!
Obrac
2008-03-23 13:01:27 Uhr
vieles von konsens-indie-lieblingen wie nada surf ist stilistisch nicht allzu weit von james blunt entfernt...

Heutzutage, ja. In den Blütezeiten von Bands wie Nada Surf oder Jimmy Eat World war das aber nicht so sehr zu vergleichen.

James Blunt hat hin und wieder eine nette Melodie. Alles in allem finde ich ihn aber schrecklich pathetisch und vor allem textlich unerträglich.
reinvan
2008-03-23 12:58:23 Uhr
james blunt geht offensichtlich aufgrund der omnipräsenz im radio jegliche "indie-credibility" ab, aber ich (und offensichtlich millionen anderer menschen) halten dieses album für eines der besten pop-alben dieses jahrzehnts. mittlerweile eine 9/10 mit tendenz nach oben. eigentlich ohne einen schwachen moment.
by the way: vieles von konsens-indie-lieblingen wie nada surf ist stilistisch nicht allzu weit von james blunt entfernt...
Armin
2006-11-03 13:48:59 Uhr
JAMES BLUNT - No Bravery
CDM, VÖ 08.12.2006
Es ist keine Heldentat, Unschuldige zu töten und Kinder zu Waisen zu machen. Es ist keine Heldentat, mit schweren Waffen Dörfer auszuradieren, und schon gar nicht, Frauen zu vergewaltigen und Menschen zu foltern.

Immer noch ist JAMES BLUNTs Song No Bravery erschütternd und schmerzhaft aktuell, und wenn der junge Songwriter singt: "I see no bravery, no bravery in your eyes anymore, only sadness...", dann gibt das einen Stich ins Herz.

No Bravery ist der einzige Song auf seinem Debüt-Album Back To Bedlam, den JAMES BLUNT während seines Einsatzes als UN-Soldat im Kosovo geschrieben hat, aber er zeigt, was den jungen Mann, der mit seinen Hits High, You're Beautiful und Wisemen riesige Erfolge in vielen Ländern Europas und den USA feiern konnte, geprägt hat. Vielleicht waren es seine bitteren Erfahrungen im Kriegseinsatz, die dazu geführt haben, dass BLUNT Melodien schreibt, die Menschen tief in ihrem Gefühl berühren. Man kann nur hoffen, dass No Bravery mit seinem Piano-Arrangement und der durchdringenden, bittenden Melodie die Ohren und die Herzen der Menschen öffnen kann. Denn vielleicht ist ein so stiller Song das einzige Mittel, sich gegen das laute Geschrei in den Medien um Nichts und wieder Nichts durchzusetzen. Da können Politiker ihre Völker beschwichtigen und Redner große Reden halten, erst ein Song wie No Bravery zeigt auch unserem Herzen, wie tief der Schmerz sitzt.

JAMES BLUNT, der mit seinem Debüt Back To Bedlam Doppelplatin in Deutschland erreichte und in England und vielen anderen Ländern auf Platz 1 ging, begann im Spätsommer mit der Arbeit an seinem zweiten Album. Die Songs sind wohl schon geschrieben, nun geht es zu den Aufnahmen ins Studio. Wir dürfen gespannt auf die Veröffentlichung im Frühjahr warten.
Armin
2006-06-23 11:57:51 Uhr
JAMES BLUNT - Wisemen
CDM, VÖ 04.08.2006
You’re Beautiful, High, Goodbye My Lover - bereits 3 von 10 Songs aus dem JAMES BLUNT-Debüt Back To Bedlam stellten sich als Hits heraus! Allen voran natürlich das unschlagbare You’re Beautiful, mit dem BLUNT es auf Platz 2 der deutschen und sogar Platz 1 der US-Billboard-Charts schaffte. In Deutschland blieb der Song 29 Wochen in den Charts, erhielt eine Goldauszeichnung und machte damit dem Album, das immerhin schon mit Doppelplatin ausgezeichnet wurde und nach 40 Wochen Chartpräsenz aktuell wieder unter den ersten 25 zu finden ist, alle Ehre.

Nun folgt der vierte potenzielle Hit aus Back To Bedlam. Ein Song im kleinen Format, mit akustischer Gitarre und verhaltenem Rhodes-Piano, der über einen melodisch hartnäckigen Refrain verfügt und lange im Ohr bleibt. Wisemen unterstreicht JAMES BLUNTs erzählerisches Talent, und mehr noch als die drei Vorgänger erreicht er emotional eine Tiefe, die man in modernen Balladen selten findet, aber BLUNTs eigentliche Stärke ist: weit entfernt von Gefühlsduselei, aber ausgerüstet mit einer Melodie, die man fast "nachdenklich" nennen möchte.

Im Juli wird man JAMES BLUNT wieder live in Deutschland sehen können:

JAMES BLUNT live 2006 (Support Zero 7):
05.07. Oldenburg - Weser Ems Halle (Sportpark)
06.07. Gelsenkirchen - Amphitheater
07.07. Berlin - Adidas Arena
11.07. Köln - Tanzbrunnen
12.07. Mannheim - SAP Arena
17.07. München, Olympiahalle



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