Bloc Party - Silent alarm remixed

Bloc Party- Silent alarm remixed

Wichita / V2 / Rough Trade
VÖ: 29.08.2005

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Falscher Alarm

Da hat jemand etwas vor. Es ist erfreulich genug, daß die Wirbelwinde von Bloc Party mit ihrem großartigen Debüt "Silent alarm" die Anerkennung einfahren konnten, die sie verdienten. Ohne Zweifel einer der heißesten Anwärter für das Album des Jahres. Und während die Zappelbuden zu "Banquet" hüpfen und sich zu "So here we are" in den Armen liegen, zimmern Kele Okereke und seinen Mannen bereits am Nachfolger. Gerüchten zufolge liegen schon mindestens fünfzwanzig Songs vor, und im Oktober soll die erste Single erscheinen. Zudem plant man eine gemeinsame Weihnachtssingle mit den Überfliegerkollegen von den Kaiser Chiefs. Langeweile? Keine Chance.

Trotzdem setzt das umtriebige Label von Bloc Party noch einen drauf. Das komplette Erfolgsalbum im Remix. Das darf man durchaus "naheliegend" nennen, denn die Songs von "Silent alarm" wollen ohnehin mit aller Macht auf die Tanzfläche. "Silent alarm remixed" begleitet dabei sie mit scheuklappenlosen Umbauten durch namhafte Künstler aus beinahe allen Ecken der Musik: Mogwai, Four Tet, Ladytron, Death From Above 1979, M83, Jason Clark von Pretty Girls Make Graves, Nick Zinner von den Yeah Yeah Yeahs, die New Yorker HipHopper Automato, die Shoegazer der Engineers - auf dem Papier eine klare Sache.

Doch bevor schon wieder jeder in Spontanbegeisterung verfällt, sollte man erst einmal den Tonträger selber begutachten. Denn so reizvoll auch diese Kombination scheinen mag, so reißbrettartig wirkt mitunter die Verteilung der Aufgaben. Es sollte schließlich das gesamte Album - und dann auch noch in der originalen Reihenfolge - berücksichtigt werden. Kein Wunder, daß von der ursprünglichen Geschlossenheit wenig bleibt. Auch die begeisternden Wirbel von Drummer Matt Tong blieben mitunter auf der Strecke und wurden durch schleifende Loops oder stromlinienförmiges Scheppern ersetzt. Zum Glück traute sich kaum jemand, Hand an die hyperventilierenden Gitarren zu legen, die auf "Silent alarm" schließlich Kern aller Euphorie waren.

Aber genug gemotzt: Denn so zerschossen und spröde manche Version wirkt, so einnehmend bleiben doch immer noch die Songs, die auch der umfassendste Remix kaum klein bekommt. Und neben ein paar allzu routinierten oder tunnelblickenden Versuchen findet man durchaus Erfreuliches: Jason Clarks Entschlackung von "Positive tension" kommt wie Ladytrons pumpende Fassung von "Like eating glass" erstaunlich unterkühlt daher. Death From Above 1979 machen qua feindlicher Übernahme aus "Plans" einen grimmigen Rotzlöffel, der "Phones disco edit" schubst die Frickelhymne "Banquet" ins Stroboskoplicht, und Mogwai machen aus "Plans" ein unterschwellig beängstigendes Juwel. Und mittendrin strahlt "Blue light" mit Hilfe der Engineers in ganz neuem Glanz.

Doch so interessant diese dreizehn neuen Perspektiven auf einige der imposantesten Rocksongs dieses Jahres auch sein mögen, geht ihnen die innere Kraft, der Sturm und Drang und die himmelsstürmende Unbekümmertheit, die die Originale so gigantisch machten, oft ab. Als eine nette Dreingabe ist "Silent alarm remixed" aber immerhin ein weiterer Grund, sich mal wieder das Album anzuhören, mit dem Bloc Party sich anschickten, die Welt zu erobern. Man sieht sich im Jahrespoll.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Banquet (Phones disco edit)
  • Blue light (Engineers 'Anti-gravity' mix)
  • So here we are (Four Tet remix)
  • Plans (Replanned by Mogwai)

Tracklist

  1. Like eating glass (Ladytron Zapatista mix)
  2. Helicopter (Whitey version)
  3. Positive tension (Jason Clark of Pretty Girls Make Graves remix)
  4. Banquet (Phones disco edit)
  5. Blue light (Engineers 'Anti-gravity' mix)
  6. She's hearing voices (Erol Alkan's calling your dub)
  7. This modern love (Dave Pianka's Making time remix)
  8. The pioneers (M83 remix)
  9. Price of gasoline (Automato remix)
  10. So here we are (Four Tet remix)
  11. Luno (Bloc Party vs. Death From Above 1979)
  12. Plans (Replanned by Mogwai)
  13. Compliments (Shibuyaka remix by Nick Zinner)

Gesamtspielzeit: 63:02 min.

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