Bright Eyes - Fevers and mirrors

Bright Eyes- Fevers and mirrors

Saddle Creek / Wichita / EFA
VÖ: 03.11.2000

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Heul doch!

Conor Oberst ist ein Jammerlappen. Die Welt ist dermaßen gegen ihn, daß er nicht müde wird, gegen das Ungemach, das sie ihm zufügt, anzusingen. Er nimmt seine Gitarre, entlockt ihr ein paar durchaus gefällige Melodien und fängt vor laufendem Tonbandgerät an zu weinen. Das Glockenspiel klimpert, die Flöten säuseln - wie ergreifend! Spätestens nach dem dritten Song - die Taschentücher sind mittlerweile ausgegangen - beginnt man sich allerdings zu fragen, ob der Herr denn wirklich nichts anderes zu tun hat, als herumzumemmen.

Aufgesetzte Neurosen und Depressionen gibt es auf dem symbolüberladenen "Fevers and mirrors" nämlich gleich im Dutzend. Warum all das Geheule, das zudem dermaßen übertrieben daherkommt, daß man Brett Anderson und Keith Caputo für zurückhaltende, gar gefühllose Klötze halten könnte? Zwei Dinge verderben Oberst die Laune: die böse katholische Kirche, die ihm sein Leben versaute, und natürlich die Frau, die ihm weggelaufen ist. Ihr jammert er seine Folksongs auf Band und fordert sie auf, sich seine Tränen anzuhören. Dazu hat sie verständlicherweise keine Lust. "You said you hate my suffering." Mit dieser Einstellung ist sie nicht alleine.

Rein zufällig findet sich auch noch ein Interview mit dem Tränensack der Nation, das uns seine Gefühlswelt nahebringen soll. Wer diese Arienette sei, die immer wieder erwähnt wird, will man wissen. Er wolle nicht darüber reden, da sie eventuell zuhöre. Daß diese Person nur Ausgeburt seiner kaputten Persönlichkeit ist, täte nichts zur Sache. Für ihn sei sie ja real. In jeder Sekunde von "Fever and mirrors" heischt er nach Mitleid. "I want people to feel sorry for me", erklärt er sich. Schon als als Kind stach er sich immer dann, wenn man ihm nicht genügend Aufmerksamkeit schenkte, in den Arm, aber die folgende Aufmerksamkeit hasste er. Da sollte einen nichts mehr wundern. Schon gar nicht der nächste in Tränenflüssigkeit ertränkte Song.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Something vague

Tracklist

  1. A spindle, a darkness, a fever and a necklace
  2. A scale, a mirror and those indifferent clocks
  3. The calendar hung itself...
  4. Something vague / The movement of a hand
  5. Arienette
  6. When the curious girl realizes she is under glass
  7. Haligh, haligh, a lie, haligh
  8. The center of the world
  9. Sunrise, sunset
  10. An attempt to tip the scales
  11. A song to pass the time

Gesamtspielzeit: 55:02 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Friedenspreisrede
2016-11-04 17:32:38 Uhr
Das Cover ist eine Hommage an ein Uriah Heep-Album, auf dessen Namen ich jetzt nicht komme. Ansonsten hat mich das vor vielen, vielen Jahren für ein paar Monate mal berührt, aber nun bin ich nicht mehr sicher, ob es wirklich an der Musik lag oder an den amourösen Begleitumständen. Stimme, Gesangsstil und Texte finde ich heute unerträglich, wobei die Songs selbst gar nicht schlecht sind. Hoffnungsloser Romantiker schreitsingt sich die Seele aus dem Leib. 5/10

edegeiler

Postings: 1282

Registriert seit 02.04.2014

2016-11-04 15:07:21 Uhr
ich mag oliver ding nicht gerne zustimmen, aber hier hat er recht. was für ein unerträgliches geheule von irgendnem lappen, der sich auf seine achsoschlimme traurigkeit einen runterholt. furchtbare scheiße.

Affengitarre

Postings: 4278

Registriert seit 23.07.2014

2015-09-23 17:38:45 Uhr
Brand New wurde insgesamt bei allen Alben viel zu niedrig bewertet. Da können überall ruhig drei Punkte drauf.
Naja
2015-09-23 17:04:44 Uhr
Die vier Punkte für "Déjà..." waren wenigstens halbwegs gut begründet.

The MACHINA of God

Postings: 14337

Registriert seit 07.06.2013

2015-09-23 14:36:06 Uhr
Ja, das sorgte hier auch für viel Diskussionsstoff. Die 6/10 für "Lifted..." find ich komischerweise aber fast noch fataler.
Zum kompletten Thread

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