Annie - Anniemal

Annie- Anniemal

WEA / Warner
VÖ: 29.08.2005

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

This shit is Bananaramas

Selbst die verwegensten Trampelpfade des Googleversums haben uns da zu keiner Antwort geführt: Darf man behaupten, daß eine 28jährige Norwegerin namens Annie der erste Mensch werden könnte, der es nach einem Spex-Titel auch noch aufs Cover der Bravo schafft? Gab es das schon mal? Und kann da noch irgendwas dazwischenkommen? Annie jedenfalls, also jene 28jährige Norwegerin, sieht aus wie ein Popstar, klingt wie ein Popstar, fühlt sich an wie ein Popstar. Und hat auch sonst ihre Hausaufgaben gemacht. Genau wie das obligatorische Rudel hilfsbereiter Star-Produzenten. Da geht also nichts mehr schief? Höchstens, wenn irgendwer merkt, daß Annie für den ganz großen Erfolg eigentlich viel zu gut ist.

Timo Kaukolampi von den finnischen Elektronikern Op:l Bastards dürfte daran besonders gelegen sein. Er ist so etwas wie der hauptverantwortliche Produzent auf "Anniemal", hat alles schön auf Achtziger gekämmt und dafür doch viel weniger Synthesizer gebraucht, als man meinen könnte. Mit den wirklich herausragenden Tracks der Platte hatten indes allerdings andere zu tun. "Greatest hit" haben Annie und ihr verstorbener Freund Erot schon vor Jahren um ein Madonna-Sample herumgebaut. Das absolut unerläßliche "Chewing gum" klingt, als hätte es Star-DJ Richard X direkt aus dem fittesten Tanzboden der Welt gestampft. Und "Heartbeat" schließlich hört sich zwar an wie Phoenix featuring Kylie Minogue. Tatsächlich ist dieser Guten-Morgen-Kuß von einem Popsong aber unter Mithilfe der Röyksopp-Buben entstanden.

In einer Stil-Ecke also, wo mit den meisten Künstlern nach der ersten Killer-Single schon nicht mehr viel los ist, hat "Anniemal" gleich aus dem Stand drei Gewinner hinbekommen, an denen in nächster Zeit kein Niveau-DJ vorbeikommen wird. Und daß hier auch sonst vieles anders ist, als bei den üblichen Dance-Pop-Verdächtigen, erklärt sich dann natürlich von selbst. Wenn Annie ihr dünnes Stimmchen schultert und zunehmend gewagteren, aber stets sehr unaufgeregten Beats hinterherhechelt, will das einfach niemals so schlecht klingen, wie es sich am Bildschirm liest. Und obwohl die Unsitte des maßlosen Produzenten-Overkills bisher noch beinahe jede betroffene Platte totgekriegt hat - "Anniemal" funktioniert trotzdem. Einfach so.

Vielleicht sind es der spitzbübige Humor und ihre offenkundige Niedlichkeit, mit denen Annie so spielerisch und unwiderstehlich kokettiert. Vielleicht sind es sogar die Songs selbst, für die Annie eben auch noch ein Händchen hat. Und von denen mindestens zwei Drittel tatsächlich etwas taugen. Das trippige "Come together" verhebt sich vielleicht etwas an seinem Acht-Minuten-Kostüm. Und die Missy-Elliott-Hommage "Always too late" wirkt zwischen all dem herrlich herausgeputzten Hochglanz-Pop schon beinahe eine Spur zu grobkörnig. Obwohl auch dieser Track für sich genommen wieder jeden Britney-meets-Pharell-Versuch ins Handtäschchen steckt. Wo wir die übrigens gerade erwähnen: Unsere Spex-Bravo-Cover-Geschichte hat natürlich Ex-Lover Justin Timberlake schon längst für sich verbucht. Fiel uns gerade wieder ein. Aber deshalb den ganzen Aufhänger neu schreiben? Ich bitte Sie.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Chewing gum
  • Heartbeat

Tracklist

  1. Intro
  2. Chewing gum
  3. Always too late
  4. Me plus one
  5. Heartbeat
  6. Helpless fool for love
  7. Anniemal
  8. No easy love
  9. Happy without you
  10. Greatest hit
  11. Come together
  12. My best friend

Gesamtspielzeit: 46:11 min.

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